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Dalai Lama : Wanderer zwischen zwei Welten

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Bunte Party: Im kalifornischen Anaheim richteten Freunde und Bewunderer dem Dalai Lama eine drei Tage lange Feier samt mannshoher Geburtstagstorte aus. Bild: AFP

Zu seinem 80. Geburtstag nach dem tibetischen Mondkalender konnten die Anhänger des Dalai Lama nur heimlich beten. An diesem Montag erreichen ihn auch offizielle Glückwünsche –allerdings nur aus dem Westen.

          Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, ist ein Wanderer zwischen zwei Welten. So wird auch sein Geburtstag zweimal gefeiert. Am 21. Juni begingen die Tibeter den 80. Geburtstag ihres religiösen Oberhaupts nach dem tibetischen Mondkalender. Nach dem westlichen Kalender wurde Tenzin Gyatso am 6. Juli geboren. Glückwünsche für den höchsten Würdenträger des tibetischen Buddhismus werden aus aller Welt ins indische Dharamsala gelangen, wo der Dalai Lama seit dem Jahr 1959 im Exil lebt. Vor allem in Europa und Nordamerika hat der Dalai Lama viele Anhänger und Bewunderer. Nur in seiner Heimat Tibet sind Feiern und Gebete für ihn verboten. Dort gilt das geistliche Oberhaupt der Tibeter weiterhin als „Separatist“ und als ein „Wolf in der Mönchsrobe“, der die Abspaltung Tibets von China betreibt.

          Es ist die traurige Realität am hohen Geburtstag, dass der Dalai Lama trotz aller Bemühungen keine Annäherung an die chinesische Regierung erreichen konnte und ihm die Rückkehr nach Tibet verwehrt bleibt. Nach den Unruhen in Tibet des Jahres 2008 und den mehr als 130 Selbstverbrennungen von Tibetern aus Protest gegen die chinesische Herrschaft, für die die chinesische Führung den Dalai Lama verantwortlich macht, hat Peking keine Gespräche mehr mit den Vertretern des Dalai Lamas geführt. Der Dalai Lama hatte seine Hoffnungen auf den neuen Staats- und Parteichef Xi Jinping gesetzt und erwartet, dass dieser ihm zumindest eine „Pilgerreise“ nach China erlauben würde, doch Xi Jinping zeigt sich in der Tibet-Frage genauso hart wie seine Vorgänger.

          Friedensnobelpreis für Dalai Lama

          Der Dalai Lama hat sich seit seiner Flucht aus China aus dem Exil für mehr Selbstbestimmung und Religionsfreiheit für Tibet und die tibetischen Regionen in anderen Provinzen Chinas eingesetzt. Er hat dabei schon lange die Forderung nach Unabhängigkeit aufgegeben und strebt mit seinem „Mittelweg“ nach „wahrer Autonomie“ für die sieben Millionen Tibeter, die unter chinesischer Herrschaft leben. Immer hat er sich für Gewaltfreiheit ausgesprochen, was ihm in der eigenen Volksgruppe nicht von allen gedankt wird. Manche sind der Meinung, mit ausschließlich friedlichen Mitteln sei die chinesische Herrschaft nicht zu erschüttern.

          Im Jahr 1989 wurde der Religionsführer mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Auf unermüdlichen Reisen in alle Welt wirbt er für die tibetische Sache. Viele Prominente stellten sich an seine Seite. Die politische Unterstützung für ihn wird allerdings immer dünner. Niemand will es sich mit dem mächtigen China verscherzen.

          Seine politischen Ämter in der Exilregierung hat der Dalai Lama im Jahr 2011 abgegeben. In den tibetischen Regionen Chinas wird er weiterhin verehrt. Dort wurde vielerorts heimlich an seinem Geburtstag für ihn gebetet. Bei der ersten Runde der Feierlichkeiten in Dharamsala sagte der Dalai Lama, er sei nur ein einfacher Mönch, und lud alle Gratulanten ein, auch seinen 90. Geburtstag mit ihm zu feiern.

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