14.11.2004 · Bei einer Trauerfeier für Arafat in Gaza gaben Unbekannte Schüsse auf den neuen PLO-Vorsitzenden Abbas ab. Er ist der aussichtsreichste Kandidat für das Amt des palästinensischen Präsidenten, der am 9. Januar gewählt werden soll.
Drei Tage nach dem Tod des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat hat es am Sonntag einen tödlichen Zwischenfall bei einer Trauerfeier mit dem neuen PLO-Vorsitzenden Mahmud Abbas gegeben.
Nachdem der neue Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation in Gaza zu der Veranstaltung eingetroffen war, erstürmten 20 bewaffnete Männer das Zelt, in dem sich Abbas und der in Gaza einflußreiche Politiker Mohammed Dahlan mit anderen Spitzenfunktionäre zum Gedenken an Arafat versammelt hatten.
„Abbas ist Agent der Amerikaner“
Die Männer riefen „Abbas und Dahlan sind Agenten der Amerikaner“ und eröffneten das Feuer. Nach Krankenhausangaben wurden zwei Wachleute getötet und sechs weitere Personen verwundet. Leibwächter brachten Abbas in eine Ecke des Zelts in Deckung, während andere Teilnehmer die Flucht ergriffen. Abbas wurde schließlich in Sicherheit gebracht.
Zuvor hatten die um eine schnelle politische Neuordnung nach der Ära Arafat bemühte palästinensische Führung die Präsidentenwahl für den 9. Januar anberaumt. Alle technischen Vorbereitungen wie die Registrierung der Wähler seien bereits abgeschlossen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Wahlausschusses, Ammar Dweik.
„Israel soll die Wahl nicht behindern“
Die palästinensischen Politiker haben die internationale Gemeinschaft gebeten, auf Israel einzuwirken, damit der Ablauf der Wahl nicht durch Straßensperren oder andere Einschränkungen behindert wird. „Israel muß seine Truppen aus allen Wohngebieten im Westjordanland und dem Gazastreifen abziehen“, sagte der palästinensische UN-Vertreter Nasser al Kidwa. „Sonst werden Wahlen nicht möglich sein.“
Umstritten ist vor allem das Wahlrecht für die 220 000 arabischen Bewohner im Ostteil von Jerusalem. Israel fürchtet, daß dies den Anspruch der Palästinenser auf Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen Staates festigen könnte.
Scharon kompromißbereit
Diese Frage sollte auch bei einem Treffen von Außenminister Silvan Schalom mit dem amerikanischen Außenminister Colin Powell in Washington besprochen werden. Während sich Schalom öffentlich gegen eine Teilnahme der Jerusalemer Palästinenser aussprach, zeigte sich Ministerpräsident Ariel Scharon auf der Kabinettssitzung am Sonntag kompromißbereit.
Er verwies nach Informationen aus Regierungskreisen darauf, daß die Einwohner von Jerusalem schon 1996 an den palästinensischen Wahlen teilgenommen hätten.
Auch Barghuti will Präsident werden
Für Aufsehen sorgte am Wochenende die Ankündigung des in Israel inhaftierten Politikers Marwan Barghuti, für das Präsidentenamt zu kandidieren. Die israelische Regierung hat jedoch seine Freilassung abgelehnt.
Barghuti wurde in Israel wegen Beteiligung an mehreren Anschlägen zu mehrmals lebenslanger Haft verurteilt. Die Führung der Fatah wie ihrer Dachorganisation PLO favorisiert bislang den früheren Ministerpräsidenten und neuen PLO-Vorsitzenden Abbas als Arafat-Nachfolger.