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Arafat beigesetzt Chaos in Ramallah - Palästinenser stürmen Muqata

12.11.2004 ·  Am Rande der Beisetzung des palästinensischen Präsidenten haben sich chaotische Szenen abgespielt. Der Sarg mit dem Leichnam Arafats wurde am Nachmittag in die Grabstätte auf der Muqata hinabgelassen.

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Der verstorbene palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat ist am Freitag unter tumultartigen Szenen in Ramallah im Westjordanland beigesetzt worden. Arafat hätte eigentlich noch einige Zeit aufgebahrt werden sollen, aber die Trauerzeremonie wurde wegen der chaotischen Lage abgekürzt.

„Er wurde wegen der aufgebrachten Menschen vorzeitig beigesetzt, wir hatten keine andere Wahl", sagte ein Vertreter der Palästinenser. In die Luft schießende Sicherheitskräfte hatten zuvor den Sarg des am Donnerstag verstorbenen Arafat durch eine vor Trauer und Verzweiflung aufgebrachte Menschenmenge in das Hauptquartiers Arafats in Ramallah gebracht.

Salven der Sicherheitskräfte

Tausende Palästinenser hatten das Gelände gestürmt und versucht, dem Sarg Arafats nahe zu kommen. Schon bei der Landung des Hubschraubers mit dem Leichnam Arafats war es in Ramallah zu dramatischen Szenen gekommen. Zehntausende Palästinenser drängten sich nach der Landung in gefährlicher Nähe um den Helikopter. Sicherheitskräfte feuerten zahlreiche Salven in die Luft, um die aufgewühlten Menschen zurückzudrängen.

Die Menge begrüßte die Heimkehr ihres toten Führers mit frenetischen Rufen und schwenkte Palästinenser-Fahnen. „Gott ist groß“ und „Jassir, Jassir“, riefen die Anhänger in Sprechchören und „unser aller Vater“ ist tot.

Schon vor der Ankunft der Hubschrauber war es am Freitag in Arafats Hauptquartier in Ramallah, der Muqata, zu chaotischen Szenen gekommen. Nachdem Wachleute einigen Palästinensern den Eintritt durch das Tor der „Muqata“ erlaubten, kletterten Hunderte von Menschen über die Mauern des Geländes, auf dem Arafat begraben werden soll. Die Wachleute, die eigentlich nur geladene Trauergäste einlassen sollten, konnten dem Ansturm der Menge nicht mehr standhalten, die in das Hauptquartier eindrang.

Unter dem Ansturm der Trauernden stürzte in Ramallah ein Gebäude auf dem Gelände der Autonomiebehörde ein. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Verkehrs-Chaos bei Trauerfeier in Kairo

Bei einer Trauerfeier in Kairo hatten zuvor Persönlichkeiten aus aller Welt von Arafat Abschied genommen. Doch wegen des Verkehrschaos am Flughafen von Kairo haben viele Gäste die Trauerfeier verpaßt, darunter Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und weitere deutsche Politiker. Fischers Maschine mußte am Morgen erst über der ägyptischen Hauptstadt kreisen und steckte dann auf dem Rollfeld anderthalb Stunden lang in einer Warteschleife mit Dutzenden anderen Sondermaschinen, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Fischer begab sich noch zum militärischen Teil des Flughafens, wo Arafats Sarg kurz zuvor in ein Militärflugzeug geladen worden war. Fischer wurde dort nicht mehr durchs Tor gelassen. Kurz darauf startete die Maschine, die den Leichnam des Palästinenserpräsidenten nach Al Arisch auf der Sinai-Halbinsel bringen sollte. Von dort sollte Arafat mit einem Hubschrauber nach Ramallah im Westjordanland gebracht werden, wo er am Nachmittag auf dem Gelände seines Hauptquartiers beigesetzt werden sollte.

Mit Fischer reisten SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter, FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer, CDU-Außenexperte Friedbert Pflüger und Nahostexperte Hans-Jürgen Wischnewski (SPD).

Bei der Trauerfeier hatten Politiker aus aller Welt Abschied vom verstorbenen palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat genommen. Die Zeremonie begann mit bescheidenen Gebeten und endete mit einer triumphalen Prozession von der Moschee auf einem Militärgelände nahe dem Kairoer Flughafen bis zum Startfeld. Dort wurde der Sarg in eine Militärmaschine geladen, die ihn zur Beisetzung nach Ramallah überführen sollte. Das Begräbnis sollte noch vor Sonnenuntergang stattfinden.

Höchste Alarmstufe in Israel

Die israelischen Sicherheitskräfte waren zuvor in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Der israelische Rundfunk meldete, die Polizeiführung habe am Donnerstag Nachmittag die nur sehr selten verwendete höchste Alarmstufe ausgerufen.

Die israelischen Truppen sollten vorübergehend aus allen palästinensischen Städten des Westjordanlands abziehen, um Konfrontationen mit der trauernden Bevölkerung zu vermeiden, hieß es. Man fürchte, aufgebrachte Massen könnten versuchen, Straßensperren zu durchbrechen und nach Israel vorzudringen, meldeten israelische Medien.

Strategie der Deeskalation

Die Anfahrt zu dem Begräbnis in Ramallah am Freitag soll Palästinensern aus dem Westjordanland nur in Bussen gestattet werden. Israelis sei die Teilnahme „auf eigene Verantwortung“ erlaubt, hieß es im Radio. Zu den letzten Freitagsgebeten des muslimischen Fastenmonats Ramadan auf dem Tempelberg in Jerusalem sind nur Männer über 45 Jahren und Frauen zugelassen.

Nach der Trauerzeremonie in Kairo sollen Arafats sterbliche Überreste nach Al-Arisch auf der Sinai-Halbinsel geflogen und dann mit einem Hubschrauber nach Ramallah gebracht werden. Dort soll Arafat, der am Vortag im Alter von 75 Jahren gestorben war, am Nachmittag auf dem Gelände seines Hauptquartiers beerdigt werden.

Beerdigung ohne Arafats Ehefrau

Der Leichnam Arafats war am Donnerstag abend nach einer militärischen Ehrung in Frankreich nach Kairo überführt worden. Ein Airbus der französischen Luftwaffe brachte den Sarg in die ägyptische Hauptstadt. Mit an Bord waren Außenminister Nabil Schaath und Arafats Frau Suha Tawil. Am Flughafen erwartete sie eine Delegation palästinensischer und ägyptischer Politiker. Suzan Mubarak, die Ehefrau des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, hielt Arafats weinende Ehefrau am Arm, während der Sarg aus dem Flugzeug getragen wurde.

Suha Tawil wird voraussichtlich nicht an der Beerdigung in Ramallah teilnehmen. Zwischen ihr und der palästinensischen Führung hatte es in den letzten Tagen vor dem Tod Arafats Meinungsverschiedenheiten gegeben.

Arafat war nach Angaben der Militärärzte am Donnerstag morgen um 3.30 Uhr im Militärkrankenhaus Percy in Clamart bei Paris gestorben, wo er zwei Wochen zuvor unter Blutkrebsverdacht eingeliefert worden war. Über die Todesursache wurden offiziell keine Angaben gemacht. Politiker in aller Welt würdigten das Lebenswerk des Palästinenserpräsidenten und äußerten zugleich Hoffnung auf einen Neuanfang im Nahen Osten.

Arafats Leibartzt fordert Autopsie

Der jordanische Leibarzt des verstorbenen palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat hat unterdessen eine Autopsie zur Feststellung der genauen Todesursache gefordert. Zu Spekulationen, wonach Arafat von Israel vergiftet worden sein könnte, wollte Dr. Aschraf al Kurdi am Freitag nicht Stellung nehmen. Diese Gerüchte hatte der israelische Außenminister Silvan Schalom am Donnerstag als „skandalös und falsch“ zurückgewiesen.

Al Kurdi, seit zwei Jahrzehnten Leibarzt Arafats, sah den Präsidenten zuletzt vor zwei Wochen in Ramallah. Wenig später wurde der schwer erkrankte Arafat zur Behandlung nach Paris geflogen. „Man sollte herausfinden, ob es Fehler gab und wenn, wo - in Ramallah oder in Paris“, sagte der Arzt der Nachrichtenagentur AP. „Es gab keine Diagnose, und es gibt Verdächtigungen wegen seines Todes.“

Die Ereignisse wertete Al Kurdi als medizinisch nicht normal, daher sollte es eine Autopsie geben. Dies habe er auch PLO-Führer Mahmud Abbas mitgeteilt. Die Ärzte, die Arafat in einem französischen Militärkrankenhaus bei Paris behandelt haben, haben sich zur Todesursache bislang nicht geäußert, auch wurde keine Diagnose genannt.

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