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Amerikas Botschafter in Berlin : Grenell verteidigt umstrittene Iran-Äußerung

  • Aktualisiert am

Amerikas neuer Botschafter in Deutschland Richard Grenell will weiter Klartext reden. Bild: dpa

Amerikas neuer Botschafter in Deutschland hat deutsche Unternehmen aufgefordert, ihre Geschäfte mit Iran zu beenden. Sein Aufruf sorgt für Aufregung. Nun äußert sich Grenell abermals.

          Amerikas neuer Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat seine viel kritisierte Twitter-Botschaft verteidigt, in der er den Rückzug deutscher Unternehmen aus  Iran gefordert hatte. „Wollen Sie mit einer Bedrohung Geschäfte machen?“, fragte Grenell in der „Bild“-Zeitung vom Freitag. „Dann sollen bitte alle Firmenchefs, die das wollen, jetzt aufstehen und sagen: ’Wir wollen mit den Mullahs Geschäfte machen’“, fügte er hinzu. Amerikas Präsident Donald Trump hält er in Deutschland derweil für unverstanden.

          Kurz nach der Entscheidung Trumps über amerikanischen Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran und der Wiedereinsetzung von Sanktionen gegen das Land hatte Grenell am Dienstag in einer Twitter-Botschaft deutsche Firmen unverblümt aufgefordert, ihr Iran-Geschäft „sofort“ herunterzufahren. Am selben Tag hatte er seinen Posten als amerikanischer Botschafter in Berlin angetreten.

          Den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben) sagte Grenell zur Kritik an seinem Tweet: „Ich habe einen anderen Stil. Da will ich ganz ehrlich sein“. Er hob hervor: „Diplomat zu sein, bedeutet für mich, Klartext zu sprechen – gerade gegenüber Freunden.“

          Sein Tweet sei „kein Befehl, keine Anweisung“ gewesen, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Natürlich“ sei „jedes Land souverän“ und könne „für sich selbst über Sanktionen entscheiden“. Andererseits sagten Deutschland, Frankreich und Großbritannien aber selbst, dass Iran eine Bedrohung darstelle.

          Den Funke-Blättern sagte Grenell, er sei gegen Gruppendenken in der Diplomatie. „Wenn man Krieg vermeiden will, verfügt man besser über Diplomaten, die bereit sind, hart zu sein“, fügte er hinzu. „Das ist meine Aufgabe. Ich möchte nicht scheitern.“

          Die Vereinigten Staaten seien sich mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien einig, dass Iran ein Problem darstelle. Das Atomabkommen sei „viel zu schwach“, betonte Grenell. „Selbst wenn Iran sich Wort für Wort an das Abkommen hält, kann er immer noch Atomwaffen entwickeln.“ Ziel der Amerikaner sei es, „die Iraner an den Verhandlungstisch zurückbringen“, sagte Grenell der „Bild“-Zeitung. „Wir wollen, dass unsere europäischen Freunde dabei an unserer Seite sind ebenso wie Russland und China.“

          „Merkel und Trump lachen miteinander“

          Grenell sagte überdies, er halte Trump in Deutschland für weitgehend unverstanden. „Donald Trump ist anders, er macht Politik anders“, sagte Grenell der „Bild“-Zeitung. „Es sagt, was er denkt, und tut, was er sagt.“ Grenell betonte, Trump sei kein Ideologe. „Wenn Trump wirklich ein konservativer Ideologe wäre, wie es so oft heißt, hätte ich diesen Posten hier nicht. Ich bin homosexuell“, sagte der Botschafter.

          Er trat in der Zeitung zugleich Andeutungen entgegen, das Verhältnis zwischen dem Präsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei kühl. „Ich habe die Kanzlerin mit dem Präsidenten verhandeln sehen“, sagte Grenell. Merkel sei „eine großartige Verhandlerin, sehr effektiv und sehr einflussreich in Europa. Die beiden lachen miteinander, und der Präsident hat ihr seine privaten Räume im ersten Stock des Weißen Hauses gezeigt. Soweit ich weiß, war sie da noch nie vorher“, sagte Grenell mit Blick auf den jüngsten Besuch Merkels in Washington.

          Röttgen: Ohne die Amerikaner geht es nicht

          Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sieht den Erhalt des internationalen Atomabkommens mit Iran nach dem Rückzug der Vereinigten Staaten skeptisch. „Ohne die Amerikaner geht es nicht“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Wenn Iran dabei bleibe, werde er wirtschaftliche Gegenleistungen von den Europäern verlangen, was diese nicht leisten könnten.

          „Und am Ende ist es auch eine Unternehmensentscheidung. Wenn sich europäische Firmen zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Markt entscheiden müssen, wird den meisten der amerikanische Markt wichtiger sein.“

          Iran spielt für Deutschland wirtschaftlich eine vergleichsweise kleine Rolle: Der Wert der Warenexporte in betrug 2017 drei Milliarden Euro. Das entspricht 0,2 Prozent der deutschen Ausfuhren.

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