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Argentinien Im Namen des Peronismus

21.10.2005 ·  Bei der Wahl am kommenden Sonntag bestimmen die Argentinier über die Hälfte der Sitze im Nationalparlament. Im Mittelpunkt: Das Duell zweier Präsidenten-Gattinnen. Sie führen einen Stellvertreterkampf für ihre Männer.

Von Josef Oehrlein
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Der argentinische Präsident Nestor Kirchner hatte schon früh die Wahl am kommenden Sonntag, bei der die Hälfte der 257 Abgeordneten- und der 72 Senatorensitze im Nationalparlament erneuert werden, zu einer Volksabstimmung über seine Amtsführung erklärt. Ausgerechnet in der Hauptstadt Buenos Aires sieht es aber für seinen Spitzenkandidaten für einen Abgeordnetensitz nicht gut aus.

Außenminister Rafael Bielsa, der Bruder eines renommierten Fußballtrainers, liegt nach Umfragen hinter der Mitte-links-Kandidatin Elisa Carrio und dem konservativ-liberalen Geschäftsführer des Fußballclubs Boca Juniors, Mauricio Macri. Bielsa wird keinen Nutzen daraus ziehen können, daß er sein Außenministeramt während des Wahlkampfs weiter ausgeübt hat.

Kirchner wird trotz dieser vermutlichen Niederlage einen sicheren Triumph feiern können. In der Provinz Buenos Aires dürfte seine Frau Cristina Fernandez de Kirchner nach Voraussagen mit mehr als 20 Prozentpunkten Vorsprung in der Senatswahl siegen. Die bevölkerungsreichste Region des Landes, in der 40 Prozent der Argentinier wohnen, dient als Schlachtfeld in einem Entscheidungskampf zwischen Kirchner und seinem Vorgänger Eduardo Duhalde, der in der Provinz Buenos Aires noch immer großen Rückhalt genießt. Duhalde schickt seine Gattin Hilda „Chiche“ Gonzalez de Duhalde ins Rennen. Sie wird vermutlich den dritten Senatorenposten erhalten.

Der Sieg der Gattin als Faustpfand für den Präsidenten

Beide Präsidentengattinnen stellen sich nach eigenen Angaben im Namen des Peronismus zur Wahl. Weil sich „Kirchneristas“ und „Duhaldistas“ jedoch nicht auf eine gemeinsame Liste der Justizialistischen Partei (PJ) einigen konnten, tritt Cristina Kirchner als Kandidatin einer eigens gegründeten Gruppe namens „Front für den Sieg“ an. Chiche Duhalde beansprucht für sich und ihre Liste, allein rechtmäßige Bewerberin der PJ in der Provinz Buenos Aires zu sein.

Cristina Kirchner, bisher Senatorin für Santa Cruz, konnte auf dem Terrain Duhaldes, des politischen Erzfeindes ihres Mannes, nur antreten, weil sie in der Provinz Buenos Aires geboren wurde. Ihre „Front für den Sieg“ ist keine Partei, sondern eine Art Wahlverein, der nur bedingt die Kriterien einer politischen Vereinigung oder Partei erfüllt. Die argentinische Justiz hatte die „Front für den Sieg“ dennoch zur Wahl zugelassen. Die Präsidentengattin profitiert vor allem vom Amtsbonus ihres Mannes, der bei vielen ihrer Wahlveranstaltungen anwesend war.

Mit dem Sieg seiner Frau als Faustpfand wird er wahrscheinlich versuchen, die Vorherrschaft innerhalb der PJ zu übernehmen. Das ist ihm bisher nicht gelungen. Die peronistische Traditionspartei ist seit Jahren führungslos und wurde von der Justiz unter Zwangsverwaltung gestellt. Kirchner und seine Gefolgsleute - darunter viele frühere Duhaldistas - sehen sich mit ihrer Mitte-links-Politik, die starke protektionistische Elemente enthält, aber auch weit mehr als die Vorgängerregierungen sozialen Belangen Aufmerksamkeit schenkt, als die wahren Erneuerer des Peronismus. Obwohl dieser sich bislang nicht als reformierbar erwies, büßte er seine Anziehungskraft auf die Wähler nicht ein.

Cristina Kirchner und Chiche Duhalde nutzten in ihrer Kampagne mit Insignien und Ritualen des Peronismus. Sie zeigten Bilder der Peron-Gattin Evita und spielten den peronistischen Marsch. Im Gegensatz zu ihrem Mann, der sich wenig um die Außenpolitik kümmert, hat sich Cristina Kirchner in jüngster Zeit häufig im Ausland aufgehalten, um ihre Weltläufigkeit zu demonstrieren. Bei einem ihrer letzten öffentlichen Auftritte vor der Wahl verglich sie „Kirchner“, wie sie ihren Gatten nennt, mit Juan Domingo Peron. Seit dem „35. Mai 2003“, Kirchners Amtsantritt, sei nichts mehr, wie es vorher war, lobte sie ihn. Die Amtseinführung aber war am 25. Mai.

Chiche Duhalde kritisiert ihre Konkurrentin und die Regierung gleich mit

Chiche Duhalde ist sich in ihrer Rolle als bodenständige Politikerin treu geblieben und betonte in Reden ihre Verbundenheit mit der Bevölkerung der Provinz. Besonders gern zeigte sie sich in Elendsvierteln und versprach eine Linderung der Not. Ihr Mann, Generalsekretär im Mercosur-Bündnis, trat während des Wahlkampfes kaum in Erscheinung. Chiche Duhalde griff ihre Rivalin immer wieder offen an und kritisierte die Regierung Kirchner, der es weder gelinge, die Inflation zu bekämpfen, noch, Investoren ins Land zu holen.

Während des Wahlkampfs meldete sich der frühere Präsident Carlos Menem zurück, der in Argentinien schon lange nicht mehr wahrgenommen wurde. Er bewirbt sich um einen Senatorenposten in seiner Heimatprovinz La Rioja und kritisierte die Regierung Kirchner.

Quelle: F.A.Z., 21.10.2005, Nr. 245 / Seite 6
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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.

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