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Veröffentlicht: 19.06.2017, 22:50 Uhr

Amerikanischer Student Otto Warmbier nach Haft in Nordkorea gestorben

Der amerikanische Student Otto Warmbier, der vor wenigen Tagen aus einer 17 Monate dauernden Haft in Nordkorea zurückgekehrt war, ist tot. Donald Trump macht das kommunistische Regime verantwortlich.

© AP Otto Warmbier im März 2016 in Pjöngjang

Der amerikanische Student Otto Warmbier, der vor wenigen Tagen aus einer 17 Monate dauernden Haft in Nordkorea zurückgekehrt war, ist tot. Das teilte seine Familie am Montag in einem Statement mit.

Der 22-Jährige hatte nach Darstellung von Ärzten schwere Hirnschäden erlitten und war im Wachkoma liegend in die Vereinigten Staaten zurückgebracht worden. Er konnte zwar die Augen öffnen und blinzeln, es gab aber keine Anzeichen, dass er auf Sprache oder non-verbale Aufforderungen reagieren konnte. "Wir konnten seine Stimme nicht mehr hören", heißt es in der Stellungnahme der Eltern. Jedoch hätten sich seine Gesichtszüge am Tag nach der Heimkehr deutlich entspannt.

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Woher die gesundheitlichen Schäden rührten, ist bisher nicht abschließend geklärt. Die Führung in Pjöngjang hatte amerikanischen Diplomaten gegenüber angegeben, Warmbier sei in der Haft in Nordkorea an Botulismus erkrankt - einer schweren Nahrungsmittelvergiftung. Er habe eine Schlaftablette eingenommen und sei nicht mehr aufgewacht.

Die amerikanische Seite zweifelt diese Darstellung an. Nach Meinung von Medizinern könnten die Schädigungen im Hirn von einem Sauerstoffentzug stammen. Hinweise auf ein Trauma, etwa durch Schläge auf den Kopf, hätten sich zunächst nicht gefunden.

© dpa, reuters Von Nordkorea freigelassener Otto Warmbier gestorben

Die Eltern weisen die Schuld am Tod ihres Sohnes direkt Nordkorea zu. "Leider ließen die furchtbaren, qualvollen Misshandlungen unseres Sohnes durch die Nordkoreaner keinen anderen Ausgang zu als den traurigen, der sich heute ereignet hat", heißt es in der Stellungnahme.

Auch der amerikanische Präsident Donald Trump macht Nordkorea verantwortlich. „Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Neue die Brutalität des nordkoreanischen Regimes, während wir dessen jüngstes Opfer betrauern“, heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Den Eltern sprach Trump sein Mitgefühl aus.

© Twitter

Warmbier war im Januar 2016 in Nordkorea festgenommen und im März zu 15 Jahren Straflager verurteilt worden. Das kommunistische Regime in Pjöngjang warf ihm Straftaten gegen den nordkoreanischen Staat vor. Konkret soll er in einem Hotel ein Plakat von der Wand genommen haben, um es zu stehlen.

Er verbrachte 17 Monate in Nordkorea, ehe er am Dienstag vergangener Woche in seine Heimat zurückgebracht wurde. Vorausgegangen waren intensive diplomatische Bemühungen von Außenminister Rex Tillerson und dem schwedischen Außenministerium, das die Interessen Amerikas in Nordkorea vertritt.

47065816 © AP Vergrößern Otto Warmbier bei seiner Ankunft am 13. Juni 2017 in seiner Heimat. Doch selbst die amerikanischen Ärzte konnten ihm nicht mehr helfen.

Die Eltern erfuhren eine Woche vor der Rückkehr, dass ihr Sohn seit fast 15 Monaten im Koma liegt. Die Begründung der nordkoreanischen Seite, er sei an Botulismus erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht, halten sie für nicht glaubwürdig. Sie erhoben schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Pjöngjang: „Die schreckliche qualvolle Misshandlung, die unser Sohn in den Händen der Nordkoreaner erdulden musste, hat leider kein anderes als dieses traurige Ende zugelassen", erklärten sie. Die Ärzte wollten nicht über die Hintergründe der Verletzungen spekulieren.

Warmbier war am Flughafen Pjöngjang kurz vor seiner geplanten Ausreise festgenommen worden. Die Tage zuvor hatte er als Tourist der Reiseagentur „Young Pioneer Tours“ das abgeschottete Land bereist. Angeblich soll er ein Plakat im „Yanggakdo“-Hotel, einem großen Hotel in der Hauptstadt, in dem vornehmlich westliche Reisende absteigen, entwendet haben, was allerdings höchst zweifelhaft ist. Ein verwackeltes Video, das die Nordkoreaner präsentierten, ließ eine Identifikation des „Täters“ gar nicht zu.

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