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Arabische Meisterschaft für Frauen Fußball als auswärtige Kulturpolitik

 ·  Wenn bei der arabischen Fußballmeisterschaft Frauen aus Bahrein, Qatar, Ägypten, Syrien, Libanon, Palästina, Jordanien und dem Irak aufeinander treffen, herrscht auf dem Platz pure Lebensfreude. Und selbst die Bundesregierung ist überzeugt, dass man mit solchen Projekten mehr erreichen kann als mit traditioneller Politik.

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Maryam trägt das Trikot des FC Arsenal, Latifa das der argentinischen Nationalmannschaft. 15 Jahre alt sind die zwei Schülerinnen und zum ersten Mal in einem Fußballstadion. Mit einigen Tausend anderen jungen Frauen unterstützen sie ihr Team, das unten auf dem Rasen spielt, die Fußballnationalmannschaft der Frauen Bahrains. Sie singen und tanzen, sie grölen fröhlich, klatschen in die Hände, schwingen die rot-weiße Flagge ihres Landes. Keine der zwei spielt selbst Fußball. In der Schule haben sie sich für Basketball entschieden. Fußball eine Männersache? Eine dumme Frage. Entschieden schütteln sie den Kopf.

Im Eröffnungsspiel der arabischen Fußballmeisterschaft für Frauen tritt Bahrain gegen Qatar an. Die Frauen aus Bahrain deklassieren den Gegner mit 17:0. Denn die Frauen Bahrains spielen schon seit sechs Jahren zusammen, in Qatar ist die Frauenmannschaft aber erst vor drei Monaten gegründet worden. Die Frauen des Nachbarlands lassen den Kopf nicht hängen. „Wir lernen und spielen im nächsten Turnier besser“, sagt eine von ihnen. An dem Turnier beteiligen sich außerdem Frauen aus Ägypten und Syrien, Libanon und Palästina, Jordanien und dem Irak.

„Frauen erobern auch den Fußball“, sagt in der Pause die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper erfreut. Das Spiel verfolgt sie auf der Ehrentribüne mit der First Lady Bahrains, Scheicha Sabeeka Bint Ibrahim Al Chalifa, der Schirmherrin des Turniers. Denn die Bundesregierung hat den Hauptteil der Kosten dieses Turniers mit acht arabischen Frauennationalmannschaften übernommen. Mit Projekten wie diesen könne man mehr erreichen als mit traditioneller Politik, sagt Frau Pieper. Daher investiere die Bundesregierung in der auswärtigen Kulturpolitik nicht nur in Schulen und Hochschulen, sondern auch in Sport. Denn im Sport gehe es um Fairplay und Toleranz.

Wer als Mann Einwände vorbringe, der lebe Jahrzehnte zurück

Ohrenbetäubend ist der Lärm, pure Lebensfreude. Zu den älteren unter den überwiegend weiblichen Zuschauern gehört Fatima, eine Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Mit ihrer Tochter Farida ist sie ins Stadion gekommen. Die Tochter, eine junge Sportlehrerin, hat ihre Schülerinnen mitgebracht, denen sie das Kicken beibringt. „Das können wir Frauen doch auch“, ruft Fatima, ihre Mutter. Und wer als Mann Einwände dagegen vorbringe, der lebe doch Jahrzehnte zurück, sagt die Frau in dem schwarzen Umhang und dem schwarzen Kopftuch. Nicht zum ersten Mal ist sie im Stadion. Sie hat auch schon Spiele der Männer auf dieser Tribüne verfolgt.

„Mit Projekten wie dieser Meisterschaft können wir eine gesellschaftliche Diskussion in Gang bringen“, sagt Staatsministerin Pieper. Sport und solch ein Turnier erreiche mehr Menschen als ein intelligenter Vortrag oder eine akademische Konferenz. Der Frauenfußball sei ja auch ein Zeichen einer modernen Entwicklung, von Öffnung, von Chancengleichheit. Projekte wie dieses wurden Teil des interkulturellen Dialogs. Denn dieser Frauenfußball fördert die öffentliche Rolle der Frau in der arabischen Welt und in der islamischen.

Frauenfußballspiele ohne männliche Zuschauer statt

Die Torfrau Bahrains, Nuf Bint Chaled Chalifa, erlebt einen ruhigen Abend auf dem Platz. 21 Jahre ist sie jung und frischgebackene Betriebswirtin. Turniere wie diese würden viel zu wenig veranstaltet, bedauert sie, die sich eine Karriere als Profifußballerin vorstellen kann. Auf der Arabischen Halbinsel gebe es noch zu wenige Nationalmannschaften, anders als in Nordafrika und in der Levante. Aber selbst in Saudi-Arabien tragen Frauenmannschaften von Universitäten inzwischen öffentlich Spiele aus, selbst wenn nur vereinzelt und dann, anders als in Bahrain, unter Ausschluss der männlichen Zuschauer. Das erste Spiel hatte im Januar 2008 in der Stadt Chobar stattgefunden.

In ihrer Schule hatte Nuf vor sechs Jahren zu spielen begonnen, wie fast alle anderen ihrer Kolleginnen, die seither zusammenspielen und zu einer starken Mannschaft wuchsen. Heute ist in Bahrain die Schulliga für Frauenteams selbstverständlich. Der Fußball ändere sich, er sei kein Monopol der Männer mehr, sagt Nuf. „Schließlich ist der Ball rund wie bei den Männern, eine Halbzeit dauert jeweils 45 Minuten, und die Taktiken sind die gleichen.“ Ihre Schwester, Hessa Bint Chaled Chalifa, ist der Coach der Mannschaft Bahrains. Seit diesem Jahr ist sie die erste Frau im Vorstand des arabischen Fußballverbands. Nun will sie den Frauenfußball in allen arabischen Ländern voranbringen.

Einige Frauen spielen in langen Hosen

Bei dem Turnier in Bahrain verhüllen einige wenige Spielerinnen aus Ägypten, Syrien und Palästina ihr Haupthaar, einige spielen in langen Hosen. „Vielleicht haben einige Leute ein Problem damit, dass Frauen Fußball spielen“, sagt Nuf fast schon gleichgültig. Aber schließlich verstoße doch keine Spielerin gegen irgendeine Vorschrift des Islam, sagt sie dann energisch. Und an einem lässt die Torhüterin keinen Zweifel: „Wir Frauen sind sehr entschlossen, und wir bringen für unseren Sport Opfer.“

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Politik.

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