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Burma Buddhistische Hetzer

Die antimuslimischen Unruhen in Burma gefährden die Demokratisierung. Von einer Gefahr für den Reformprozess spricht auch Präsident Thein Sein. Droht ein Flächenbrand?

© AP Vergrößern Ein Bild der Zerstörung in Meikhtila nach den ethnischen Unruhen

Der Buddhismus hat den Ruf, eine besonders friedliche Religion zu sein. Deshalb sind die Schilderungen über Buddhisten in Burma so verstörend, die sich im Zentrum des Landes in den vergangenen Tagen Straßenschlachten mit Muslimen lieferten, Moscheen in Brand setzten und Hass schürten. „Es war ein grausiges Spektakel. Muslime wurden geschlagen, auf die Straßen hinausgezogen, mit Benzin übergossen und lebendig verbrannt“, schrieb Aung Zaw von der Website „The Irrawaddy“. 40 Menschen wurden getötet, 10.000 sind auf der Flucht. Einem Reporter soll ein Messer an die Kehle gehalten worden sein, nachdem er Mönche dabei fotografiert hatte, wie sie eine Moschee und ein Haus zerstörten. Er musste die Speicherkarte seiner Kamera aushändigen. Doch warum kommt es jetzt zu diesen gewalttätigen Übergriffen? Droht die Ausbreitung antimuslimischer Unruhen in Burma wie bei einem Flächenbrand?

Die Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Die politische Gesamtlage in Burma, das gerade dabei ist, sich von einer 50 Jahre dauernden Militärherrschaft zu befreien, ist sehr unübersichtlich. So kann niemand sicher sagen, wie viel Einfluss etwa der alte Militärmachthaber Than Shwe hinter den Kulissen ausübt und welche Rolle das Militär genau spielt. Aufgrund dieser Unklarheiten lässt sich auch die derzeit häufig geäußerte Vermutung schwer widerlegen, dass die Unruhen Teil eines Machtgerangels hinter den Kulissen sein könnten. Es gebe keinen Zweifel, dass die gewalttätigen Angriffe auf Muslime in Meikhtila politisch motiviert seien, schrieb auch Aung Zaw. Der UN-Gesandte für Burma Vijay Nambiar, der Meikhtila besucht hat, sprach von einer „brutalen Effizienz“ und „gezielten“ Angriffen. Aus der früheren Hauptstadt Rangun kommen Berichte, dass Provokateure versuchten, die Bevölkerung anzustacheln.

Karte / Burma / Sittwe / Hauptsiedlungsgebiet der Rohingyas

Zudem waren die mit Messern, Macheten und Funkgeräten ausgerüsteten Angreifer in Meikhtila offenbar marodierend durch die Straßen gezogen, ohne von der Polizei wirklich gestört zu werden. Es sei für ihn aber nur schwer zu glauben, dass dieselben burmesischen Sicherheitskräfte, die in den Jahren 1988 und 2007 Proteste der Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen hatten, nun auf einmal „ihre Nerven verloren hätten“, kommentierte Aung Zaw.

Der bekannte Journalist spekuliert deshalb, dass es Hintermänner hinter den Unruhen in Meikhtila geben müsse: „Leute, die zu wichtig sind, um sie zu erwischen.“ Sicher sagen, um wen es sich handeln könnte, könne man aber nicht. Sind es politische Hardliner und Gegner des Präsidenten Thein Sein, die den von ihm verordneten politischen Wandel boykottieren wollen? Oder sind die Drahtzieher Geschäftsleute, die ihre Pfründe bewahren wollen, oder andere Länder, die ihren Einfluss schwinden sehen?

Notstand ausgerufen

Wer immer es sei, klarer Gewinner sei schon jetzt das Militär, schreibt Aung Zaw. Denn dem Präsidenten war gar nichts anderes übriggeblieben, als die Armee zur Hilfe zu rufen und den Ausnahmezustand über Meikhtila zu verhängen. Der Notstand wurde mittlerweile auch auf andere Orte ausgeweitet und brachte tatsächlich erst einmal Ruhe in diese Gebiete. Jedoch berge die Abhängigkeit vom Militär als Garant der Stabilität die Gefahr, dass bei einer Ausweitung der Unruhen das Militär wieder die Macht vollständig an sich reißen könnte, schreibt Aung Zaw. Schließlich erinnern sich die Burmesen noch gut daran, dass das alte Regime die Zeit schon einmal zurückgedreht hatte.

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