http://www.faz.net/-gq5-81zqx

Südchinesisches Meer : Inseln der Macht

  • -Aktualisiert am

Chinas Landgewinnung auf den umstrittenen Atollen sei systematisch und weit verbreitet, befindet das Zentrum für Strategische und Internationale Studien. Bild: Asia Maritime Transparency Initiative/Digital Globe

Mit Sand und Zement baut China auf Korallenriffen seinen Gebietsanspruch im Südchinesischen Meer aus – weit draußen vor der Küste. Bilder belegen nun, wie systematisch Peking dabei vorgeht. Der amerikanische Präsident Obama übt heftige Kritik.

          Im Streit um die Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer versucht die Volksrepublik China, mit Landgewinnung und Bauten auf umstrittenen Inseln und Atollen Fakten zu schaffen. Neue Satellitenaufnahmen zeigen, dass das Atoll „Mischief Reef“, das von China kontrolliert, aber auch von den Philippinen und von Vietnam beansprucht wird, in nur wenigen Wochen gewachsen ist und die dort existierenden Hütten durch feste Bauten ersetzt werden.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama kritisierte China in der Nacht zum Freitag für sein aggressives Verhalten. Die Volksrepublik halte sich bei Territorialstreitigkeiten mit den Nachbarstaaten nicht immer an „internationale Normen und Regeln“, sagte Obama am Donnerstag (Ortszeit) in Jamaika. China nutze seine „schiere Größe und Kraft, um Länder in untergeordnete Positionen zu drängen“. „Nur weil die Philippinen oder Vietnam nicht so groß sind wie China, heißt das nicht, dass sie einfach beiseite gestoßen werden können.“

          Das Mischief Reef im ursprünglichen Zustand Mitte der neunziger Jahre auf einem Satellitenbild. Bilderstrecke

          Das Mischief Reef gehört zu den Spratly-Inseln und liegt nur 200 Kilometer von der philippinischen Insel Palawan entfernt. Die Philippinen beanspruchen das Riff als Teil ihrer ausschließlichen Wirtschaftszone. Auf den Satellitenaufnahmen, die jetzt vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington veröffentlicht wurden, ist zu sehen, dass in den letzten Monaten Bauarbeiten auf dem Atoll stattfanden. Im Januar hat China damit begonnen, Sand aus der Umgebung des Riffs auszubaggern, um damit neue Landmasse zu schaffen. Die jüngsten Bilder des Mischief Reef vom 16. März zeigen neue Bauten, Wellenbrecher und Abflüsse. Auch die Einfahrt zu dem Atoll ist verbreitert worden. Chinas Landgewinnung auf den umstrittenen Atollen sei systematisch und weit verbreitet, hieß es dazu bei dem Washingtoner Zentrum.

          Die Bilder bestätigen die Aussage des Kommandanten der amerikanischen Pazifikflotte, Harry Harris, der in der vergangenen Woche in Australien davon gesprochen hatte, dass die Volksrepublik China eine Landgewinnung in bislang noch nie gesehenem Ausmaß auf umstrittenen Atollen eingeleitet habe. Von chinesischen Schiffen werde Sand auf die lebenden Korallenriffe gepumpt. Auch auf solche, die unter Wasser liegen. Im Anschluss würden sie mit Zement bedeckt. Es seien so bereits 1,5 Quadratkilometer neue Landmasse geschaffen worden, sagte der Admiral.

          Das Mischief-Riff ist einer von sieben kleineren Vorposten, die die Volksrepublik China im Südchinesischen Meer geschaffen hat. Diese Vorposten erlauben es China, regelmäßige Patrouillen in der Region zu fahren und seine Ansprüche auf die Oberhoheit auch militärisch zu untermauern. Nach früheren Berichten der Zeitschrift „Jane’s Defence“ hat China bereits mindestens drei neue Inseln im Südchinesischen Meer geschaffen, die als Versorgungsposten und Anlaufstellen für die chinesische Marine dienen könnten. Nach den Angaben von „Jane’s Defence“ hat China auf dem Atoll Fiery Cross eine Insel aufgeschüttet, auf der eine Landebahn für Flugzeuge angelegt werden könnte. Völkerrechtlich entstehen aus der Landgewinnung keine neuen Ansprüche. Die Vereinigten Staaten äußern sich besonders besorgt über die Militarisierung dieser Außenposten.

          Weitere Themen

          Wirbelsturm und Überschwemmungen Video-Seite öffnen

          China : Wirbelsturm und Überschwemmungen

          Stürme und schwere Niederschläge haben am Montag in China vielerorts zu Verkehrsbehinderungen und Schäden geführt.

          Topmeldungen

          Währungskrise : Ist die Türkei noch zu retten?

          Bedrohlich spitzt sich die Krise zu. Nur mit einer geldpolitischen Kehrtwende wäre sie zu lösen, sagen Ökonomen. Doch Erdogan denkt nicht daran.
          Erst das Vergnügen, dann die Entscheidung: Zwei Abiturienten beim Feiern nach der letzten schriftlichen Prüfung im vergangenem Jahr.

          FAZ Plus Artikel: Beratung für die Zukunft : Abi. Was nun?

          Wenn die letzte Klausur geschrieben und das Bier mit dem Kumpel ausgetrunken ist, stehen teure Berater bereit. Sie erklären Abiturienten, was die mit ihrer Zukunft anstellen können. Katrin Hummel hat einen von ihnen begleitet.

          Immobilien : Regierung will Kauf-Nebenkosten senken

          Rund ein Siebtel zahlen Hauskäufer in Deutschland nur dafür, das Haus kaufen zu dürfen. Die Bundesregierung will das jetzt ändern. Die Grunderwerbsteuer steht aber nicht zur Debatte.
          Der Konzern VF Corp will seine Jeansmarken abspalten.

          Modeindustrie : Goodbye, Blue Jeans

          Das Bekleidungskonglomerat VF Corp. spaltet die Marken „Wrangler“ und „Lee“ ab. Ihnen wird kaum noch Wachstum zugetraut. Aber ein anderer Jeanshersteller schlägt sich glänzend.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.