http://www.faz.net/-gq5-78081

Amerikanische Muskelspiele : Tarnkappenbomber fliegen Übungsangriffe über Südkorea

Ein B-2-Bomber bei der Luftbetankung über Missouri Bild: AFP

Die Vereinigten Staaten haben ihre Abschreckung gegenüber Nordkorea verstärkt. Zwei atomwaffenfähige Tarnkappenbomber flogen Übungsangriffe über der koreanischen Halbinsel. Pjöngjang kündigte an, seine letzten Kommunikationsverbindungen in den Süden zu kappen.

          Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen weiter zu. Hatte Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong-un in seiner Neujahrsansprache zunächst eine „radikale Kehrtwende“ seines Landes angekündigt, setzt er seit den UN-Sicherheitsratssanktionen im Januar auf bewährte Kriegsrhetorik. Nach mehrfachen Kriegsdrohungen, einem dritten Atomwaffentest, der Aufhebung des Waffenstillstandsabkommens und der Stilllegung des offiziellen „roten Telefons“ mit Südkorea veröffentlichte Kims Propagandaspezialisten vor wenigen Tagen ein dürftig inszeniertes Hurra-Video, das Szenen eines siegreichen Drei-Tage-Blitzkriegs im Süden des Landes zeigt.

          Nun haben die Vereinigten Staaten angesichts der zunehmenden Spannungen mit einer eigenen Machtdemonstration reagiert. Die amerikanische Luftwaffe entsandte am Donnerstag zwei strategische Bomber vom Typ B-2 „Spirit“ zu den laufenden Militärübungen nach Südkorea. Die Tarnkappenflugzeuge hoben von der Basis in Whiteman im amerikanischen Bundesstaat Missouri ab und simulierten nach ihren Langstreckenflügen Bombenangriffe über einem Abwurfplatz, unweit der südkoreanischen Luftwaffenbasis Pyeongtaek.

          Die „Nurflügler“ mit der signifikanten Fledermausform sind das jüngste Versatzstück in der strategischen Bomberflotte Amerikas. Aufgrund ihrer geringen Abstrahlungsintensität sind sie für gegnerische Streitkräfte auf Radarschirmen nur schwer zu orten - für die nordkoreanischen Streitkräfte, die als technisch veraltet gelten, dürfte sie nahezu unsichtbar sein. Ursprünglich für den Kalten Krieg konzipiert, kamen B-2-Bomber erstmals im Kosovokrieg 1999 zum Einsatz sowie danach in Afghanistan, Irak und zuletzt über Libyen. Sie können sowohl konventionelle als auch atomare Bomben mitführen.

          „Ein Krieg ist jederzeit möglich“

          Nordkorea hatte am Mittwoch seine Drohungen abermals verschärft. Ein Krieg sei jederzeit möglich, sagte ein Militärsprecher der staatlichen Nachrichtenagentur Nordkoreas KCNA. Darum würden auch die letzten bestehenden Kommunikationsleitungen mit dem Süden gekappt. Laut Angaben der Vereinigten Staaten hatte Nordkorea zuletzt Telefonanrufe amerikanischer Truppen, die zur Überwachung des Waffenstillstandsabkommen im Grenzgebiet stationiert sind, nicht mehr beantwortet. Eine offene Leitung besteht aber offenbar noch zwischen dem nordkoreanischen und südkoreanischen Militär.

          Südlich von Seoul: Eskortiert von einem Jagdflugzeug überquert einer der beiden B-2-Tarnkappenbomber die amerikanische Luftwaffenbasis Pyeongtaek Bilderstrecke

          Unbeeinflusst von den zunehmenden Spannungen blieb laut Agenturangaben bislang der Zugang zur Sonderwirtschaftszone Kaesong. Die von südkoreanischen Unternehmen betrieben Fabriken auf nordkoreanischem Boden nutzen beiden Seiten; dem Staatsapparat des Nordens als Einnahmequelle, den Unternehmen des Südens als billige Produktionsmöglichkeit.

          Weitere Themen

          Familienzusammenführung auf koreanisch Video-Seite öffnen

          Beratung über Treffen : Familienzusammenführung auf koreanisch

          Die für einen gemeinsamen Feiertag am 15. August geplanten Treffen gehören zu den Maßnahmen, die der nordkoreanische Machthaber Kim und der südkoreanische Präsident Moon jüngst zur Verbesserung der Beziehungen in Aussicht gestellt hatten.

          Topmeldungen

          Bundesinnenminister Horst Seehofer

          Horst Seehofer : „Das werden wir uns nicht gefallen lassen“

          Der CSU-Chef wirft Angela Merkel vor, im Asylstreit „aus einer Mücke einen Elefanten zu machen“. Die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin will er nicht hinnehmen. Die SPD beklagt, die Union schade dem ganzen Land.
          Logo von WhatsApp

          Messenger-Dienste : Barley will WhatsApp zur Öffnung zwingen

          Wer nur WhatsApp nutzt, kann keine Nachrichten an andere Messenger-Dienste schicken. Justizministerin Barley möchte das ändern. Sie fordert von den Apps offene Schnittstellen – und will damit den Wettbewerb beleben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.