http://www.faz.net/-gq5-79004

Bangladesch : Abermals Todesurteil gegen Kriegsverbrecher

  • Aktualisiert am

Feiern das Urteil: Ehemalige Freiheitskämpfer auf den Straßen von Dhaka Bild: dpa

Der Anführer der größten islamistischen Partei in Bangladesch ist zum Tode verurteilt worden. Ein Sondertribual sprach ihn wegen Kriegsverbrechen im Unabhängigkeitskrieg 1971 wie Mord und Vergewaltigung für schuldig.

          Ein Sondertribunal in Bangladesch hat einen weiteren Anführer der größten islamistischen Partei des Landes wegen Kriegsverbrechen im Unabhängigkeitskrieg 1971 zum Tode verurteilt. Das Gericht befand den stellvertretenden Generalsekretär der Oppositionspartei Jamaat-e-Islami, Muhammad Kamaruzzaman, am Donnerstag unter anderem des Mordes und der Vergewaltigung für schuldig. Sein Anwalt kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen.

          Mehrere tausend Demonstranten, die sich in der Hauptstadt Dhaka versammelt hatten, begrüßten die Entscheidung mit lautem Jubel. Es war das vierte Urteil des Kriegsverbrechertribunals, das von Premierministerin Sheikh Hasina zur Aufarbeitung des blutigen Bürgerkriegs vor mehr als 40 Jahren eingesetzt worden war.

          Bild aus Kriegszeiten: verwüstete Straße in Madhabpur 1971

          In drei Fällen erhielten führende Köpfe der Partei Jamaat-e-Islami die Todesstrafe, ein weiterer Islamistenchef bekam eine lebenslange Haftstrafe. Mindestens neun Urteile stehen noch aus. Alle führenden Jamaat-Politiker sind derzeit entweder hinter Gittern oder untergetaucht.

          Nach den Urteilsverkündungen kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen durch Parteianhänger, bei denen Dutzende Menschen starben. Experten gehen davon aus, dass auch die islamistische Gruppe, die sich am vergangenen Wochenende blutige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert hatte, von Jamaat-e-Islami finanziert wird.

          Auf der anderen Seite demonstrierten Zehntausende wochenlang friedlich, als Anfang Februar der stellvertretende Generalsekretär der Partei, Abdul Quader Mollah, einem Todesurteil entging. Sie forderten den Strang für alle Kriegsverbrecher und ein Verbot der Jamaat-e-Islami.

          Das heutige Bangladesch war nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 zunächst ein Teil Pakistans. 1971 erkämpfte es sich in einem blutigen Krieg mit indischer Unterstützung die Unabhängigkeit. Nach Schätzungen von Historikern starben damals zwischen 300.000 und 3 Millionen Menschen.

          Weitere Themen

          Familien mit Kindern inhaftieren Video-Seite öffnen

          Trump lenkt ein : Familien mit Kindern inhaftieren

          Das radikale Vorgehen der amerikanischen Behörden bei illegalen Einwanderern sorgt selbst in der republikanischen Partei für zunehmende Kritik. Nach einem innerparteilichen Treffen unterstützt US-Präsident Donald Trump nunmehr zwei Gesetzesentwürfe seiner Partei.

          Topmeldungen

          Flüchtlinge gehen nahe Wegscheid in Bayern im Oktober 2015 hinter einem Fahrzeug der Bundespolizei her.

          Asylstreit-Kommentar : Wege gegen den Andrang

          Ankerzentren könnten für die gesamte EU Vorbild sein. Und zeigen, dass schnelle Verfahren, konsequente Rückführung und Abkommen mit den nordafrikanischen Staaten Wege sind, um den Andrang zu kanalisieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.