Home
http://www.faz.net/-gq5-78081
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Amerikanische Muskelspiele Tarnkappenbomber fliegen Übungsangriffe über Südkorea

Die Vereinigten Staaten haben ihre Abschreckung gegenüber Nordkorea verstärkt. Zwei atomwaffenfähige Tarnkappenbomber flogen Übungsangriffe über der koreanischen Halbinsel. Pjöngjang kündigte an, seine letzten Kommunikationsverbindungen in den Süden zu kappen.

© AFP Vergrößern Ein B-2-Bomber bei der Luftbetankung über Missouri

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen weiter zu. Hatte Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong-un in seiner Neujahrsansprache zunächst eine „radikale Kehrtwende“ seines Landes angekündigt, setzt er seit den UN-Sicherheitsratssanktionen im Januar auf bewährte Kriegsrhetorik. Nach mehrfachen Kriegsdrohungen, einem dritten Atomwaffentest, der Aufhebung des Waffenstillstandsabkommens und der Stilllegung des offiziellen „roten Telefons“ mit Südkorea veröffentlichte Kims Propagandaspezialisten vor wenigen Tagen ein dürftig inszeniertes Hurra-Video, das Szenen eines siegreichen Drei-Tage-Blitzkriegs im Süden des Landes zeigt.

Lorenz Hemicker Folgen:    

Nun haben die Vereinigten Staaten angesichts der zunehmenden Spannungen mit einer eigenen Machtdemonstration reagiert. Die amerikanische Luftwaffe entsandte am Donnerstag zwei strategische Bomber vom Typ B-2 „Spirit“ zu den laufenden Militärübungen nach Südkorea. Die Tarnkappenflugzeuge hoben von der Basis in Whiteman im amerikanischen Bundesstaat Missouri ab und simulierten nach ihren Langstreckenflügen Bombenangriffe über einem Abwurfplatz, unweit der südkoreanischen Luftwaffenbasis Pyeongtaek.

© reuters, Reuters Vergrößern Nordkoreanischer Militärsprecher: „Ein Krieg ist jederzeit möglich“

Die „Nurflügler“ mit der signifikanten Fledermausform sind das jüngste Versatzstück in der strategischen Bomberflotte Amerikas. Aufgrund ihrer geringen Abstrahlungsintensität sind sie für gegnerische Streitkräfte auf Radarschirmen nur schwer zu orten - für die nordkoreanischen Streitkräfte, die als technisch veraltet gelten, dürfte sie nahezu unsichtbar sein. Ursprünglich für den Kalten Krieg konzipiert, kamen B-2-Bomber erstmals im Kosovokrieg 1999 zum Einsatz sowie danach in Afghanistan, Irak und zuletzt über Libyen. Sie können sowohl konventionelle als auch atomare Bomben mitführen.

„Ein Krieg ist jederzeit möglich“

Nordkorea hatte am Mittwoch seine Drohungen abermals verschärft. Ein Krieg sei jederzeit möglich, sagte ein Militärsprecher der staatlichen Nachrichtenagentur Nordkoreas KCNA. Darum würden auch die letzten bestehenden Kommunikationsleitungen mit dem Süden gekappt. Laut Angaben der Vereinigten Staaten hatte Nordkorea zuletzt Telefonanrufe amerikanischer Truppen, die zur Überwachung des Waffenstillstandsabkommen im Grenzgebiet stationiert sind, nicht mehr beantwortet. Eine offene Leitung besteht aber offenbar noch zwischen dem nordkoreanischen und südkoreanischen Militär.

B-2 Südlich von Seoul: Eskortiert von einem Jagdflugzeug überquert einer der beiden B-2-Tarnkappenbomber die amerikanische Luftwaffenbasis Pyeongtaek © AFP Bilderstrecke 

Unbeeinflusst von den zunehmenden Spannungen blieb laut Agenturangaben bislang der Zugang zur Sonderwirtschaftszone Kaesong. Die von südkoreanischen Unternehmen betrieben Fabriken auf nordkoreanischem Boden nutzen beiden Seiten; dem Staatsapparat des Nordens als Einnahmequelle, den Unternehmen des Südens als billige Produktionsmöglichkeit.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flucht aus Nordkorea Von der Kunst zu überleben

Song Byeok gelang die Flucht aus Nordkorea, im zweiten Versuch. Seitdem malt er sich die Vergangenheit vom Leib – und träumt vom Ruhm und von der Liebe einer Frau. Mehr Von Wibke Becker

21.03.2015, 11:18 Uhr | Gesellschaft
Nordkorea Kim Jong-un bereit zu Gesprächen mit Südkorea

Wenige Stunden nach Kims Ankündigung begrüßt der südkoreanische Minister für Wiedervereinigung die Aufnahme von Gesprächen – unabhängig davon, in welcher Form sie stattfänden. Mehr

07.01.2015, 09:33 Uhr | Politik
Pro und Contra Der digitale Doktor - Segen oder Fluch?

Dank der App Connected Health haben Patienten ihre Krankenakte jederzeit dabei. Per Smart-Phone können sie ihre Daten ihrem Arzt direkt übermitteln. Werden Nutzer dadurch zu gläsernen Patienten? Oder ist die App einfach ein nützliches Tool? Mehr Von Lars-Thorben Niggehoff und Lara Müller

17.03.2015, 15:39 Uhr | Wirtschaft
Nordkorea Kim fotografiert Kampfpilotinnen

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-Un hat der Ausbildung junger Pilotinnen einen Besuch abgestattet - und dabei selbst zur Kamera gegriffen. Mehr

02.12.2014, 09:09 Uhr | Politik
Geheime Hochzeit Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht haben geheiratet

Die prominenten Politiker der Linkspartei sind standesamtlich getraut worden. Ihre Ehe hielten sie monatelang geheim. Ein CDU-Mann half ihnen dabei. Mehr

21.03.2015, 04:38 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.03.2013, 12:48 Uhr

Deutsche Gründlichkeit

Von Berthold Kohler

Eine Kommission hat nach einjähriger Prüfung festgestellt, dass das seit zwanzig Jahren eingesetzte Sturmgewehr der Bundeswehr nicht immer treffsicher ist. An der Front in Afghanistan wusste man das schon lange. Mehr 16 23