Home
http://www.faz.net/-hoy-785zu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nordkorea Deutschland soll Botschaft räumen

Nordkorea hat der Bundesregierung empfohlen, die deutsche Botschaft in Pjöngjang zu räumen. Im Laufe des Tages war eine ähnliche Empfehlung auch an Großbritannien und Russland ergangen. Das Auswärtige Amt gab an, die Sicherheit der Botschaft laufend zu überprüfen.

© AFP Vergrößern Provokation folgt auf Provokation: Kim Jong-un, hier am 7. März

Nordkorea hat der Bundesregierung empfohlen, die deutsche Botschaft in Pjöngjang zu räumen. Das meldete die Nachrichtenagentur dpa. Vom Auswärtigen Amt gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Dort hieß es am Freitag nur: „Die Sicherheit und Arbeitsmöglichkeit unserer Botschaft in Pjöngjang wird angesichts der Eskalation laufend überprüft.“

Auch Russland, Bulgarien, die Tschechische Republik sowie Großbritannien haben mitgeteilt, dass Nordkorea ihre und die Botschaften weiterer Länder aufgefordert habe, Evakuierungspläne zu prüfen. Nordkorea hat die Botschaften in der Hauptstadt Pjöngjang nach britischen Angaben vor Auswirkungen auf ihre Sicherheit im Falle eines Konfliktes gewarnt. Pjöngjang habe erklärt, dass die Sicherheit der diplomatischen Vertretungen ab dem 10. April nicht mehr garantiert werden könne, wenn es zu einem Konflikt komme, teilte die Regierung in London am Freitag mit.

Deutschland wird in Nordkorea durch Botschafter Gerhard Thiedemann vertreten. Die Bundesrepublik nimmt in der Hauptstadt Pjöngjang auch die Interessen mehrerer anderer Staaten wahr, die dort keine eigene Vertretung haben. Erst am Vormittag hatte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Nordkoreas Botschafter in Berlin einbestellen lassen. Dort sei dem Diplomaten „in deutlichen Worten die sehr große Sorge der Bundesregierung angesichts der von Nordkorea zu verantwortenden Eskalation“ vermittelt worden, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Das jüngste Vorgehen der Führung in Pjöngjang sei „im Ton und in der Sache in keiner Weise akzeptabel“.

„Geburtstagsüberraschung“ für Kim Il-sung?

Derweil setzt Nordkorea weiter auf Konfrontation. Das Militär verlegte am Freitag eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die Raketen haben eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine amerikanische Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. Als Reaktion entsandte die südkoreanische Marine zwei mit speziellem Radar ausgestattete Zerstörer, um einen möglichen Raketenstart aufzuzeichnen.

Südkorea rechnet nach Angaben eines ranghohen Militärs damit, dass die Raketen als „Überraschung“ abgefeuert werden. Dafür spreche, dass sie auf mobile Abschussrampen installiert und anschließend versteckt worden seien. Unklar sei, ob die Raketen für eine Militärübung oder einen Test verlegt worden seien, zitiert Yonhap den Militär. Beobachter schließen nicht aus, dass die Raketen anlässlich der Feierlichkeiten zum 101. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung am 15. April abgeschossen werden.

Kim Jong Un © AP Vergrößern Lässt sich feiern: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte zuvor Nordkorea im Konflikt mit den Vereinigten Staaten und Südkorea zu einem Kurswechsel aufgerufen. „Atomwaffen sind kein Spielzeug“, sagte der Südkoreaner am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Madrid. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt außer Kontrolle gerate. „Ich bin besorgt, denn jeder Kalkulationsfehler und jede Fehleinschätzung können in der jetzigen Lage auf der koreanischen Halbinsel eine Krise auslösen, die äußerst schwerwiegende Folgen hätte.“

Weiter keine Einreise nach Kaesong

Eine Entspannung ist auch nicht in dem von Nord- und Südkorea gemeinsam betriebenen Industriepark Kaesong in Sicht. Die Führung in Pjöngjang verweigert seit Mittwoch sowohl südkoreanischen Pendlern als auch Lieferanten die Einreise. Wegen eines Feiertages in Nordkorea erschienen die 53.000 nordkoreanischen Mitarbeiter am Freitag ohnehin nicht zur Arbeit in den 123 Unternehmen.

Drei Textilunternehmen haben nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums bereits die Arbeit einstellen müssen, weil der Nachschub stockt. 608 südkoreanische sowie sechs chinesische Mitarbeiter hielten sich noch in der Industriezone auf. Für sie bestehe derzeit kein Sicherheitsrisiko. Allerdings reichten die Nahrungsmittel maximal noch eine Woche.

Infografik / Reichweiten nordkoreanischer Raketen 2

Trotz aller Drohungen aus Nordkorea gibt es für Reisende nach Südkorea derzeit noch keine Einschränkungen. „Uns sind bisher keine Einschränkungen für Touristen bekannt“, sagte eine Sprecherin des Fremdenverkehrsamtes. Das gelte auch für die bei Touristen beliebten Touren an die innerkoreanische Grenze. Auch das Auswärtige Amt in Berlin sieht derzeit keine konkrete Gefährdung deutscher Staatsangehöriger.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als äußerst gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt. Am Samstag rief Pjöngjang den „Kriegszustand“ im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

Als weitere Eskalationsstufe drohte das Regime den Vereinigten Staaten offiziell mit einem Atomschlag. Allerdings bezweifeln Experten, dass das Land auf Jahre hinaus in der Lage sein wird, amerikanisches Festland mit einer Atomrakete zu treffen.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Amerikanische Gefangene Pjöngjangs Botschaft auf CNN

Hilferuf aus Nordkorea: CNN strahlt auf Wunsch Pjöngjangs ein Interview mit drei amerikanischen Gefangenen aus. Diese bitten Washington um Vermittlung durch Bill Clinton oder George Bush. Mehr

02.09.2014, 07:50 Uhr | Politik
Der Kim Il Sung Marathon in Nordkorea

Im nordkoreanischen Pjöngjang durften dieses Mal auch rund 400 ausländische Sportler beim alljährlichen Laufspektakel dabei sein. Der Marathon fand zu Ehren von Staatsgründer Kim Il-sung statt. Mehr

14.04.2014, 14:48 Uhr | Sport
Matthew Todd Miller Nordkorea will Amerikaner vor Gericht stellen

Nordkorea hat angekündigt, dem inhaftierten Amerikaner Matthew Miller den Prozess zu machen. Miller hatte sich erst vor wenigen Tagen mit einem Hilferuf an die amerikanische Regierung gewandt. Mehr

07.09.2014, 06:09 Uhr | Politik
Israelischer Luftangriff zerstört mehrstöckiges Wohnhaus

Unterdessen wurden mindestens zwei Raketen aus dem südlichen Libanon auf Israel abgefeuert. Nach Angaben der israelischen Militärs landete mindestens eine Rakete im Norden des Landes nahe einer Stadt an der Mittelmeerküste. Mehr

25.08.2014, 09:41 Uhr | Politik
Kampf gegen den IS-Terror Berlin sucht seine Rolle

Außenminister Steinmeier gibt zu erkennen, dass er Obamas Ansatz gegen den Islamischen Staat für ausbaufähig hält. Aber auch die Bundesregierung habe noch keine letztlich umfassende Strategie mit Erfolgsgarantie. Mehr

11.09.2014, 17:28 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.04.2013, 12:20 Uhr

Schmerzhafter Sieg

Von Matthias Wyssuwa

Stefan Löfven von den Schwedendemokraten ist der Wahlsieger. Ein Bündnis mit den linken und den Grünen hat aber nur eine dünne Mehrheit im Parlament. Eine schwierige Regierungszeit steht ihm bevor. Mehr 1