Home
http://www.faz.net/-hoy-7gxqz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Afghanistan Karzai ersucht Pakistan um Hilfe

Der afghanische Präsident Karzai bittet Pakistan um Hilfe bei den geplanten Gesprächen mit den Taliban. Islamabad könne Kontakte ermöglichen, sagte Karzai nach einem Treffen mit Pakistans neuem Präsidenten Sharif.

© AFP Vergrößern Vorsichtige Annäherung: Präsident Karzai und Ministerpräsident Sharif

Afghanistans Präsident Hamid Karzai hat Pakistan aufgefordert, ein Zustandekommen von Friedensverhandlungen zwischen Kabul und den radikalislamischen Taliban aktiv zu unterstützen. Islamabad könne Kontakte zwischen dem afghanischen Hohen Friedensrat und den Taliban ermöglichen, sagte Karzai am Montag nach seinem ersten Treffen mit dem neuen pakistanischen Regierungschef Nawaz Sharif. Dieser sagte „ernsthafte“ Unterstützung im Kampf gegen den militanten Extremismus zu, machte jedoch keine konkreten Zugeständnisse.

Die Erwartungen an Karzais erste Reise ins Nachbarland seit 18 Monaten waren auf beiden Seiten gering. Die Beziehungen beider Länder sind von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Die afghanische Regierung hat Pakistan zuletzt wiederholt vorgeworfen, auf eine Spaltung des Landes hinzuarbeiten. Armeechef Sher Mohammad Karimi hatte im Juli erklärt, Pakistan könne den Krieg in Afghanistan „innerhalb von Wochen“ beenden, wenn es ernsthaft an Frieden interessiert sei. Zugleich gelten Verhandlungen mit den Taliban ohne Unterstützung Islamabads als wenig aussichtsreich.

Kabul will Freilassung pakistanischer Taliban

Ganz oben auf Karzais Agenda in Islamabad stand offenbar die Forderung, Talibanführer aus pakistanischen Gefängnissen freizulassen. Vor allem von dem inhaftierten ehemaligen Talibankommandeur Mullah Abdul Ghani, Kampfname „Mullah Baradar“, erhofft sich Kabul einen eigenen Zugang zu den radikalen Islamisten, die bislang direkte Gespräche mit Kabul ablehnen. Baradar gehört wie Karzai zum Stamm der Popolzai. Er wurde 2010 in Pakistan festgenommen, nachdem er - nach afghanischen Angaben - Kontakte zu Kabul aufgenommen hatte. Die Regierung Karzai unterstellte Islamabad damals, jegliche Verhandlungsbemühungen zu hintertreiben, die nicht unter pakistanischer Kontrolle stattfinden. Die Regierung Sharif hat zwar eine Freilassung von Gefangenen in Aussicht gestellt, jedoch bislang keine konkreten Schritte in diese Richtung unternommen.

Karzai und Sharif dürften auch über die mögliche Eröffnung eines neuen Talibanbüros gesprochen haben, nachdem deren Vertretung in Qatar auf afghanischen Druck hin im Juli geschlossen worden war. Sharifs Sicherheitsberater Sartaj Aziz hatte anschließend eine Wiedereröffnung an anderer Stelle vorgeschlagen. Seither hat das Außenministerium in Kabul die Türkei und Saudi-Arabien als mögliche Standorte ins Spiel gebracht. Die Taliban selbst haben sich dazu aber bislang nicht geäußert. Nach Einschätzung von Borhan Osman vom „Afghanistan Analysts Network“ in Kabul gilt ihre Zustimmung als unwahrscheinlich. Die Türkei gelte als Verbündeter des Usbekenführers Abdul Rashid Dostum, Saudi-Arabien als Unterstützer des ehemaligen Mujahedinführers Abdul Rab Rasul Sayyaf, schreibt Osman auf der Internetseite des Thinktanks. Beide Politiker sind erklärte Gegner der Taliban. Sayyaf wird zudem als Präsidentschaftskandidat für die Wahl 2014 gehandelt.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z./boe.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Pakistan Der Wendepunkt

Das Massaker an 132 Schulkindern in Peshawar hat Pakistan wachgerüttelt. Die Hoffnungen der Bevölkerung ruhen auf dem Militär. Doch sind Politik und Armee wirklich in der Lage, den islamistischen Extremismus zu besiegen? Mehr Von Friederike Böge

28.01.2015, 19:20 Uhr | Politik
Tausende protestieren gegen Regierung in Pakistan

Tausende Demonstranten fordern in Pakistan den Rücktritt von Ministerpräsident Nawaz Sharif. Mehr

31.08.2014, 14:33 Uhr | Politik
Protest gegen Karikaturen Unser Prophet, unsere Ehre!

In Iran, Pakistan und Afghanistan protestieren zehntausende Gläubige nach dem Freitagsgebet gegen Mohammed-Karikaturen in der Zeitschrift Charlie Hebdo. In Kabul fallen vor der französischen Botschaft Warnschüsse. Mehr

23.01.2015, 16:56 Uhr | Politik
Pakistan Überlebender berichtet vom Schulmassaker

In Peshawar herrscht noch immer Trauer und Entsetzen. Überlebende berichten von dem Anschlag auf eine Schule durch Taliban. Ministerpräsident Sharif kündigte nun Vergeltung an. Mehr

22.12.2014, 11:59 Uhr | Politik
Saudi-Arabien Der alte König ist tot

Im Alter von über 90 Jahren ist Saudi-Arabiens Monarch Abdullah gestorben. Barack Obama würdigt ihn als mutigen Führer. Sein Nachfolger an der Spitze des absolutistischen, streng religiösen Königreichs steht bereits fest. Er ist nur wenige Jahre jünger. Mehr

23.01.2015, 07:36 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.08.2013, 16:25 Uhr

Auch keinen Bock

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die EU hat, auch zur Rettung Griechenlands, die europäischen Verträge weit interpretiert! Auch die Sozialdemokraten Gabriel und Schulz schenken der neuen griechischen Regierung reinen Wein ein. Mehr 6 20