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Aktualisiert: 09.04.2017, 23:18 Uhr

Nach Anschlägen auf Kirchen Ägypten kündigt Ausnahmezustand an

Der ägyptische Präsident hat nach den Anschlägen auf zwei Kirchen einen dreimonatigen Ausnahmezustand angekündigt. Der „Islamische Staat“ bekannte sich zu den Taten und drohte mit weiterer Gewalt gegen Christen.

© EPA Schaulustige sammeln sich nach der Explosion vor der Kirche in Tanta

Nach den verheerenden Anschlägen in Ägypten hat Präsident Abdel Fattah al Sisi am Sonntag für die nächsten drei Monate den Ausnahmezustand angekündigt. In einer Fernsehansprache am Abend erklärte Sisi, dieser werde in Kraft treten, sobald die verfassungsrechtlichen Maßnahmen „vervollständigt seien“. Dazu gehört auch die Zustimmung des Parlaments.

In den vergangenen Jahren war nach Gewaltausbrüchen wiederholt der Ausnahmezustand in Ägypten oder Teilen des Landes ausgerufen worden. Dies war verbunden mit der Möglichkeit von Festnahmen ohne Haftbefehl und Hausdurchsuchungen ohne richterliche Anordnung sowie nächtlichen Ausgangssperren.

Erweiterte Befugnisse sollen den Sicherheitskräften das Vorgehen gegen Extremisten vereinfachen. Allerdings haben diese in Ägypten auch schon zum gegenwärtigen Zeitpunkt oftmals freie Hand, was durch schwammig formulierte Gesetze bedingt ist.

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Am Sonntag waren bei den schwersten Terrorangriffen auf die christliche Minderheit in Ägypten seit Jahren mehr als 44 Menschen getötet und 120 verletzt worden. Selbstmordattentäter hatten Anschläge auf zwei koptische Kirchen im Norden des Landes verübt. Die Terrormiliz IS reklamierte die Taten für sich und drohte mit weiterer Gewalt gegen Christen. Koptische Christen protestierten gegen die Regierung, weil sie sich nicht gut genug geschützt fühlen.

© Reuters, reuters Ägypten kündigt nach Anschlägen auf Kopten Ausnahmezustand an

„Das passiert nur, um unser Land zu beschützen“, sagte Sisi am Sonntagabend zu den angekündigten Maßnahmen. Die Auseinandersetzung mit den Terroristen werde lang und schmerzhaft sein. Er warf anderen Ländern vor, den Terrorismus in Ägypten zu unterstützen – nannte aber kein bestimmtes Land. Sisi kündigte zudem an, eine neue Ermittlungsbehörde zu schaffen: den „Obersten Rat zur Bekämpfung von Terror und Extremismus“.

Zuvor hatte der Präsident bereits der Armee befohlen, wichtige Gebäude des Landes zu schützen und damit die Polizei zu unterstützen, berichtete das staatliche Fernsehen. Das Militär spielt in Ägypten eine wichtige Rolle und und war bereits vor den Anschlägen vom Sonntag allgegenwärtig in der Öffentlichkeit.

Der IS, dessen Ableger im Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel aktiv ist, hatte zuletzt Angriffe auf Christen angekündigt. Diese machen in Ägypten zehn Prozent der etwa 94 Millionen Einwohner aus. Sie können ihre Religion weitgehend frei ausüben und leben überwiegend friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Es gibt allerdings Spannungen, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Mit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 hatten die Angriffe auf Christen in dem Land zeitweise zugenommen. Unter Mursis Nachfolger Sisi beruhigte sich die Lage wieder etwas.

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Von Peter Sturm

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