26.10.2007 · Bilder eines kommerziellen Satelliten erhärten den Verdacht, dass der geheimnisvolle Angriff der israelischen Luftwaffe auf Ziele in Syrien vor sieben Wochen einer mit Hilfe Nordkoreas errichteten Nuklearanlage gegolten haben könnte. Von Horst Bacia.
Von Horst BaciaBilder eines kommerziellen Satelliten erhärten den Verdacht, dass der geheimnisvolle Angriff der israelischen Luftwaffe auf Ziele in Syrien vor sieben Wochen einem noch nicht fertig gestellten Nuklearreaktor nordkoreanischen Typs gegolten haben könnte. Zu diesem Schluss kommt ein auf Fragen der Nichtverbreitung von Atomwaffen spezialisiertes Institut in Washington.
Nach der Sichtung und Analyse einer größeren Zahl von Luftaufnahmen sind Experten des „Institute for Science and International Security“ (ISIS) überzeugt, das Ziel des Angriffs vom 6. September eindeutig identifiziert zu haben. Es soll sich um eine elf Kilometer nördlich der Stadt Tibni am rechten Ufer des Euphrat gelegene Anlage handeln.
Würfelförmiges Gebäude
Der Vergleich von Bildern, die vor und nach dem israelischen Luftangriff aufgenommen wurden, bekräftigt nach Meinung der beiden Fachleute David Albright und Paul Brannan ihre frühere Vermutung, an diesem Ort habe eine der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nicht bekannte Nuklearanlage gestanden. Die Satelliten-Fotos wurden dem Institut von der Firma „DigitalGlobe“ zur Verfügung gestellt; einige sind im Internet zugänglich.
Aufnahmen vom 10. August zeigen ein großes würfelförmiges Gebäude; in ihm könnte sich nach Ansicht der beiden Experten ein im Bau befindlicher Kernreaktor befunden haben. Von zwei weiteren Gebäuden liegt eines direkt am Ufer des Euphrat; wahrscheinlich ist es für die Pumpen zur Versorgung des Kühlsystems vorgesehen gewesen. Östlich des Hauptbaus konnten mehrere Lastwagen identifiziert werden.
Auf Bildern vom 24. Oktober sind die beiden kleineren Gebäude ebenfalls zu erkennen. Die würfelartige Konstruktion ist allerdings völlig verschwunden. Eine Planierraupe und die deutlich sichtbaren Spuren, die sie im Sand hinterlassen hat, deuten darauf hin, dass versucht worden war, diesen Teil der Anlage wieder dem Erdboden gleich zu machen. Albright und Brannan vermuten, Syrien wolle auf diese Weise Spuren beseitigen. Eine Inspektion, etwa durch die Atomenergiebehörde in Wien, werde damit erheblich erschwert.
Mit Hilfe Nordkoreas errichtete Nuklearanlage?
Die „New York Times“ hatte schon vor einigen Wochen unter Berufung auf amerikanische und israelische Geheimdienste berichtet, der Luftangriff habe einer möglicherweise mit Hilfe Nordkoreas errichteten Nuklearanlage gegolten. Die IAEA nahm daraufhin Kontakt mit der syrischen Regierung auf, um den Sachverhalt zu klären. Syrien ist 1968 dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten, ratifizierte das Zusatzprotokoll, das striktere Kontrollen ermöglicht, aber nicht. Nordkorea hat eine Zusammenarbeit mit Syrien auf dem Gebiet der Nukleartechnik bestritten. Es soll aber eine Kooperation beim Bau von Raketen geben.
In einem von zwei Analysen ihres Instituts zu diesem Thema, die auch im Internet zugänglich sind (http://www.isis-online.org/), haben Albright und Brannan die Ausmaße des würfelförmigen Gebäudes mit denen der nordkoreanischen Reaktoranlage in Yongbyon verglichen und in etwa eine Übereinstimmung festgestellt. Für ein nordkoreanisches Modell spreche darüber hinaus das typische, offenbar auch in Syrien angewandte Verfahren, die Reaktorhülle an Ort und Stelle zu bauen und sie nicht schon weitgehend fertig anzuliefern. Die Satelliten-Bilden gäben daher keinen Aufschluss, wie weit die Arbeiten in dem Würfel-Bau tatsächlich vorangeschritten waren.
Die isrealische Regierung hat über den Zwischenfall Stillschweigen gewahrt, und über die Medien eine Zensur verhängt. Dass es tatsächlich einen Luftangriff gab, bestätigte bisher nur der offenbar eingeweihte Oppositionsführer Netanjahu. Auch die amerikanische Regierung, die vor der Operation unterrichtet wurde, hat dazu sich nie offiziell geäußert.