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Asgar Can Der Exil-Uigure

08.07.2009 ·  Asgar Can vertritt den Weltkongress der Uiguren in München. Immer wieder hat er im Westen auf die prekäre Situation seines Volkes aufmerksam gemacht, ohne dass er viel Gehör gefunden hätte. Das ist jetzt anders.

Von Wolfgang Günter Lerch
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Gegenwärtig stehen bei ihm die Telefone nicht still: Nachrichten und Gerüchte aus Xinjiang (Singkiang), der in diesen Tagen von schweren Unruhen erfassten nordwestlichen Region Chinas zwischen Kaschgar und Urumtschi, sind im Umlauf bei jenen etwa 600 bis 700 Uiguren, die in Deutschland leben, 500 von ihnen allein in München. In der bayerischen Landeshauptstadt sitzt auch der Weltkongress der Uiguren (WUC), die wichtigste Exil-Organisation dieser osttürkisch-islamischen Minderheit, die in den Vereinigten Staaten ebenfalls vertreten ist. Dort wird der WUC von der bekannten Dissidentin Rebiya Kadeer als Präsidentin geführt. Asgar Can ist einer ihrer fünf Stellvertreter.

Immer wieder hat der Uigure in den vergangenen Jahren auf die prekäre Situation seines Volkes in der westlichen Öffentlichkeit aufmerksam gemacht, ohne dass er viel Gehör gefunden hätte; das ist jetzt anders. Dabei bekräftigte er, dass es ihm nicht nur um die Uiguren gehe, sondern auch um andere Minderheiten im Reich der Mitte, etwa die Tibeter oder Mongolen; und um alle Demokraten. China solle die den 55 ethnischen Minoritäten garantierten Minderheiten-Rechte auch einhalten, das Versprechen einer „harmonischen Gesellschaft“ einlösen. Für Peking ist er hingegen, wie andere Exil-Uiguren auch, reflexhaft der Drahtzieher der jüngsten „separatistischen Unruhen“.

Der Clan hütet sein politisches Erbe

Can hält auch Kontakt zu den Exil-Uiguren in anderen Ländern, etwa den Niederlanden, in Albanien, aber auch in der Türkei, wo - sieht man einmal von den muslimischen Republiken in Zentralasien ab - die größte uigurische Exilgemeinde lebt. In Istanbul starb im Jahre 1995 mit Isa Yusuf Alptekin, geboren 1901 bei Kaschgar, der große charismatische Führer der Ostturkestaner im Exil. Der Clan hütet sein politisches Erbe.

Asgar Cans Schicksal ähnelt dem Rebiya Kadeers. Auch er ist ein Flüchtling. Der 48 Jahre alte Mann, dessen Vater in Singkiang Schuldirektor gewesen war, sich aber geweigert hatte, Mao-Bilder in seiner Schule aufzuhängen und dafür zwei Jahre im Gefängnis gesessen hatte, flüchtete mit seiner Familie zunächst in das nahegelegene Afghanistan, wo ebenfalls Uiguren leben. Dann kam Can über die Türkei nach Deutschland.

In Mannheim studierte er Betriebswirtschaftslehre. In München gründete er im Jahre 1990 die uigurische Gemeinde - mit damals nur 15 Mitgliedern. Seine Aktivität führte dazu, dass immer mehr Uiguren, die ihre Heimat Ostturkestan verließen, sich in München einfanden. Can arbeitet als Übersetzer und Verwaltungsfachwirt für die Stadt München und ist stellvertretender Vorsitzender des Ausländerbeirats.

Vor dem Ausbruch der Unruhen hörte man von ihm, als es darum ging, einige der insgesamt 17 uigurischen Häftlinge, die jahrelang im amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba gesessen hatten, in Deutschland unterzubringen. Can erklärte sich im Namen der Exil-Gemeinde bereit, die Landsleute aufzunehmen und für ihre Integration zu sorgen. Über die Mittel dafür verfügt er ohne Zweifel.

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Jahrgang 1946, Redakteur in der Politik.

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