Der vermutlich letzte Akt der juristischen Aufarbeitung der Militärdiktatur in Argentinien ist auch ein besonders schmerzlicher: Nicht für General Jorge Videla, der schon vor zwei Jahren zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war, sondern für Hunderte Männer und Frauen, die als Säuglinge ihren Müttern unmittelbar nach der Geburt weggenommen wurden, ehe diese von den Schergen des Militärs als Terroristinnen kaltblütig ermordet wurden.
Denn nichts, aber auch gar nichts hat der nach wie vor von seiner Unschuld überzeugte Diktator getan, um Licht in dieses dunkelste Kapitel der jüngeren Geschichte des Landes zu bringen. Die neuerliche Verurteilung Videlas ist daher alles andere als ein Verstoß gegen den Grundsatz „ne bis in idem“. Eher mutet der Prozess wie ein fast verzweifelter Versuch an, nicht nur die Täter, sondern in der Ungewissheit über die Abstammung Einzelner auch den kollektiven Fluch der Verstrickung einer ganzen Generation in die Gewaltgeschichte des mittlerweile an seinen Widersprüchen zugrunde gehenden Landes endgültig zu bannen.
