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Argentinien und Uruguay : Vom Nutzen der Brücke im Streit

  • -Aktualisiert am

Wider das venezolanische Vorbild: Julio María Sanguinetti in seinem Haus in Montevideo Bild: Josef Oehrlein

Argentinien und Uruguay sind „eine Gesellschaft mit zwei Staaten“, heißt es. Die Regierungen beharken einander. Doch das könnten sich beide Seiten nicht leisten, sagt der frühere Präsident Sanguinetti.

          Auf die wichtigste Brücke, die Argentinien und Uruguay miteinander verbindet, drei Autostunden von Buenos Aires, ist wenig Verlass. Drei Jahre lang, von 2007 bis 2010, war sie permanent blockiert. Argentinische Umweltschützer hatten so gegen den Bau einer Zellulosefabrik auf der uruguayischen Seite protestiert. Mit dem Flugzeug den Río de la Plata zu überqueren ist aber auch mühsamer geworden: Die uruguayische Gesellschaft Pluna, die eine Art Pendelverkehr anbot, ist bankrott.

          Eine von den Regierungen beider Länder finanzierte „binationale“ Eisenbahnverbindung mit einem pompös auf den Namen „Zug der freien Völker“ getauften Triebwagen wiederum ist wegen technischer Probleme und geringer Nachfrage wenige Monate nach der Eröffnung eingestellt worden. Die Fahrt im Schnellschiff von Buenos Aires nach Montevideo ist noch immer die einzige halbwegs zuverlässige Verbindung zwischen den beiden Nachbarstaaten. Drei Stunden dauert die Reise.

          Dabei bilden Argentinien und Uruguay kulturell eine Einheit. „Eine Gesellschaft mit zwei Staaten“, sagte der frühere argentinische Präsident Roque Saenz Peña. Die Bewohner beider Länder haben die gleichen Gewohnheiten, im Spanisch der gebildeten Schichten gibt es keine Unterschiede, lediglich im Dialekt der einfacheren Bevölkerungsgruppen haben sich Besonderheiten herausgebildet. Die meisten Argentinier und Uruguayer pflegen freundschaftlichen Umgang miteinander. Doch die politischen Beziehungen sind von jeher konfliktträchtig.

          Gelassene Analyse nach zwei Amtszeiten

          „Die Rivalitäten gehen bis in die Kolonialzeit zurück, als wir alle zu Spanien gehörten“, sagt der frühere uruguayische Präsident Julio María Sanguinetti. Der Politiker von der sozialdemokratisch ausgerichteten Colorado-Partei hat sein Land 1985 als erstes frei gewähltes Staatsoberhaupt nach der Diktatur in die Demokratie zurückgeführt. Nach seiner ersten Amtszeit von 1985 bis 1990 regierte er noch einmal zwischen 1995 und 2000. Nun analysiert er gelassen von seinem beschaulichen Wohnsitz in Montevideo aus das konfliktreiche Verhältnis zu dem von Krise zu Krise schlitternden Argentinien.

          „In der Kolonialzeit war Buenos Aires, die größere und wichtigere Stadt mit dem schlechteren Hafen, neidisch auf das kleinere Montevideo mit dem besseren Hafen“, sagt Sanguinetti. An dieser Rivalität hat sich im Prinzip kaum etwas geändert.

          Er sei in den neunziger Jahren mit seinem argentinischen Widerpart Carlos Menem zwar ganz gut ausgekommen, doch das Verhältnis zwischen den Staatschefs beider Länder sei inzwischen wieder „miserabel“, sagt Sanguinetti. Sein Nachfolger Tabaré Vázquez redete nicht mit dem damaligen argentinischen Präsidenten Néstor Kirchner, der die Brückenblockade wegen des Baus der Zellulosefabrik ausdrücklich guthieß. Der seit März 2010 regierende uruguayische Präsident José „Pepe“ Mujica hat sich zwar um eine Besserung bemüht. Immerhin ist es ihm gelungen, die Brücke wieder freizubekommen. Doch die radikale Abschottungspolitik der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner mit den von ihr zuletzt eingeführten Handels- und Devisenkontrollen haben die Beziehungen von neuem schwer belastet.

          Gute Miene zum bösen Spiel

          Mujica mache gute Miene zum bösen Spiel und versuche mit Umarmungen und Grillfesten, Cristina Kirchner umzustimmen. Doch damit solle er aufhören, rät Sanguinetti seinem Nachfolger von dem schillernden Linksbündnis „Breite Front“. Argentinien und Uruguay sind aber im Wirtschaftsbund Mercosur auf eine Abstimmung ihrer Handelspolitik angewiesen. Uruguay fühlt sich als kleinstes Mitgliedsland zwischen Argentinien und Brasilien ohnehin benachteiligt. Es gibt nicht wenige Stimmen im Land, die einen Ausstieg Uruguays aus dem Handelsbündnis befürworten.

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