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Asien Neue Massenproteste gegen Japan in China

16.04.2005 ·  in China haben erneut mehrere tausend Menschen teils gewaltsam gegen Japan demonstriert. Anlaß der Demonstrationen ist die Entscheidung Tokios, ein Schulbuch zuzulassen, in dem Japans Kriegsverbrechen verharmlost werden.

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In China haben zehntausende Menschen das dritte Wochenende in Folge zum Teil gewaltsam gegen Japan protestiert. Vor dem japanischen Konsulat in Schanghai versammelten sich am Samstag bis zu 20.000 Demonstranten. Polizisten hielten die Menschen vom Gebäude selbst fern, hinderten die Demonstranten aber nicht daran, Eier und Steine zu werfen. Später wurden auch die Fensterscheiben japanischer Geschäfte oder Bars eingeworfen. Die Behörden forderten die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Die japanische Regierung protestierte energisch gegen die neue Protestwelle. Das Außenministerium in Tokio kritisierte in einer Erklärung den neuen Ausbruch von Gewalt und rief Peking dazu auf, eine Wiederholung derartiger Vorkommnisse zu verhindern. China habe keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Auf Nachfrage von Journalisten schloß Außenminister Nobutaka Machimura nicht aus, seine für Sonntag geplante Reise nach Peking abzusagen. Der Sprecher der japanischen Botschaft in Peking erklärte, man habe am Samstag vielfach im Außenministerium gegen die Vorfälle protestiert und ein Ende der Gewalt angemahnt. „Sie haben versprochen, ihr bestes zu tun.“

Die Demonstranten in Schanghai riefen Parolen wie „Japanische Schweine raus“, Spruchbänder trugen die Aufschrift „Nein zu Japan im Sicherheitsrat“. Ein Nissan wurde umgestürzt, die Scheiben eines Polizeiautos wurden eingeworfen. Gerüchten zufolge saß in dem Wagen ein Japaner. Die Polizei ging nicht gegen die Demonstranten vor, obwohl laut Berichten staatlicher Zeitungen keine Genehmigung für eine Kundgebung vorlag. An einer Stelle errichtete die Polizei sogar ein Schild mit der Aufschrift „Marschroute in diese Richtung“.

Grund für die Empörung ist die Darstellung des Zweiten Weltkriegs in Japans Schulbüchern

Auch aus Hangzhou im Osten des Landes wurden Proteste gemeldet. Dort erschienen etwa 10.000 Teilnehmer und Zuschauer zu einer Kundgebung, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. In Sprechchören verurteilten sie japanischen Militarismus. In Tianjin östlich von Peking demonstrierten rund 2.000 Menschen friedlich. In Peking selbst waren auf dem Platz des Himmlischen Friedens 400 Polizisten stationiert, um eine geplante Demonstration zu verhindern. Rund 200 Polizisten in Kampfausrüstung bewachten die japanische Botschaft.

Auch in der südchinesischen Stadt Guangzhou verhinderten Polizisten eine Kundgebung. Grund für die Empörung ist die Darstellung des Zweiten Weltkriegs in neuen japanischen Schulbüchern. Der Konflikt vertiefte sich mit der Entscheidung der japanischen Regierung, Gasbohrungen in einem zwischen beiden Staaten umstrittenen Gebiet im Ostchinesischen Meer durchführen zu lassen. Die japanische Schulbuchdarstellung des Zweiten Weltkriegs hat auch in Südkorea Empörung ausgelöst.

Beobachter halten auch einen Zusammenhang mit dem japanischen Streben nach einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen für möglich. China steht diesem Vorstoß seines Nachbarn, den es als regionalen Rivalen betrachtet, skeptisch gegenüber. In diplomatischen Vertretungen Chinas in Japan gingen in den vergangenen Tagen Umschläge mit einem weißen Pulver, einer Rasierklinge und leeren Patronenhülsen ein. Die chinesische Botschaft legte bei der japanischen Regierung Protest ein, wie Xinhua am Samstag berichtete.

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