20.12.2007 · Nach Jacob Zumas Sieg im Kampf um die ANC-Führung gilt der amtierende Präsident Thabo Mbeki schon als „lahme Ente“. Dem Land steht nun ein Linksruck ins Haus. Zuma selbst droht zunächst jedoch eine Korruptionsklage.
Von Thomas Scheen, PolokwaneRichtlinien für Lesermeinungen
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Ob es uns als weisser Minderheit gefaellt oder nicht: das Land hat eine demokratisch gewaehlte Regierung und Demokratie ist die Macht der Masse! Die Spielregeln in Afrika sind anders, als in anderen Teilen der Welt insofern, als alles, was es im politischen Spiel ueberall gibt, in Afrika wie unter einem Vergroesserungsglas stattfindet. Das groesste Problem sind immer noch die ungebildeten Massen. Das ist nicht nur die Schuld der Apartheid-Aera, sondern auch die Unfaehigkeit der bisherigen Regierung, das zu aendern. Wo sollen bei ungebildeten und nicht ausgebildeten Menschen Arbeitsethos und Produktivitaet herkommen, wenn gleichzeitig Hungerloehne gezahlt werden? Wo sind dann Zukunftschancen? Das Problem der Kriminalitaet in den Ballungszentren zeigt eine aehnliche Ausweglosigkeit, wie bei den jugendlichen Migranten in Europa. Wir haben als Europaeer kein Recht, mit dem Finger auf Suedafrika zu zeigen, solange wir unsere eigenen gleichgelagerten Probleme nicht geloest haben. Trotz der Ausweglosigkeit vieler Menschen ist die Wahlbeteiligung hier viel hoeher, als in Europa. Gebt ihnen eine Chance und macht von aussen Druck auf die Fuehrungselite.
Südafrika auf dem Weg nach Afrika
Es ist wahrhaft traurig feststellen zu müssen, wie dieses Land seit dem Machtantritt des ANC 1994 immer mehr heruntergewirtschaftet wird. Korruption, Vetternwirtschaft, Kriminalität und eine Art umgekehrter Apartheid haben sich explosionsartig ausgebreitet. In jeder Beziehung wird das Land dem übrigen Schwarzafrika ähnlicher. Nur der Tatsache, dass Südafrika lange Zeit von der auch vom Westen boykottierten und verteufelten weissen Minderheit geführt worden ist, hat das Land doch seine bis jetzt noch herausgehobene Position auf dem Kontinent zu verdanken. Aber man ist ja schon längst dabei, das alles zu verspielen und Herr Zuma scheint da kaum derjenige zu sein, der dies zu stoppen imstande ist. Das Beispiel des unglücklichen Zimbabwe-Rhodesien sollte eigentlich zeigen, welchen Preis die Herrschaft ehemaliger "Freiheitshelden" ein einst blühendes Land kosten kann, aber so lange diese nur schwarz sind, ist das natürlich kein Grund zur Aufregung.
Korruption ist Verbrechen aber Apparteid ist Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Es ist Höchstzeit, die Verbrechen des Apparteidsregimes und die Apparteidsverbrecher vor Gericht zu stellen.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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