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Arafats langes Sterben Die Palästinenserführer kommen ans Sterbebett

10.11.2004 ·  Am Dienstag haben der palästinensische Ministerpräsident Qurei, Außenminister Schaath, der frühere Ministerpräsident Abbas sowie Parlamentspräsident Fattuh Abschied von Arafat genommen. Offenbar haben sie auch den Streit mit Arafats Frau beigelegt.

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Am Dienstag haben der palästinensische Ministerpräsident Qurei, Außenminister Schaath, der frühere Ministerpräsident Abbas sowie Parlamentspräsident Fattuh im Militärkrankenhaus Percy Abschied von Arafat genommen.

Arafat wird seit Ende Oktober in dem Krankenhaus in Clamart behandelt, sein Zustand hatte sich in der Nacht zum Dienstag nach Angaben des französischen Militärarztes, General Estripeau, weiter verschlechtert. Estripeau deutete an, daß es sich „um einen bedeutungsvolle Etappe“ handele, eine Besserung des Zustands sei nicht mehr zu erwarten.

Die französischen Ärzte müssen sich den Wünschen von Arafats Ehefrau Suha fügen, die ihnen diktiert, welche Informationen nach außen weitergegeben werden dürfen. Das französische Gesundheitsrecht verpflichtet die Ärzte zur Vertraulichkeit.

„Er ist tot“ - „Das ist nicht wahr“

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete bereits gegen 15 Uh am Dienstag: „Arafat ist tot" und berief sich dabei auf „hochrangige politische Palästinenser-Kreisen in Paris“, die Arafat nahe stehen würden. „Er lebt, aber es bleiben ihm nur Stunden“, sagte dagegen ein Mitglied der Autonomiebehörde. Auch das Militärkrankenhaus in Percy ließ den Tod dementieren.

Kurz vor 18 Uhr rechtfertigte Reuters seine Meldung und zitierte eine weitere palästinensische Quelle: „Er ist tot. Es ist möglich, daß sie die Ankündigung verzögern.“ Und weiter: „Er starb, nachdem es vergangene Nacht zu Hirnblutungen gekommen war.“ Danach hätten sich Arafats Leibwächter in den Armen gelegen, geküßt und sich gegenseitig Mut zu gesprochen.

Ebenso wie französischen Militärkreisen nahe stehende Quellen bestritt auch Arafats Berater Saeb Erekat, daß der Palästinenser-Präsident tot sei: „Das ist nicht wahr.“ Daß Arafat offenbar am Montag abend eine Hirnblutung erlitten hatte, bestätigte allerdings auch Arafats Berater Tajeb Abdel Rahim am Dienstag vor Journalisten in Ramallah

„Das weiß nur Gott“

An das von Suha Arafat verlangte Schweigegebot hielt sich zunächst die palästinensische Delegation, von der nicht ein Mal zu erfahren war, ob sie überhaupt bis zum Sterbebett Arafats vorgelassen wurde. Im Anschluß sprach Außenminister Schaath von einer „sehr schwierigen und ernsthaften Situation“. Auf die Frage, ob Arafat dem Tod nahe sei, erwiderte Schaath: „Das weiß nur Gott.“

Später präzisierte Schaath: Arafat sei noch „am Leben“. Die lebenswichtigen Organe Arafats - wie Herz und Lunge - „funktionieren vollständig“, sagte Schaath. „Er bekommt lebenserhaltende Unterstützung, wie jeder Mensch im Koma.“ Seine Atmung oder sein Herzschlag würden aber nicht unterstützt.

Beratungen im Elysée-Palast

Frankreichs Außenminister Barnier hatte es als „natürlich“ bezeichnet, daß die hochrangige Delegation sich von dem Sterbenden verabschieden könne. Die Wagenkolonne der palästinensischen Delegation war zur Mittagszeit am Krankenhaus eingetroffen. Zuvor hatten die palästinensischen Politiker mit Barnier über die Nachfolge Arafats und die Situation im Nahen Osten gesprochen. Am Nachmittag trafen die vier Politiker im Elysée-Palast mit Präsident Chirac zusammen, der Arafat am vergangenen Freitag ein letztes Mal gesehen hatte.

Mit ihrem eigenmächtigen Vorgehen hat Suha Arafat inzwischen auch die französische Diplomatie gegen sich eingenommen. Gegen die 41 Jahre alte Frau, die in dem vornehmen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine lebt, ermittelt seit 2003 die französische Justiz wegen des Verdachts der Geldwäsche. Der Tod Arafats könnte die Ermittlungen beschleunigen.

Suha soll sich entschuldigt haben

Suha lebt allerdings seit fast vier Jahren von Arafat getrennt; schon seit Tagen war wegen Streitigkeiten über ihren Anteil an Arafats Vermögen der Kontakt zwischen ihr und den Palästinserführern abgebrochen.

Allerdings soll sich Suha am Dienstag für ihre verbalen Angriffe auf die palästinensischen Politiker entschuldigt haben: „Sie hat gesagt, sie stehe momentan unter großem psychischen Druck“, sagte ein Informant. Die Ehefrau hatte die politischen Weggefährten Arafats in enem Interview mit Al Dschazira als eine „Hand voll Erbschleicher, die ihn lebendig begraben wollen“, bezeichnet.

Nach französischem Recht darf Suha sie als engste Angehörige auch alleine über die Abschaltung lebenserhaltender Maschinen entscheiden. Es war vermutet worden, daß unter anderem wegen eines Streits mit Suha über Erbzahlungen an sie und wegen des Konflikts mit Israel um den Begräbsnisort der Todeszeitpunkt Arafats hinausgezögert wurde.

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