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BJP-Wahlsieg in Indien : Modi und die Rächer der Hindus

Modi-Anhänger feiern vor dem Hauptquartier der BJP in Delhi den historischen Sieg ihrer Partei. Bild: AFP

Der künftige indische Ministerpräsident Narendra Modi verdankt seinen Sieg dem chauvinistischen Geheimbund RSS. Der will nun Einfluss und nutzt die Regierungspartei BJP als politisches Machtinstrument.

          „Wir packen“, sagt Raja Singh. „Wir verlassen das Land.“ Der Mann, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, arbeitet als Hochschullehrer in Delhi, seine Frau ist gebürtige Pakistanerin, eine anerkannte Künstlerin. „In einem Indien, das von der Ideologie der radikalen Hindus bestimmt wird, wird man uns nicht leben lassen“, sagt sie. Auch die Leiterin einer katholischen Schule in der Hauptstadt hat Angst. „Die Hindus werden nun gegen religiöse Minderheiten vorgehen“, sagt sie. Von einem „drohenden 1933“ ist – mit Blick auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland – gar die Rede.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Furcht trägt drei Buchstaben: RSS. Sie stehen für das Freiwilligenkorps der Hindu-Nationalisten, den „Rashtriya Swayamsevak Sangh“. Seit am vergangenen Montag die Wahl in Indien endete, verhandeln die künftigen Führer des Landes in den Hinterzimmern ihrer Kolonialbungalows mit den RSS-Funktionären über die Verteilung der Posten. Die Zeitung „Times of India“, die den künftigen Ministerpräsidenten Narendra Modi einen „sanften Faschisten“ genannt hat, veröffentlichte eine Karikatur, in der der Vorsitzende von dessen Partei BJP als Aufziehmännchen des RSS gezeigt wurde.

          Ohne die Vorkämpfer der Hindutva hätte Modi nicht gewonnen

          Der Wahlsieg der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) ist auf den staubigen Dorfplätzen errungen worden, auf denen der RSS seine Anhänger im Morgengrauen exerzieren lässt. Ohne die Vorkämpfer der Hindutva, des radikalen Hinduismus, hätte Modi niemals gewonnen. Schon kleine Jungen tragen beim Appell die RSS-Uniform, die sich an derjenigen der einstigen britischen Kolonialherren orientiert: Khaki-Shorts, weißes Hemd mit den hochgekrempelten Ärmeln, Lederschuhe, schwarze Kappe. Keshav Baliram Hedgewar hatte den RSS 1925 mit dem Ziel gegründet, eine disziplinierte Truppe an die Spitze einer Hindu-Gesellschaft zu setzen. Damals gab es durchaus eine ideologische Nähe zum Faschismus, wie frühe positive Äußerungen über Mussolini und Hitler zeigen. Der RSS steht nicht nur für eine Kampfgruppe, die mit Bambusstöcken übt, sondern auch für eine Ideologie des Primats der Hindus im säkularen Indien.

          Die erwartete Sitzverteilung des neugewählten indischen Parlaments

          Von Hass und Pogrom-Stimmung war allerdings bei den Siegesfeiern der BJP-Anhänger am Freitag in Delhi nichts zu spüren. Dort tanzten und sangen sie, winkten mit Fähnchen und fielen einander um den Hals. Und doch sind die Ängste mancher BJP-Gegner verständlich. Immerhin hatten Modis Mitstreiter während des Wahlkampfes gezündelt: Anfang April hatte Kampagnenmanager Amit Shah den Wahlkampf als „Rache“ der Hindus an den Muslimen bezeichnet. Giriraj Singh, einer der oberen BJP-Strategen, sagte in Bihar, dass Modi-Gegner nach dem Sieg keinen Platz mehr in Indien hätten: „Sie werden nur noch in Pakistan leben können.“ Ramdas Kadam, ein Vertreter der radikalen Hindu-Gruppe Shiv Sena, dröhnte auf einem Podium im Beisein Modis, dieser werde „innerhalb von sechs Monaten nach dem Machtgewinn Pakistan zerstören.“ Dann folgte Praveen Togadia, einer der Funktionäre der Hindu-Bewegung, mit der Aufforderung, Muslimen keine Immobilien in Hindu-Wohngebieten mehr zu verkaufen. Modi trat den meisten dieser Äußerungen rasch entgegen. Die Wahlkommission verhängte harte Strafen. Und doch – viele haben diese Aussagen noch nicht vergessen.

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