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Nordkorea : Deutschland soll Botschaft räumen

  • Aktualisiert am

Provokation folgt auf Provokation: Kim Jong-un, hier am 7. März Bild: AFP

Nordkorea hat der Bundesregierung empfohlen, die deutsche Botschaft in Pjöngjang zu räumen. Im Laufe des Tages war eine ähnliche Empfehlung auch an Großbritannien und Russland ergangen. Das Auswärtige Amt gab an, die Sicherheit der Botschaft laufend zu überprüfen.

          Nordkorea hat der Bundesregierung empfohlen, die deutsche Botschaft in Pjöngjang zu räumen. Das meldete die Nachrichtenagentur dpa. Vom Auswärtigen Amt gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Dort hieß es am Freitag nur: „Die Sicherheit und Arbeitsmöglichkeit unserer Botschaft in Pjöngjang wird angesichts der Eskalation laufend überprüft.“

          Auch Russland, Bulgarien, die Tschechische Republik sowie Großbritannien haben mitgeteilt, dass Nordkorea ihre und die Botschaften weiterer Länder aufgefordert habe, Evakuierungspläne zu prüfen. Nordkorea hat die Botschaften in der Hauptstadt Pjöngjang nach britischen Angaben vor Auswirkungen auf ihre Sicherheit im Falle eines Konfliktes gewarnt. Pjöngjang habe erklärt, dass die Sicherheit der diplomatischen Vertretungen ab dem 10. April nicht mehr garantiert werden könne, wenn es zu einem Konflikt komme, teilte die Regierung in London am Freitag mit.

          Deutschland wird in Nordkorea durch Botschafter Gerhard Thiedemann vertreten. Die Bundesrepublik nimmt in der Hauptstadt Pjöngjang auch die Interessen mehrerer anderer Staaten wahr, die dort keine eigene Vertretung haben. Erst am Vormittag hatte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Nordkoreas Botschafter in Berlin einbestellen lassen. Dort sei dem Diplomaten „in deutlichen Worten die sehr große Sorge der Bundesregierung angesichts der von Nordkorea zu verantwortenden Eskalation“ vermittelt worden, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Das jüngste Vorgehen der Führung in Pjöngjang sei „im Ton und in der Sache in keiner Weise akzeptabel“.

          „Geburtstagsüberraschung“ für Kim Il-sung?

          Derweil setzt Nordkorea weiter auf Konfrontation. Das Militär verlegte am Freitag eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die Raketen haben eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine amerikanische Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. Als Reaktion entsandte die südkoreanische Marine zwei mit speziellem Radar ausgestattete Zerstörer, um einen möglichen Raketenstart aufzuzeichnen.

          Südkorea rechnet nach Angaben eines ranghohen Militärs damit, dass die Raketen als „Überraschung“ abgefeuert werden. Dafür spreche, dass sie auf mobile Abschussrampen installiert und anschließend versteckt worden seien. Unklar sei, ob die Raketen für eine Militärübung oder einen Test verlegt worden seien, zitiert Yonhap den Militär. Beobachter schließen nicht aus, dass die Raketen anlässlich der Feierlichkeiten zum 101. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-sung am 15. April abgeschossen werden.

          Lässt sich feiern: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
          Lässt sich feiern: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un : Bild: AP

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte zuvor Nordkorea im Konflikt mit den Vereinigten Staaten und Südkorea zu einem Kurswechsel aufgerufen. „Atomwaffen sind kein Spielzeug“, sagte der Südkoreaner am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Madrid. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt außer Kontrolle gerate. „Ich bin besorgt, denn jeder Kalkulationsfehler und jede Fehleinschätzung können in der jetzigen Lage auf der koreanischen Halbinsel eine Krise auslösen, die äußerst schwerwiegende Folgen hätte.“

          Weiter keine Einreise nach Kaesong

          Eine Entspannung ist auch nicht in dem von Nord- und Südkorea gemeinsam betriebenen Industriepark Kaesong in Sicht. Die Führung in Pjöngjang verweigert seit Mittwoch sowohl südkoreanischen Pendlern als auch Lieferanten die Einreise. Wegen eines Feiertages in Nordkorea erschienen die 53.000 nordkoreanischen Mitarbeiter am Freitag ohnehin nicht zur Arbeit in den 123 Unternehmen.

          Drei Textilunternehmen haben nach Angaben des südkoreanischen Vereinigungsministeriums bereits die Arbeit einstellen müssen, weil der Nachschub stockt. 608 südkoreanische sowie sechs chinesische Mitarbeiter hielten sich noch in der Industriezone auf. Für sie bestehe derzeit kein Sicherheitsrisiko. Allerdings reichten die Nahrungsmittel maximal noch eine Woche.

          Bild: dpa

          Trotz aller Drohungen aus Nordkorea gibt es für Reisende nach Südkorea derzeit noch keine Einschränkungen. „Uns sind bisher keine Einschränkungen für Touristen bekannt“, sagte eine Sprecherin des Fremdenverkehrsamtes. Das gelte auch für die bei Touristen beliebten Touren an die innerkoreanische Grenze. Auch das Auswärtige Amt in Berlin sieht derzeit keine konkrete Gefährdung deutscher Staatsangehöriger.

          Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als äußerst gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt. Am Samstag rief Pjöngjang den „Kriegszustand“ im Verhältnis zu Südkorea aus. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg.

          Als weitere Eskalationsstufe drohte das Regime den Vereinigten Staaten offiziell mit einem Atomschlag. Allerdings bezweifeln Experten, dass das Land auf Jahre hinaus in der Lage sein wird, amerikanisches Festland mit einer Atomrakete zu treffen.

          Quelle: FAZ.NET

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