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Afghanistan : „Islamischer Staat“ bedroht die Taliban

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Nicht mehr der einzige Feind: Ein afghanischer Soldat nach einem Angriff der Taliban in Kundus. Die Dschihadisten kämpfen in einigen Regionen Afghanistans mit dem „Islamischen Staat“ um die Vorherrschaft im aufständischen Lager. Bild: AP

Seit mehr als zehn Jahren kämpfen die islamistischen Taliban in Afghanistan vereint gegen die vom Westen gestützte Regierung. Doch nun treten die noch radikaleren Milizen des „Islamischen Staats“ zunehmend als Konkurrenten auf.

          Es ist nicht der blitzschnelle Aufstieg, den der „Islamische Staat“ (IS) im Irak und in Syrien feiern konnte. Doch langsam gewinnen auch in Afghanistan Kämpfer an Einfluss, die sich zum IS bekennen. Das Nachsehen haben die Taliban, die seit mehr als einem Jahrzehnt vereint gegen die vom Westen gestützte Regierung in Kabul kämpfen. In einigen Gegenden rund um Jalalabad etwa, Hauptstadt der Provinz Nangarhar, hätten die IS-Milizen die Taliban in diesem Frühling als führende aufständische Kraft abgelöst, berichtet die „New York Times“.

          Die Taliban, angeführt von ihrem seit Jahren untergetauchten Gründer Mullah Omar, beklagen dabei Opfer. Zehn ihrer Kämpfer seien auf der Flucht vor einer militärischen Offensive von IS-Milizen gefangengenommen und enthauptet worden, sagte ein Sprecher der afghanischen Armee der „New York Times“. Die Dschihadisten, deren Herrschaft in Afghanistan von 1996 bis 2001 durch ausgesprochene Brutalität gekennzeichnet war, sähen sich einer Konkurrenz gegenüber, die noch extremer vorgeht als sie selbst.

          Noch halte sich der Erfolg des IS in Grenzen. Die Gruppierung sei seit April 2014 daran, Kämpfer zu rekrutieren, sagte Graeme Smith, ein Analyst des Thinktanks International Crisis Group, gegenüber der „New York Times“. Bisher seien die IS-Kämpfer jedoch noch nicht in großen Verbänden aufgetreten. Zudem beschränke sich ihre Präsenz noch auf einzelne Regionen Afghanistans. Der Wettbewerb zwischen den Dschihadisten wird aber nach Angaben eines örtlichen Gouverneurs nicht nur militärisch ausgetragen, sondern auch in den Moscheen: So habe der Kommandeur der Taliban in der Provinz Farah religiöse Führer angewiesen, die Gläubigen davon zu überzeugen, dass eine Präsenz des IS in Afghanistan eine schädliche Entwicklung wäre.

          Anhaltender Vormarsch in Syrien

          Weiter auf dem Vormarsch ist der IS derweil in Syrien. Wegen heftiger Gefechte, die sich die Extremistenmiliz mit kurdischen Kämpfern lieferte, flüchteten binnen zwei Tagen mehr als 3000 Syrer in die Türkei. Wie am Donnerstag aus türkischen Regierungskreisen verlautete, kommen die Flüchtlinge größtenteils aus der syrischen Provinz Hassaka, wo sich zuletzt eines der größten Schlachtfelder der Region entwickelt hat. Rund um die gleichnamige Stadt brachten IS-Kämpfer in den vergangenen fünf Tagen rund ein Dutzend mit Sprengstoff beladene Laster in der Nähe von Armee-Stützpunkten zur Explosion. Über die Zahl der Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

          Die Provinz Hassaka ist für den IS strategisch wichtig, weil sie Gebiete verbindet, die von der Miliz im Irak und in Syrien kontrolliert werden. Sie wird überwiegend von Kurden bewohnt, die den IS ebenfalls bekämpfen, aber dabei nach eigenen Angaben unabhängig von den Regierungstruppen vorgehen. IS-Stellungen in der Provinz sind auch Ziel von Luftangriffen der USA und ihrer Verbündeten, wie die amerikanischen Streitkräfte am Donnerstag mitteilten.

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