http://www.faz.net/-gpf-74fsn

Amerikanische Affären : König David und das Batseba-Syndrom

Die Abzeichen von „König David“: Petraeus kann einen rasanten Aufstieg vorweisen Bild: REUTERS

David Petraeus ist nur einer von vielen gefallenen Helden bei Amerikas Streitkräften. Mindestens fünf Generäle wurden degradiert oder angeklagt. Die Skandale kratzen an der Verehrung der Truppen.

          Im Irak und später auch in Afghanistan gab man David Petraeus den Beinamen „König David“. Der Heeres-General setzte von 2007 an im Zweistromland und drei Jahre später am Hindukusch die von ihm wesentlich mitentwickelte Strategie zur Bekämpfung von Aufständischen durch. Eine deutliche Verstärkung der Truppen sollte es ermöglichen, die Bevölkerung vor Übergriffen der extremistischen Aufständischen zu schützen, ihre „Herzen und Seelen“ zu gewinnen und sie auf die Seite der internationalen Truppen zu ziehen.

          Matthias Rüb

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Am Ende, so das Ziel, würden Iraker und Afghanen die ausländischen Soldaten als Befreier und nicht als Besatzer betrachten und schließlich selbst die Sicherheit in ihren Ländern gewährleisten können. Für seine Dienste ist Petraeus viel gelobt worden. Er wurde als einer der besten und einflussreichsten Generäle seiner Generation gepriesen. Im September 2011 trat er seinen Posten als Direktor des Auslandsgeheimdienstes CIA an. Auf Drängen von Präsident Barack Obama hatte er sich zuvor, nach 37 Jahren in Uniform, vom Heer pensionieren lassen.

          Die Affäre mit Paula Broadwell kostete den CIA-Chef David Petraeus den Job
          Die Affäre mit Paula Broadwell kostete den CIA-Chef David Petraeus den Job : Bild: AFP

          Nach Petraeus’ Rücktritt am 9. November wegen einer Affäre mit seiner Biographin Paula Broadwell ist dem Beinamen „King David“ freilich noch eine andere Bedeutung zugewachsen. Aufstieg und Fall des Generals und CIA-Direktors werden mit der biblischen Geschichte von König David und der schönen Batseba in Verbindung gebracht. Im zweiten Buch Samuel wird erzählt, wie König David vom Dach seines Hauses Batseba, die Frau des Hethiters Urija, beim Bade betrachtet, sie zu sich bringen lässt und sie schwängert. Urija wird bald darauf von König David an die vorderste Kriegsfront geschickt, wo der Hethiter erwartungsgemäß fällt.

          Ein Einzelfall ist der Skandal nicht

          Die Heirat Davids mit der Witwe Batseba weckt aber den Zorn Gottes, der den hoffärtigen König mit dem Tod des Sohnes der Batseba bestraft. Vieles spricht dafür, dass David Petraeus mit der Geschichte von König David vertraut war – und dennoch dem Bathseba-Syndrom erlag. Ein 1993 von Dean Ludwig und Clinton Longnecker im „Journal of Business Ethics“ veröffentlichter Essay mit dem Titel „The Bathsheba Syndrome“ gehört seit Jahren zur Pflichtlektüre an den Akademien und Hochschulen für das angehende Führungspersonal der amerikanischen Streitkräfte. König David, so schreiben Ludwig und Longnecker, kam aus bescheidenen Verhältnissen und ist dank Charisma, Organisationstalent und Ehrgeiz zu beispielloser Macht aufgestiegen.

          Er verlor jedoch fast alles, weil er sich in einen „Strudel unethischer Entscheidungen“ begab: „Der gute, kluge, erfolgreiche, populäre und visionäre König David wurde zerstört, weil er sein Begehren nach etwas nicht kontrollieren konnte, das er nicht hätte begehren dürfen.“ Die Causa Petraeus hat das Interesse der Öffentlichkeit in besonderem Maße erregt, weil der Hauptakteur so prominent ist. Ein Einzelfall ist der Skandal aber beileibe nicht. Mindestens fünf Offiziere im Generalsrang wurden allein in den vergangenen zwei Wochen wegen schwerer Fehltritte degradiert, abgemahnt oder von Militärgerichten angeklagt.

          David Petraeus und seine Frau Holly im Jahr 2010. Seinen Protegés predigte Petraeus stets, Charakter zeige sich in dem, was man tue, wenn niemand zusehe
          David Petraeus und seine Frau Holly im Jahr 2010. Seinen Protegés predigte Petraeus stets, Charakter zeige sich in dem, was man tue, wenn niemand zusehe : Bild: REUTERS

          Dabei sind Petraeus, der seine Affäre erst nach seiner Pensionierung vom Heer begonnen haben will, und der Marinekorps-General und Afghanistan-Kommandeur John Allen, der ebenfalls in den Petraeus-Fall verwickelt ist, noch gar nicht mitgerechnet. Verteidigungsminister Leon Panetta hat am Donnerstag eine interne Untersuchung in Auftrag gegeben, um die Ursachen der Skandalwelle aufzudecken; deren Ergebnisse sollen dem Weißen Haus bis zum 1. Dezember vorgelegt werden.

          Weitere Themen

          Soldaten-Witwe empört über Trumps Verhalten Video-Seite öffnen

          Kondolenzanruf : Soldaten-Witwe empört über Trumps Verhalten

          Die Witwe des in Niger gefallenen amerikanischen Soldaten La David Johnson ist verärgert über den Kondolenzanruf von Donald Trump. Er habe sich nicht einmal richtig an den Namen ihres verstorbenen Mannes erinnern können, sagte sie in der amerikanischen Fernsehsendung „Good Morning America“.

          Eine Bühne, 5 Präsidenten Video-Seite öffnen

          Vereinigte Staaten : Eine Bühne, 5 Präsidenten

          Barack Obama, George W. Bush, dessen Vater George, Bill Clinton und Jimmy Carter waren in College Station in Texas zusammengekommen, um gemeinsam mit Künstlern Geld zu sammeln. Damit soll den Opfern geholfen werden, die durch die verheerenden Stürme der letzten Monate geschädigt wurden, 31 Millionen US-Dollar kamen zusammen.

          Topmeldungen

          Martin Schulz (rechts) mit dem designierten SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil

          Martin Schulz unter Druck : Vorsitzender auf Abruf

          Die SPD akzeptiert die Personalpolitik ihres Vorsitzenden nur mit Zähneknirschen. Für Martin Schulz wird der Weg bis zum Bundesparteitag im Dezember steinig.

          Bundestagsvizepräsident : Der Problem-Kandidat

          Wenn der Bundestag an diesem Dienstag seine Vizepräsidenten wählt, könnte es zum Eklat kommen. Dass der AfD-Kandidat Albrecht Glaser scheitert, gilt als sicher – aber was geschieht dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.