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Kommentar : Gegen Muslime

Blumen für die Opfer des Angriffs auf die Moschee im Londoner Stadtteil Finsbury Park Bild: AFP

Öffentliche Gewalt wie der Anschlag auf Muslime in London soll die Menschen gegeneinander aufhetzen. Eine offene Gesellschaft ist nur wehrhaft, wenn die Mehrheit dem widersteht.

          Den Angriff auf Muslime im Londoner Stadtteil Finsbury Park sollte man mit derselben Vorsicht und Geduld behandeln, die auch bei islamistischen Gewalttaten geboten ist: Bevor die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, ist es schwierig, die Motive des Täters zu beurteilen. Aber immerhin ging die britische Polizei am Montag davon aus, dass es sich um ein Hassverbrechen handelte, das gezielt gegen Muslime verübt wurde. Premierministerin May sprach ausdrücklich von Terrorismus. Der äußere Anschein scheint diese Wertung zu rechtfertigen: Wenn ein weißer Mann mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge in der Nähe einer Moschee rast, dann wirkt das wie eine Vergeltung für die jüngsten Anschläge von Dschihadisten mit Lastwagen, die es nicht nur in Großbritannien gab.

          Dass dieser Eindruck überhaupt entsteht, wird in der aufgewühlten gesellschaftlichen Atmosphäre, die derzeit in etlichen westlichen Ländern herrscht, viele Bürger beunruhigen. Die sozialen Netzwerke sind seit Jahren voll mit düsteren Vorhersagen über einen drohenden Bürgerkrieg zwischen den Einheimischen in Europa und Einwanderern aus islamischen Ländern. Vor allem von rechtsradikalen Kreisen wird dieses Szenario gerne verbreitet.

          Trotzdem steht heute kein europäisches Land, auch Großbritannien nicht, in der Nähe von Weimarer Verhältnissen. Es gab in den vergangenen Jahren ohne Zweifel eine Zunahme von politisch motivierter Gewalt, aber Rechtsstaat und Demokratie wurden nicht aufgegeben. Gegen Leute, die Asylbewerberheime anzünden, wird genauso ermittelt wie gegen Dschihadisten. Eine Häufung der Vorfälle wie jetzt in London macht die Arbeit der Sicherheitsbehörden allerdings nicht leichter.

          Die Premierministerin hat die Briten nach der Tat dazu aufgerufen, sich nicht spalten zu lassen. Das bekommen die Bürger auch nach islamistischen Anschlägen immer wieder zu hören. Und es ist richtig: Öffentliche Gewalt zielt auf das Bewusstsein der Menschen ab, sie will sie gegeneinander aufhetzen. Eine offene Gesellschaft ist nur wehrhaft, wenn die Mehrheit dem widersteht. Die Politik allerdings wird nicht darum herumkommen, sich noch genauer anzuschauen, wie sie den unbescholtenen Bürger schützen kann – nicht nur in Großbritannien.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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