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Aktualisiert: 26.07.2016, 23:43 Uhr

Anschlag in Nordfrankreich Attentat mit Fußfessel

Einer der Täter in der Kirche ist zweimal daran gescheitert, nach Syrien zu reisen. Nicht nur den französischen Behörden war er schon bekannt, bevor er in der Normandie morden konnte.

© dpa Trauer in Saint-Etienne-du-Rouvray, nahe Rouen, wo ein Priester ermordet wurde.

Frankreich kommt nicht zur Ruhe. Keine zwei Wochen nach dem Attentat von Nizza sind zwei Angreifer am Dienstag während der Morgenmesse in ein katholisches Gotteshaus in der Normandie eingedrungen. Sie nahmen Geiseln, verwundeten einen 85 Jahre alten Jahre alten Priester mit dem Messer tödlich an Hals und Brustkorb, ein Gemeindemitglied wurde schwer verletzt.

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) reklamierte die Tat über ihr Sprachrohr Amak für sich. Die Täter wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft erschossen, als sie sich mit dem Ruf „Allahu akbar“ (Gott ist groß) auf Polizisten vor der Kirche in der Nähe von Rouen stürzten.

Einer der Attentäter war den Behörden bekannt: Adel Kermiche stand in einem laufenden Ermittlungsverfahren wegen Terrorverdachts unter Aufsicht der Justiz und trug eine elektronische Fußfessel. Er hatte 2015 zweimal versucht, nach Syrien zu reisen. Er wurde einmal in Deutschland, einmal in der Türkei gestoppt und festgenommen. In Frankreich kam er daraufhin in Untersuchungshaft, wurde aber im März entlassen und durfte sein Haus nur zu bestimmten Zeiten verlassen – auch zur Tatzeit. Die Identifizierung des zweiten mutmaßlichen Terroristen sei noch nicht abgeschlossen, sagte Molins.

© Reuters, reuters Geiselnehmer in der Normandie trug Fußfessel

„Er hat die ganze Zeit von dem Anschlag erzählt“

„Wir wussten, dass er nach Syrien gehen wollte“, berichtete ein Nachbar von Kermiches Familie, die im nahe Rouen gelegenen Saint-Etienne-du-Rouvray lebt – in der Kleinstadt also, in der sich die Bluttat ereignete. In der Moschee habe er den jungen Mann nie gesehen, sagte der 60-Jährige der Nachrichtenagentur AFP. Im Radiosender RTL sagte ein Jugendlicher, der sich als Bekannter von Kermiche ausgab, dieser habe aus Anschlagsplänen keinen Hehl gemacht. „Ich bin nicht erstaunt, er hat mir die ganze Zeit davon erzählt.“ Kermiche habe vom Islam gesprochen – und vor zwei Monaten auch von einem Angriff auf eine Kirche. „Ich habe es nicht geglaubt, er hat immer viel erzählt.“

Die Radikalisierung des jungen Mannes dürfte nun intensiv die französischen Ermittlungsbehörden beschäftigen, ebenso wie die Frage nach weiteren Komplizen und Hintermännern. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Ob es konkrete Hinweise auf Kontakte der Täter zum IS gibt, sagten die Ermittler nicht. Nach Angaben von Staatsanwalt François Molins hatten die Angreifer Sprengstoffattrappen, Messer und eine Pistole bei sich.

Priest killed in church attack near Rouen © dpa Vergrößern Tatort Kirche: Im Norden von Frankreich wurde bei einem Terroranschlag ein 84 Jahre alter Priester getötet.

Hollande sagte bei einem Besuch am Tatort im 29.000-Einwohner-Ort Saint-Étienne-du-Rouvray, der IS habe den Krieg erklärt. „Wir werden diesen Krieg mit allen Mitteln führen“, betonte der Staatschef. Erst vergangene Woche hatte das Parlament den nach den Pariser Anschlägen vom 13. November verhängten Ausnahmezustand um weitere sechs Monate verlängert.

Die Angreifer brachten in der Kirche zunächst sechs Menschen in ihre Gewalt. Eine Nonne konnte aber fliehen und Alarm schlagen. Der Bürgermeister des Ortes, Hubert Wulfranc, kämpfte nach dem Anschlag mit den Tränen. „Lasst uns zusammen bis zuletzt weinen und bis zuletzt aufrecht stehen gegen die Barbarei und für den Respekt für alle.“

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„Ich schreie zu Gott“, sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. Nach Ansicht von Premierminister Manuel Valls war das Ziel der Attacke, Franzosen gegeneinander aufzuhetzen und einen „Krieg der Religionen zu provozieren“. Er rief seine Mitbürger auf, zusammenzustehen. „Unsere Antwort ist die Demokratie.“ Auch Hollande warnte: „Was diese Terroristen wollen, ist uns zu spalten.“

Steinmeier: „Wir werden unsere Werte nicht aufgeben“

Papst Franziskus verurteilte die Geiselnahme als „sinnlose Gewalt“. „Wir sind besonders betroffen, weil diese entsetzliche Gewalt mit der barbarischen Ermordung eines Priesters und mit der Beteiligung von Gläubigen in einer Kirche stattgefunden hat, einem heiligen Ort, wo die Liebe Gottes verkündet wird“, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: „Der fanatische Hass macht jetzt noch nicht einmal Halt vor Gotteshäusern und Gläubigen“. Deutschland bleibe entschlossen, gemeinsam mit seinen Partnern dem Terrorismus die Stirn zu bieten. „Wir werden unsere Werte, unsere Freiheit und unsere Art zu leben, nicht aufgeben.“

Frankreich war in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder das Ziel schwerer Anschläge. Zuletzt tötete ein 31 Jahre alter Tunesier 84 Menschen, als er am Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf dem Strandboulevard von Nizza raste. Die Polizei erschoss den Mann. Im Frühjahr 2015 hatten die Sicherheitsbehörden nach offiziellen Angaben bereits einen geplanten Anschlag auf eine Kirche vereitelt. Damals wurde ein 24-jähriger Student verhaftet.

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