http://www.faz.net/-gq5-8dnzz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.02.2016, 06:16 Uhr

Südchinesisches Meer China verlagert Raketen auf umstrittene Insel

Im Südchinesischen Meer versuchen mehrere Staaten ihre Gebietsansprüche durchzusetzen. Es geht um Rohstoffe, Seewege und Macht. China hat nun Boden-Luft-Raketen auf einer der Inseln stationiert.

© dpa Die Spratley-Inseln im Südchinesischen Meer, wo Korallenriffe zu künstlichen Inseln aufgeschüttet werden

China hat im Streit um Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer Boden-Luft-Raketen auf einer Insel in der Region stationiert. Das bestätigte am Mittwoch ein Sprecher des taiwanischen Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Auch das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigte die Verlagerung der Raketen, wie der Fernsehsender Fox News berichtete. Demnach zeigen Satellitenbilder zwei Raketenbatterien, die auf Woody Island aufgestellt wurden.

Die Insel gehört zur Paracel-Inselgruppe, die seit über 40 Jahren unter Kontrolle Chinas steht, aber auch von Taiwan und Vietnam beansprucht wird.

Obama: Stehen unseren Verbündeten zur Seite

Die Stationierung der Raketen wurde bekannt, während Amerikas Präsident Barack Obama mehrere südostasiatische Staaten zu einer Konferenz in Kalifornien empfing, um über Möglichkeiten zur Entspannung des Konfliktes in der Region zu sprechen. „Wir werden weiterhin unseren Verbündeten und Partnern dabei helfen, ihre Marine-Fähigkeiten zu verstärken“, sagte Obama am Dienstag nach dem Ende des Asean-Treffens in Rancho Mirage (Kalifornien). Konflikte müssten friedlich und nach internationalem Recht beigelegt werden, sagte er mit Blick auf den Territorialkonflikt mit China.

Mehr zum Thema

„Die Vereinigten Staaten und Asean unterstreichen ihr starkes Bekenntnis zu einer regionalen Ordnung, in der internationale Regeln und Normen sowie die Rechte aller Nationen, der kleinen wie der großen, gewahrt werden“, sagte Obama nach Beendigung des Treffens der zehn Asean-Länder. Dazu gehöre auch die Freiheit der Handelswege.

Infografik / Karte / Beanspruchte Seegebiete / Südchinesisches Meer © F.A.Z. Vergrößern

Im Südchinesischen Meer werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet. China beansprucht 90 Prozent des 3,5 Millionen Quadratmeter großen Gebietes für sich. Darunter sind auch Inseln und Riffe, die mehr als 1000 Kilometer von der chinesischen Küste entfernt liegen. An den Spratly-Inseln schüttet China Korallenriffe zu künstlichen Inseln auf. Washington glaubt, dass Peking damit große Teile des Meeres unter seine militärische Kontrolle bringen will.

Asean-Treffen erstmals in Amerika

Die Staats- und Regierungschefs der Asean-Länder waren auf Einladung Obamas zum ersten Mal in Amerika zusammengekommen. Die Staatengemeinschaft umfasst zehn Länder in Südostasien mit insgesamt 620 Millionen Einwohnern: Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Das Treffen auf einem Anwesen in der Kleinstadt Rancho Mirage wurde nicht als offizieller Gipfel deklariert.

Obamas nationale Sicherheitsberaterin, Susan Rice, nannte die Konferenz eine historische Gelegenheit, um die Bedeutung Südostasiens und der asiatisch-pazifischen Region für Amerika zu unterstreichen. Sie wies Vorwürfe zurück, man würde über die zum Teil sehr schwierigen Menschenrechtsbedingungen in einigen Asean-Staaten schweigen – zugunsten guter wirtschaftlicher Beziehungen.

Das Handelsvolumen zwischen den Asean-Staaten und Amerika beläuft sich gegenwärtig auf etwa 250 Milliarden Dollar, das sind 55 Prozent mehr als noch 2009. Obama traf am Rande des Treffens in Kalifornien mehrere Staats- und Regierungschefs unter vier Augen. Er kündigte ferner an, im Mai erstmals nach Vietnam zu reisen. Als erster amerikanischer Präsident überhaupt wolle er außerdem im September Laos besuchen.

Quelle: dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Diplomatische Verstimmungen China kritisiert nordkoreanischen Raktentest

Mit sehr deutlichen Worten hat der chinesische Außenminister auf einen Raketentest Nordkoreas reagiert. Pjöngjangs Nuklearprogramm werde abgelehnt, sagte er. Nordkorea hatte ein Rakete von einem U-Boot aus gestartet. Mehr

24.08.2016, 04:21 Uhr | Politik
Havanna Castro trifft iranischen Außenminister

Der kubanische Staatspräsident Raul Castro hat am Montag den Außenminister von Iran, Mohammad Javad Zarif, empfangen. Der Besuch in Havanna soll die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Staaten fördern. Kuba war die erste Station einer Südamerikareise, die Zarif auch nach Chile, Nicaragua, Bolivien und Venezuela führen wird. Mehr

23.08.2016, 14:09 Uhr | Politik
Nutzung von Luftwaffenbasis Teheran verärgert über Moskaus Machtdemonstration

Eine Woche lang flog Russland seine Kampfbomber von einer iranischen Luftwaffenbasis aus in den Syrien-Krieg. Nun erklärt Teheran die Zusammenarbeit für beendet – und macht Moskau schwere Vorwürfe. Mehr

22.08.2016, 15:11 Uhr | Politik
Zur Rente in die Sonne Nobeldorf für Briten an der Algarve

Im Süden Portugals ist es wärmer als in England, die Lebenshaltungskosten sind niedriger – darum ziehen immer mehr britische Rentner an die Algarve, um ihren Lebensabend hier zu verbringen. Das portugiesische Nobeldorf Monte da Palhagueira in der Nähe von Faro bietet den Ruheständlern von der Insel neben Villen auch medizinische Versorgung, und das alles auf Englisch. Mehr

23.08.2016, 11:42 Uhr | Reise
Nato Biden verspricht Balten Beistand

Amerikas Außenminister Joe Biden versucht in Riga Befürchtungen der Balten-Staaten zu zerstreuen. Auch wenn ein Präsidentschaftskandidat das behaupte, werde Amerika seine Nato-Verbündeten nie im Stich lassen. Mehr

23.08.2016, 15:41 Uhr | Politik

Unter der türkischen Fahne

Von Berthold Kohler

Keine Loyalitätskonflikte? Es steht zu befürchten, dass Aydan Özoguz, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, in vielen Fällen recht hat. Mehr 80