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Japan : Abe verzichtet auf Schrein-Besuch

Anstößiges Gedenken: Parlamentarier der Regierungspartei besuchen den Yasukuni-Schrein in Tokio Bild: REUTERS

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe beugt sich dem Druck aus Washington und verzichtet darauf, zum Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs den Yasukuni-Schrein in Tokio zu besuchen.

          Der japanische Regierungschef Shinzo Abe hat unter starkem internationalem Druck darauf verzichtet, zum Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs den Yasukuni-Schrein in Tokio zu besuchen. Er schickte allerdings einen engen Vertrauten. Der überbrachte dem Träger des Schreins, in dem auch japanische Kriegsverbrecher geehrt werden, im Namen Abes eine großzügige Spende. „Ich habe eine Spende geschickt, um zu trauern, und meinen Dank zu sagen an die, die für unser Land gekämpft und ihr wertvolles Leben gegeben haben“, sagte der Regierungschef japanischen Journalisten am Donnerstag in seinem Amtssitz in Tokio.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Abes Bote Koichi Hagiuda, ein Abgeordneter der regierenden Liberaldemokraten (LDP), berichtete, der Ministerpräsident habe dem Schrein eine Botschaft des Bedauerns überbringen lassen, „dass er nicht in der Lage war, an diesem Tag einen Besuch abzustatten.“

          Neben Abe verzichteten auch die wichtigsten Kabinettsmitglieder darauf, an diesem Tag im Schrein der Kriegstoten zu gedenken. Vor allem in China und in Korea, die besonders unter der japanischen Besetzung im Krieg zu leiden hatten, gilt der Schein als Hochburg und Symbol des japanischen Nationalismus. Für Japans Nationalisten ist er ein Wallfahrtsort.

          Druck aus Washington

          Abe weigerte sich, auf Fragen zu antworten, ob er den Schrein an einem anderen Tag besuchen wolle. In der Vergangenheit hatte der Ministerpräsident mehrfach bedauert, dass er während seiner kurzen ersten Amtszeit 2007 auf einen Besuch verzichtet habe. Es war wohl vor allem Druck der amerikanischen Regierung, der Abe jetzt entgegen den von ihm selbst geweckten Erwartungen, zum Einlenken bewegte.

          Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass Abe am Donnerstag den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des amerikanischen Senats, Robert Mendendez, zu einem kurzen Gespräch traf. Der Amerikaner lobte die Entscheidung Abes, auf den Besuch zu verzichten, anschließend als „sehr klar, sehr nachdenklich und zukunftsweisend“. Mendendez hatte sich schon am Vortag so geäußert, als Abe seinen Entschluss offiziell noch gar nicht bekannt gegeben hatte. Regierungsnahe Kreise hatten allerdings seit Tagen gestreut, dass Abe wohl nicht zum Yasukuni-Schrein gehen werde. Die Regierung in Washington befürchtete, dass ein Besuch Abes die Spannungen in Ostasien noch weiter verstärkt hätte.

          Abe nahm am Donnerstag statt dessen an einer anderen Gedenkstätte in Tokio mit dem Kaiserpaar an einer staatlich organisierten Gedenkveranstaltung teil. In seiner Rede sicherte er zu, dass Japan alles tun werde, für eine Welt in Frieden zu arbeiten. Er vermied es aber ausdrücklich, auf den japanischen Aggressionskrieg gegen China, Korea und andere Länder hinzuweisen. Für Abe war dieser Donnerstag ein Balanceakt. Auf der einen Seite durfte er die ostasiatischen Nachbarländer, vor allem aber den amerikanischen Verbündeten nicht brüskieren. Auf der anderen Seite erwarteten gerade seine Unterstützer aus dem nationalistischen Flügel LDP, dass der Regierungschef erkennbar Flagge zeigt.

          Auch deswegen schickte Abe den Abgeordneten Hagiuda als seinen Vertreter und ließ die Spende an den Yasukuni-Schrein in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der LDP überbringen. Neben zahlreichen LDP-Abgeordneten nahmen auch drei Kabinettsmitglieder an den Feiern im Yasukuni-Schrein teil. Innenminister Yoshitaka Shindo erklärte Reportern, er sei als Privatperson gekommen, nicht als Minister. Staatsminister Keiji Furuya, der für Nordkorea zuständig ist, sagte, „wie der Kriegstoten gedacht wird, ist eine rein innenpolitische Angelegenheit. Das ist nichts, das aus dem Ausland kritisiert oder von dort beeinflusst werden sollte.“ Ein Regierungssprecher lehnte es ab, sich zu Abes Spende zu äußern. Die habe er schließlich nicht in seiner Eigenschaft als Regierungschef gemacht.

          Peking bestellt japanischen Botschafter ein

          Das chinesische Außenministerium hat am Donnerstag nach Bekanntwerden des Besuchs der beiden Minister den japanischen Botschafter einbestellt, um gegen den Umgang Japans mit der Weltkriegsgeschichte und gegen den befürchteten neuen Nationalismus der Abe-Regierung zu protestieren. Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye appellierte an die japanische Führung, endlich „tapfere Führung“ zu zeigen und sich den Greueltaten zu stellen, die japanische Soldaten im Krieg angerichtet haben.

          Korea feierte am Donnerstag mit dem Ende des Krieges die Befreiung von japanischer Zwangsherrschaft. Japan hatte das Nachbarland 1910 unterworfen und zur Kolonie gemacht. Japan und Korea hätten vieles gemeinsam, sagte die Präsidentin. Es sei aber schwierig, gemeinsam in die Zukunft zu blicken, solange das Leiden und die Wunden der Vergangenheit nicht bewältigt seien. Park forderte von Japan vor allem eine Entschuldigung dafür, mit Gewalt zehntausende koreanischer Mädchen und Frauen in die Frontbordelle der japanischen Armee verschleppt zu haben.

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