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Annäherung an Riad

12.02.2007 ·  Präsident Putin besucht Saudi-Arabien und Qatar

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Her. ISTANBUL, 12. Februar. Der russische Präsident Putin hat mit seinem ersten Besuch in Saudi-Arabien den Anspruch Moskaus auf eine gestaltende Rolle im Nahen Osten bekräftigt. Der saudische König Abdullah Bin Abdalaziz habe Putin als "Mann des Friedens und der Fairness" begrüßt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Saudi Press. Saudi-Arabien strecke Russland "die Hand der Freundschaft" entgegen. Abdullah erwarte, dass der Besuch die Beziehungen auf allen Gebieten festigen werde. Beide Seiten unterzeichneten drei Wirtschaftsabkommen.

Der saudische König befürwortete gegenüber Putin einen eigenen Energiedialog mit Moskau, um eine angemessene Versorgung des Weltmarkts mit Öl sicherzustellen. Als Abdullah im September 2003 noch als Kronprinz Moskau besucht hatte, wurde ein auf fünf Jahre befristetes Abkommen zur Zusammenarbeit auf den Gebieten Öl und Gas unterzeichnet. Saudi-Arabien und Moskau sind die größten Ölproduzenten der Welt. Russland will seine Ölförderung 2007 auf 9,7 Millionen Fass (je 159 Liter) steigern und damit knapp an Saudi-Arabien vorbeiziehen. Das russische Unternehmen Lukoil betreibt schon das größte Gasprojekt in Saudi-Arabien. Im Norden der Wüste Rub al Chali hat es drei Milliarden Dollar in die Erschließung eines Gasfeldes investiert.

Putin flog am Montag nach Doha weiter, der Hauptstadt von Qatar. Nach Russland und Iran ist Qatar das größte Gasförderland. Nach Angaben des russischen Fernsehens sagte Putin, die Gas exportierenden Staaten sollten enger zusammenarbeiten. In diesem Zusammenhang sei der iranische Vorschlag, ein Kartell nach dem Vorbild der Opec zu bilden, zwar durchaus interessant; er, Putin, sei sich aber nicht sicher, ob eine solche Organisation wirklich nötig sei. Der vom Kreml kontrollierte Energiekonzern Gasprom hat Interesse bekundet, in Qatar in die Förderung und Verarbeitung von Gas zu investieren. Nicht ausgeschlossen wird, dass Russland nach dem Verlust des Iraks und Libyens als wichtige Waffenkunden nun den Golf als neuen Absatzmarkt ins Auge fasst.

Ein saudischer Diplomat sagte dem Sender Al Arabija, er erwarte nach dem Besuch Putins eine aktivere Rolle Russlands im Nahen Osten. Neben wirtschaftlichen Interessen vermutet Abdulaziz Sager, der Präsident des unabhängigen Forschungsinstituts "Gulf Research Center" in Dubai, zwei strategische Faktoren hinter der diplomatischen Offensive Russlands im Nahen Osten: Moskau wolle seine Rückkehr als Großmacht deutlich machen. Zudem wolle es ein Übergreifen der Instabilität auf den Kaukasus, Zentralasien und damit auf Russland verhindern. Tschetschenische Rebellen finden weiterhin in den Golfstaaten zahlungskräftige Sympathisanten. Russland könne zur Stabilisierung der Region beitragen, werde die amerikanische Hegemonie am Golf aber nicht herausfordern, kommentierte Sager.

Hoffnungen bestehen am Golf, Russland könne Iran zum Einlenken bei seinem Atomprogramm bewegen. Die Golfstaaten stellten sich dem "nuklearen Überfall" Irans entgegen, fürchteten aber ebenso ein "militärisches Abenteuer" Amerikas gegen Iran. Daher setzten sie auf den russischen Einfluss auf Teheran und das russische Veto im UN-Sicherheitsrat, äußerte Sager. Mit seinen guten Beziehungen zu Iran könne Moskau auch zur Stabilisierung im Irak beitragen. Russland stellt für 800 Millionen Dollar das Atomkraftwerk Buschehr fertig und will bis zu fünf weitere Atomkraftwerke liefern. Im Dezember hatte Moskau an Teheran Tor-M1-Luftabwehrraketen geliefert, die sich bei einem amerikanischen Angriff zur Verteidigung der iranischen Atomanlagen eignen. Ungleiche Interessen verfolgen Washington und Moskau auch in den anderen Regionen des Nahen Ostens. Während Washington die Hamas boykottiert, plädiert der Kreml für einen Dialog. Im Libanon setzte die Hizbullah gegen Israel Waffen aus russischer Produktion ein, die sie aus Syrien und Iran erhalten hat. Arabische Kommentatoren erwarten, dass Saudi-Arabien und Russland nach der Bildung einer palästinensischen Regierung der nationalen Einheit sich für einen Neubeginn des Nahost-Friedensprozesses einsetzen werden.

Quelle: F.A.Z., 13.02.2007, Nr. 37 / Seite 5
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