Home
http://www.faz.net/-gq5-79004
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Bangladesch Abermals Todesurteil gegen Kriegsverbrecher

Der Anführer der größten islamistischen Partei in Bangladesch ist zum Tode verurteilt worden. Ein Sondertribual sprach ihn wegen Kriegsverbrechen im Unabhängigkeitskrieg 1971 wie Mord und Vergewaltigung für schuldig.

© dpa Feiern das Urteil: Ehemalige Freiheitskämpfer auf den Straßen von Dhaka

Ein Sondertribunal in Bangladesch hat einen weiteren Anführer der größten islamistischen Partei des Landes wegen Kriegsverbrechen im Unabhängigkeitskrieg 1971 zum Tode verurteilt. Das Gericht befand den stellvertretenden Generalsekretär der Oppositionspartei Jamaat-e-Islami, Muhammad Kamaruzzaman, am Donnerstag unter anderem des Mordes und der Vergewaltigung für schuldig. Sein Anwalt kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen.

Mehrere tausend Demonstranten, die sich in der Hauptstadt Dhaka versammelt hatten, begrüßten die Entscheidung mit lautem Jubel. Es war das vierte Urteil des Kriegsverbrechertribunals, das von Premierministerin Sheikh Hasina zur Aufarbeitung des blutigen Bürgerkriegs vor mehr als 40 Jahren eingesetzt worden war.

24309643 © AFP Vergrößern Bild aus Kriegszeiten: verwüstete Straße in Madhabpur 1971

In drei Fällen erhielten führende Köpfe der Partei Jamaat-e-Islami die Todesstrafe, ein weiterer Islamistenchef bekam eine lebenslange Haftstrafe. Mindestens neun Urteile stehen noch aus. Alle führenden Jamaat-Politiker sind derzeit entweder hinter Gittern oder untergetaucht.

Nach den Urteilsverkündungen kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen durch Parteianhänger, bei denen Dutzende Menschen starben. Experten gehen davon aus, dass auch die islamistische Gruppe, die sich am vergangenen Wochenende blutige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert hatte, von Jamaat-e-Islami finanziert wird.

Auf der anderen Seite demonstrierten Zehntausende wochenlang friedlich, als Anfang Februar der stellvertretende Generalsekretär der Partei, Abdul Quader Mollah, einem Todesurteil entging. Sie forderten den Strang für alle Kriegsverbrecher und ein Verbot der Jamaat-e-Islami.

Das heutige Bangladesch war nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 zunächst ein Teil Pakistans. 1971 erkämpfte es sich in einem blutigen Krieg mit indischer Unterstützung die Unabhängigkeit. Nach Schätzungen von Historikern starben damals zwischen 300.000 und 3 Millionen Menschen.

Quelle: DPA

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Umstrittenes Todesurteil Drahtzieher der Anschläge in Bombay 1993 hingerichtet

Der wegen der schwersten Anschlagsserie in der indischen Geschichte verurteilte Yakub Memon ist gehängt worden. Bis zuletzt hatte es Proteste gegen das Todesurteil gegeben. Mehr

30.07.2015, 08:37 Uhr | Politik
Urteil Mursi zum Tode verurteilt

Das ägyptische Gericht spricht den früheren Präsidenten Mursi schuldig und bestätigt dessen Todesurteil. Mehr

16.06.2015, 14:46 Uhr | Politik
Islamischer Staat Keine Horde ideologisch verblendeter Irrer

Für die Publizistin Khola Maryam Hübsch ist klar: Nicht der Islam ist das Problem, sondern reformunwillige Muslime. Gleichzeitig klagt die muslimische Journalistin, in der Diskussion um den Kampf gegen den Islamischen Staat gehe es zu sehr um Religion. Mehr Von Tahir Chaudhry

22.07.2015, 16:13 Uhr | Politik
Bangladesch Blogger mit Hackbeilen getötet

Der amerikanische Blogger Avijit Roy ist in der ban­g­la­de­schischen Hauptstadt Dhaka von Unbekannten mit Macheten ermordet worden. In seinem Blog hatte sich Roy kritisch mit religiösem Fanatismus auseinandergesetzt. Mehr

01.03.2015, 13:42 Uhr | Politik
Vorwurf der Vergewaltigung Karl Dall muss abermals vor Gericht

Ende vergangenen Jahres sprach ein Schweizer Gericht den Entertainer Karl Dall vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Doch das angebliche Opfer legte Berufung ein. Nun kommt es zu einer weiteren Verhandlung. Mehr

21.07.2015, 13:38 Uhr | Gesellschaft

Veröffentlicht: 09.05.2013, 13:47 Uhr

Die innere Bedrohung Israels

Von Nikolas Busse

In Israel wurden zu lange nur gewalttätige Palästinenser als Gefahr betrachtet, nicht aber extremistische Rechte in der eigenen Gesellschaft. Mehr 1 3