Die spanischen Ermittler sind auf Parallelen zwischen dem Bombenfund an einer Zugstrecke und den Terroranschlägen von Madrid gestoßen. Die Bombe sei mit dem gleichen Sprengstoff hergestellt worden, der in Madrid verwendet worden sei, sagte der spanische Innenminister Angel Acebes am Samstag. Die Ermittlungen dauerten jedoch an.
Drei Wochen nach den Bombenanschlägen von Madrid war auf der Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke zwischen der spanischen Hauptstadt und Sevilla offenbar in letzter Minute ein Anschlag vereitelt worden. Die dort gefundene Bombe stellte sich als nicht einsatzbereit heraus, da ihr eine Sprengvorrichtung fehlte, um die etwa zwölf Kilogramm Sprengstoff zu zünden.
Strecke am Samstag wieder freigegeben
Nach dem Bombenfund wurde der Bahnverkehr auf der Strecke zunächst eingestellt, am Samstag aber unter starkem Polizeischutz wieder freigegeben. Die Sicherheitsvorkehrungen in Spanien wurden drastisch erhöht.
Bei dem an der Hochgeschwindigkeitsstrecke deponierten Sprengstoff handele es sich um Goma 2 Eco, den auch die Attentäter von Madrid benutzt hatten, sagte Innenminister Angel Acebes am Samstag in Madrid.
Bahn-Mitarbeiter entdeckte verdächtiges Paket
Der in einer Einkaufstüte unter den Schienen versteckte Sprengsatz war von einem Mitarbeiter der Bahngesellschaft Renfe am Freitag 61 Kilometer südlich von Madrid entdeckt worden. Der Mann alarmierte sofort die Polizei. Der genaue Fundort befand sich zwischen den Städten Mocejon und Algodor in der zentralen Provinz Toledo.
Sprengstoffexperten stellten fest, daß das Paket zehn bis zwölf Kilogramm Sprengstoff enthielt. Die genaue Analyse des Sprengsatzes werde voraussichtlich auch Aufschluß darüber geben, wer den Anschlag geplant habe, sagte Innenminister Angel Acebes. Bisher gebe es aber noch keine Hinweise auf die Täter. Einen Erpresserbrief wie bei den Bahnerpressungen in Frankreich durch die Gruppe AZF gebe es nicht.
Der Sprengsatz war über ein 136 Meter langes Kabel mit einem Zünder verbunden, der eigentliche Zündmechanismus fehlte jedoch. Dies werteten die Ermittler als Zeichen dafür, daß die Täter ihr Vorhaben überstürzt hätten aufgeben müssen.
„Alle verfügbaren Kräfte im Einsatz“
Der Bombenfund löste in Spanien Angst vor neuen Anschlägen aus. Zum Schutz wichtiger Bahnrouten sowie der Bahnhöfe und Flughäfen würden zudem „alle verfügbaren Kräfte“ mobilisiert, darunter auch die Armee, sagte Acebes. Zur ständigen Überwachung sollen 45 Hubschrauber, Panzerfahrzeuge und Hundestaffeln eingesetzt werden. Der nach dem 11. März von der Regierung gebildete Krisenstab sei nun rund um die Uhr besetzt.
Eta-Terrorist festgenommen
Erst am Donnerstag hatten Sicherheitskräfte in Nordspanien drei an Journalisten adressierte Briefbomben entschärft. Über die Absender der Bomben herrsche weiterhin Unklarheit, sagte Acebes. Der Mechanismus erinnere an frühere Anschläge anarchistischer Gruppen.
Auch der mutmaßliche „Logistikchef“ der baskischen Terrororganisation Eta, Félix Ignacio Esparza Luri, wurde in Südfrankreich festgenommen. Er ist des siebenfachen Mordes angeklagt und soll für die Bande Sprengstoff, Autos und falsche Papiere besorgt haben. Minister Acebes rief die Bevölkerung auf, trotz all dieser Vorfälle Ruhe zu bewahren.
Behinderungen im Reiseverkehr
Der Fund und die Überprüfung der gesamten Bahnstrecke führte zu erheblichen Behinderungen im Reiseverkehr. Die Bahn hatte zu Beginn der Osterreisewelle zum Ferienstart eigens Sonderzüge einsetzen wollen. Nun aber mußten mehrere Schnellzüge auf offener Strecke anhalten. Insgesamt saßen etwa 1600 Passagiere in ihren Zügen fest. Hinzu kamen Hunderte von Menschen, die in Sevilla, Córdoba und Madrid vergeblich auf ihre Züge warteten.
Sie wurden ab dem Nachmittag mit Bussen weiterbefördert. An den Bahn-Schaltern standen aufgebrachte Reisende Schlange, die ihr Geld zurückhaben wollten. „Wir haben nur über unsere Handys erfahren, was eigentlich los war“, beklagte sich ein Reisender auf dem Atocha-Bahnhof in Madrid, der von den Anschlägen am 11. März besonders hart getroffen wurde. „Das ist eine Schande.“ Die Bahn begründete ihre Zurückhaltung damit, daß sie keine Panik schüren wollte.
