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Mazar-i-Sharif : Im Norden braut sich etwas zusammen

„Anhaltender Schusswechsel“: Steinmeier am Freitag im Krisenstab des Auswärtigen Amtes. Bild: AFP

Der Angriff auf das deutsche Konsulat in Mazar-i-Sharif zeigt, dass auch die Stadt im Norden Afghanistans zunehmend von den Taliban bedroht ist. Das Ereignis ist nicht das erste dieser Dimension.

          Die Detonation ließ im gesamten Stadtteil Fensterscheiben bersten. Am Donnerstagabend gegen 23 Uhr Ortszeit war ein mit Sprengstoff beladener Laster gegen die äußere Umfassungsmauer des deutschen Generalkonsulats in Mazar-i-Sharif gerast. „Es fühlte sich an, als wenn auch unser Haus in sich zusammenfällt, so stark war die Explosion“, sagte Shukrullah, ein Bewohner der nordafghanischen Stadt, der F.A.Z. am Freitag.

          Friederike Böge

          Redakteurin in der Politik.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Zwei der Toten seien von den einstürzenden Mauern ihres Hauses begraben worden. Auch ein Großteil der Verletzten habe sich nicht auf der Straße vor dem Konsulat befunden, sondern zu Hause: Die Menschen seien von Glassplittern oder herumfliegenden Gegenständen verletzt worden, berichtete Shukrullah, der wie viele Afghanen keinen Nachnamen hat.

          Bild: F.A.Z.

          Die Explosion war jedoch nur der Anfang: Schwer bewaffnete Taliban griffen das Konsulatsgelände an. Sie seien zunächst von den Sicherheitskräften des Konsulats in einem „anhaltenden Schusswechsel“ bekämpft worden, teilte die Bundeswehr zum weiteren Hergang mit. Nach eineinhalb Stunden seien auch Schutzkräfte des deutschen Feldlagers sowie georgische, belgische und lettische Soldaten der „schnellen Reaktionskräfte“ (einer Art militärischer Eingreifreserve) am Ort des Anschlags eingetroffen. Sie hätten gemeinsam mit den afghanischen Polizeikräften die Gegend durchsucht und gesichert. Die 20 Mitarbeiter des Generalkonsulats und ihre Angehörigen, die alle unversehrt blieben, wurden in das deutsche Feldlager gebracht.

          Fast 130 Menschen wurden verletzt

          Am frühen Freitagmorgen, gegen sechs Uhr Ortszeit, erschossen Soldaten der Bundeswehr zwei afghanische Motorradfahrer; ein dritter wurde verletzt. Sie hätten an einer Straßensperre am Anschlagsort Warnschüsse und Stoppzeichen missachtet, die mit einer Signalpistole abgegeben worden seien, erklärte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Freitag in Berlin. Die genauen Umstände dieses Vorfalls würden weiter untersucht, wie auch sonst vieles am Ablauf des Angriffs einen Tag danach noch unklar war.

          Afghanistan : Zeugen schildern Anschlag auf deutsches Konsulat

          Nach Angaben Shukrallahs waren die beiden erschossenen Motorradfahrer in der Stadt bekannt: „Einer arbeitete in einer Bäckerei, der andere in einem Hochzeitssaal.“ Der Vorfall habe sich nicht in unmittelbarer Nähe des Konsulats, sondern an einem nahegelegenen Verkehrskreisel ereignet. Mit den beiden Motorradfahrern stieg die Zahl der bei den Anschlag getöteten Zivilisten auf mindestens sechs. Zudem wurden fast 130 Menschen verletzt. Deutsche seien nicht zu Schaden gekommen, teilte am Freitag in Berlin Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit, der den Krisenstab des Auswärtigen Amtes einberufen hatte. Er übermittelte den Angehörigen der Toten und Verletzten sein „tiefes Mitgefühlt“ und dankte, wie auch von der Leyen, den Sicherheitskräften. Das Auswärtige Amt teilte mit, das Konsulatsgebäude sei „erheblich beschädigt“.

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