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Amerikanische Affären Unter Generalverdacht

 ·  Kokett oder korrupt? Isaf-Kommandeur Allen ist im Zuge der Ermittlungen um den CIA-Direktor Petraeus in den Affärensog geraten. Im Mittelpunkt der bizarren Enthüllungen steht auch die Frage: Welche Rolle spielt ihre gemeinsame Bekannte Jill Kelley?

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Wer ist Jill Kelley aus Tampa in Florida? Ist sie die engagierte Arztfrau und Mutter dreier Kinder, die sich in ihrer Freizeit um die Belange der auf der MacDill-Luftwaffenbasis stationierten Soldaten kümmert? Ist sie die Partykönigin und Chefunterhalterin für die Offiziere des Stützpunkts und des dort angesiedelten Zentralkommandos der amerikanischen Streitkräfte? Oder ist sie nur eine überschuldete Aufschneiderin, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Stiftung für Krebskranke gegründet hat, um deren Spendeneingänge dann vor allem für Reise- und Autokosten auszugeben, ehe die Stiftung pleite ging?

Diese Fragen beschäftigen die Amerikaner, seit bekannt wurde, dass sowohl der wegen einer Sexaffäre demissionierte CIA-Direktor und ehemalige Kommandeur der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (Isaf), Heeres-General David Petraeus, als auch dessen Nachfolger in Kabul, Marinekorps-General John Allen, regen persönlichen und E-Mail-Kontakt zu Jill Kelley pflegten.

Präsident Barack Obama und Verteidigungsminister Leon Panetta haben dem 58 Jahre alten Allen zwar den Rücken gestärkt. Er werde die Isaf weiter kommandieren, hieß es am Mittwoch. Allen mache in Afghanistan einen „exzellenten Job“ und genieße nach wie vor sein Vertrauen, sagte Panetta. Aus dem Weißen Haus hatte es schon vorher geheißen, der Präsident habe weiterhin „eine sehr hohe Meinung von General Allen“. Doch der Senat verschob die Anhörung zu Allens Nominierung als neuer Nato-Oberkommandeur in Europa (Saceur) und Kommandeur der amerikanischen Truppen in Europa. Erst müssten die Vorwürfe geklärt werden, sagte Panetta. Obama stimmte dem Aufschub zu.

Auf seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Wiederwahl bekräftigte Obama am Mittwoch im Weißen Haus, er habe bisher auch keine Anhaltspunkte dafür, dass Petraeus vertrauliche Informationen weitergegeben und so die nationale Sicherheit gefährdet haben könnte.

Soll Allen vollständig rehabilitiert werden, um seinen Posten in Europa als Nachfolger von Admiral James Stavridis doch noch wie geplant im kommenden Frühjahr anzutreten? Oder geht es für den General nur noch um einen stillen Abgang nach dem Ablauf seines Mandats in Afghanistan Anfang 2013? Bisher scheint die Untersuchung des 20000 bis 30000 Seiten umfassenden Schriftverkehrs von John Allen und Jill Kelley zwischen 2010 und 2012 offenbar keine Hinweise auf eine Affäre erbracht.

Es stellt sich freilich die Frage, was ein General einer Privatperson, die sich ehrenamtlich um Soldaten kümmert und dazu den Titel einer Honorarkonsulin für Südkorea erworben hat, so fleißig mitzuteilen hat. Bisher sind angeblich bloß „kokette Mails“ gefunden worden, die nicht die Grenze zum „möglicherweise unangemessenen“ E-Mail-Verkehr überschritten haben.

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