Home
http://www.faz.net/-gq5-14ryf
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Amerikanische Sicherheitsbehörden Amerika bereitet Schläge gegen Al Qaida vor

30.12.2009 ·  Die Vereinigten Staaten bereiten als Antwort auf den Attentatsversuch von Detroit Militärschläge gegen Al Qaida im Jemen vor. Zuvor hatte Präsident Obama den eigenen Sicherheitsbehörden verheerende Fehler vorgeworfen.

Artikel Bilder (2) Video Lesermeinungen (22)

Die Vereinigten Staaten bereiten als Antwort auf den Attentatsversuch von Detroit Militärschläge gegen Al Qaida im Jemen vor. Der Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf Angaben von Regierungsbeamten, amerikanische Militärs seien schon dabei, Ziele für Luftangriffe zu erkunden. Demnach planen die Vereinigten Staaten „Vergeltungsschläge“. Die Ausspähung der Ziele geschehe schon seit längerer Zeit, sei jetzt aber in Zusammenarbeit mit jemenitischen Behörden verstärkt worden. Es hieß, die Militärs wollten vorbereitet sein und Optionen vorlegen können, falls Präsident Obama den Befehl für einen Angriff erteilen sollte.

Nach dem vereitelten Anschlag auf ein amerikanisches Flugzeug hat der amerikanische Präsident Barack Obama ein Scheitern der staatlichen Sicherheitssysteme eingestanden. Die „katastrophalen“ Sicherheitsmängel seien „vollkommen inakzeptabel“, sagte Obama am Dienstag an seinem Urlaubsort auf Hawaii. Offenbar unterliefen den amerikanischen Geheimdiensten schwere Pannen im Umgang mit Warnungen des Vater des verhinderten Attentäters.

Menschliches Versagen und Fehler im System hätten dazu geführt, dass der 23 Jahre alte Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab am Freitag mit hochexplosivem Sprengstoff an Bord eines Flugzeuges nach Detroit gelangt sei, sagte Obama. „Es scheint, dass diese Information vor Wochen einer Abteilung unserer Geheimdienste mitgeteilt, aber nicht effizient weitergeleitet wurde.“ Andernfalls hätte der Anschlagsversuch verhindert werden können.

„Wir müssen aus diesem Vorfall lernen und schnell handeln, um die Fehler in unserem System zu beheben“, sagte Obama. Der Präsident hatte schon zuvor zwei Untersuchungen angeordnet, die herausfinden sollen, warum gegen Abdulmutallab trotz der Warnungen kein Flugverbot verhängt wurde und wie der Nigerianer den Sprengstoff an Bord der Maschine schmuggeln konnte. Erste Ergebnisse sollten Obama bis Donnerstag präsentiert werden.

Abdulmutallab war auf einer amerikanischen Liste von mehr als einer halben Million potentiellen Terror-Verdächtigen geführt worden. Sein Vater, ein früherer nigerianischer Minister, war nach eigenen Angaben so besorgt über die radikalen Ansichten seines Sohnes, dass er die Botschaft in Abuja und die nigerianischen Behörden gewarnt hatte.

Auch die CIA war gewarnt

Der Nachrichtensender CNN berichtete am Dienstag, der Vater habe auch den amerikanischen Geheimdienst CIA gewarnt. Ein CIA-Agent in Nigeria habe nach einem Gespräch mit dem Vater einen Bericht über die radikalislamischen Überzeugungen Abdulmutallabs angefertigt. Der Bericht sei an die CIA-Zentrale im amerikanischen Langley geschickt, anschließend aber nicht ausreichend innerhalb der verschiedenen amerikanischen Geheimdiensten verbreitet worden.

Ein ranghoher amerikanischer Beamter, der namentlich nicht genannt werden wollte, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass die amerikanische Regierung bereits vor Weihnachten Informationen über Abdulmutallab und seine Pläne gehabt habe. Die Informationen hätten zudem auf eine Verwicklung Al Qaidas hingedeutet. Obama habe allerdings erst am Dienstag von der Existenz der Hinweise erfahren. Die oppositionellen Republikaner hatten Obama wegen seines Krisen-Managements in den vergangenen Tagen scharf angegriffen.

Abdulmutallab hatte am Freitag versucht, ein Flugzeug beim Landeanflug auf Detroit mit Hilfe des Sprengstoffs PETN in die Luft zu sprengen. Dabei setzte er seine Kleidung in Brand und wurde anschließend von Passagieren überwältigt. Abdulmutallab hielt sich bis zuletzt im Jemen auf und wurde nach eigenen Angaben in einem Trainingslager von Al Qaida ausgebildet. Al Qaida bezichtigte sich am Montag, den Anschlag geplant zu haben. (Siehe auch: Al Qaida bezichtigt sich: „Vergeltung für amerikanische Aggression“). Zugleich mehren sich Hinweise, dass das Attentat von langer Hand im Jemen geplant wurde, möglicherweise unter Beteiligung ehemaliger Guantánamo-Häftlinge. (Siehe auch: Sender: Anschlagsplaner saßen in Guantánamo)

Dagegen meinten jemenitische Sicherheitsorgane, sie hätten über Terror-Kontakte des Nigerianers keine Kenntnis gehabt. „Der Jemen hat über diese Person keine Informationen erhalten, und sie stand auch auf keiner der Terrorlisten, die den jemenitischen Behörden (von den Vereinigten Staaten) übermittelt wurden“, sagte Informationsminister Hassan al-Lausi in Sanaa.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Blumen für Athen

Von Michael Martens

Wer glaubt, künftige Athener Regierungen könnten oder wollten die Sparvorgaben einhalten, hat Griechenland nicht verstanden. Auch künftige Regierungen werden scheitern. Denn die griechischen Strukturen sind, wie sie sind. Mehr 19 76