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Bundeswehr Neue deutsche Veteranen

 ·  Die Bundeswehr ist zur Einsatzarmee geworden. Doch die Deutschen zollen ihren Rückkehrern aus dem Kosovo oder Afghanistan oft wenig Anerkennung. Der Verteidigungsminister meint, da könne der Begriff des Veteranen helfen. Ausgerechnet die Grünen beschäftigen sich als Erste mit der Idee.

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© Pilar, Daniel Vergrößern Patrouille fern der Heimat: Bundeswehrsoldaten im Oktober 2010 in Kundus

Dem Grünen-Außenpolitiker Tom Koenigs ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière altgediente Bundeswehrsoldaten künftig als „Veteranen“ klassifizieren will. „Das ganze Schwüle“ dieses Begriffs, seufzt Koenigs, habe er schon in den Erzählungen seiner Großeltern so furchtbar gefunden - damals, als die Wehrmachtsveteranen ihre Weltkriegserlebnisse im Erinnerungsregal zwischen Schuld und Stolz einordneten.

Ob man nicht etwas Neues erfinden könne, fragt Koenigs in die Runde von Fachleuten, die sich auf Einladung der Grünen in einem Bundestagssitzungssaal versammelt haben, um über den Veteranenbegriff zu debattieren. Altgediente, Einsatzrückkehrer, Zurückgekehrte lauten einige Bezeichnungen, die im Verlauf des Nachmittags Verwendung finden; keine davon erfährt allgemeine Billigung.

Die Soziologin Anja Seiffert, die einst Mitarbeiterin in der Bundestagsfraktion der Grünen war und jetzt am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr forscht, tröstete Koenigs mit der aus Umfragen gewonnenen Erkenntnis, auch die meisten Deutschen hätten „ein Unbehagen“ wegen der Assoziationen, die der Begriff Veteran wecke.

Auslandserfahrung verschafft Chancen

Im vergangenen Herbst hatte de Maizière verkündet, angesichts des Wandels der Bundeswehr hin zu einer Freiwilligen- und Einsatzarmee sei es an der Zeit, „sachlich und offen über eine Veteranenpolitik zu diskutieren“. Es gehe darum, die „gesellschaftliche Würdigung der Soldaten durch politische Maßnahmen zu befördern“. Ausgerechnet den Grünen war das Anlass genug, ein „Fachgespräch“ zu organisieren. Als erste Partei gingen sie diese Woche in einer Art öffentlicher Anhörung der Frage nach, ob eine „Veteranenpolitik“ notwendig sei und woraus sie zu bestehen habe - ohne dabei über ihre pazifistischen Wurzeln zu stolpern.

Allerdings fassten sie die Frage weit. Ausdrücklich wurden „zivile Veteranen“ eingeschlossen, also heimkehrende Entwicklungshelfer oder Friedensdienstleistende. Auch die vielen Polizeiausbilder wurden nicht vergessen, die seit Jahren und Jahrzehnten im deutschen Auftrag Einsätze im Ausland ausführen. In diesem Sinne hätte sich Tom Koenigs mit Fug und Recht selbst in einer Veteranenrolle heimisch fühlen können, schließlich tat er im Auftrag der Vereinten Nationen im Kosovo, in Guatemala und in Afghanistan Dienst.

Doch weder Koenigs noch Wolfgang Schmitt, der zu den Grünen gehörende frühere Geschäftsführer der deutschen Entwicklungshilfezentrale GTZ (inzwischen GIZ), sahen darin einen Sinn. Es gebe „keine explizite Nachfrage nach materiellen oder symbolischen Anerkennungshandlungen des Staates für die zivile Entwicklungshilfe“, stellte Schmitt fest, im Gegenteil: Wer sich nach seiner Rückkehr im Inland nach neuen Tätigkeiten umsehen müsse, dem verschafften seine Auslandserfahrungen meist bessere Chancen.

Materielle Fürsorge statt Wertschätzung

Winfried Nachtwei, früherer verteidigungspolitischer Sprecher der Grünen, plädierte hingegen dafür, einmal jährlich einen „bunten Veteranen/Rückkehrer-Tag“ zu feiern, am besten am 29. Mai. An diesem Datum begehen die Vereinten Nationen einen „Internationalen Tag der UN-Peacekeeper“. Während Nachtwei (wie de Maizière) mit solchen Anerkennungsgesten nicht nur die Einsatzkräfte selbst würdigen, sondern die Aufmerksamkeit des deutschen Publikums für die Krisen der Welt steigern möchte, geht es den (militärischen) Veteranen aber eher darum, über diese Kategorisierung materielle Ansprüche geltend zu machen.

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