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Veröffentlicht: 18.02.2013, 18:39 Uhr

Wahl in Ecuador Der aufbrausende Caudillo

Die große Mehrheit steht hinter ihm: 57 Prozent der Ecuadorianer stimmten für Rafael Correa. Seinen Wahlsieg widmet er Hugo Chávez. Nun will in die „Bürgerrevolution“ nach venezolanischem Vorbild weiter vorantreiben.

von , Quito
© AP Die Mehrheit stimmte für ihn: Rafael Correa (rechts) mit Vizepräsident Jorge Glass nach der Wahl

Auch am Wahlabend konnte er es nicht lassen. Kaum stand fest, dass er schon in der ersten Runde im Amt bestätigt worden war, schimpfte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa über die „merkantilistische Presse“. Die Medien, nicht etwa seine Konkurrenten im Kampf um das höchste Staatsamt, seien soeben besiegt worden. Die privaten Medien hätten auf anmaßende und dreiste Weise Partei gegen ihn ergriffen. Wenn es so war, dann ohne Erfolg: Weder der frühere Militär und ehemalige Präsident Lucio Gutiérrez noch der reichste Mann des Landes, der Bananen-Magnat Álvaro Noboa, konnte Correa gefährlich werden. Während der Präsident mit einem 57-Prozent-Ergebnis unangefochten bestätigt wurde, mussten die beiden sich mit sechs und knapp vier Prozent begnügen, viel weniger als bei der vorigen Wahl. Für den Bankier Guillermo Lasso stimmte immerhin knapp jeder vierte Wähler. Er sieht sich nun als Anführer der Opposition - aber die ist zersplittert.

Die privaten Medienunternehmen sind für Correa seit jeher ein rotes Tuch. Es vergeht kaum eine Gelegenheit, zu der er nicht auf ihnen herumhackt und androht, ihre „Lügen“ und „Exzesse“ unterbinden zu wollen. Er hat auch schon angekündigt, dass er jetzt, gestärkt durch die Wiederwahl, seinen Feldzug weiterführen werde. „Diese Revolution hält nichts und niemand auf“, versprach Correa am Wahlabend donnernd. Ähnlich wie sein Vorbild, der venezolanische Präsident Hugo Chávez, hat Correa längst begonnen, die missliebigen Medien strafrechtlich verfolgen zu lassen. Auf spektakuläre Weise hat er Urteile mit drastischen Geld- und Haftstrafen für Journalisten der Zeitung „El Universo“ wegen Meinungsartikeln erwirkt, die ihm missfallen hatten.

Die Revolution weiter vorantreiben

Correa hat seinen Wahlsieg ausdrücklich Chávez „gewidmet“. Dabei war es ein passender Zufall, dass der schwer krebskranke venezolanische Präsident ausgerechnet in der ecuadorianischen Wahlnacht aus Kuba nach Caracas zurückgekehrt ist. Ähnlich wie sein Idol nach erfolgreichen Wahlschlachten seine Revolution zu „vertiefen“, das heißt zu radikalisieren pflegte, dürfte auch Correa nun seine „Bürgerrevolution“ weiter vorantreiben. Doch Ecuador ist nicht Venezuela, und auch zwischen Correa und Chávez gibt es bedeutsame Unterschiede. Correa ist immerhin Wirtschaftswissenschaftler; er weiß, wovon er spricht, wenn er seine wirtschaftlichen Pläne entwickelt. Eines der erklärten Ziele seiner künftigen Politik besteht darin, vom bloßen Export von Rohstoffen abzurücken, die Industrialisierung zu fördern und den Dienstleistungssektor zu stärken. Zugleich will er das Bildungswesen ausbauen, um die Wirtschaft mit besser ausgebildeten Fachkräften international konkurrenzfähiger zu machen. Schließlich plant er eine stärkere Dezentralisierung der staatlichen Dienstleistungen, um für seine „Bürgerrevolution“ auch mehr Bürgernähe zu erreichen.

So heißt es jedenfalls. Doch in den ersten sechs Jahren seiner Präsidentschaft ist Correa mit diesem Programm nicht recht vorangekommen. Nicht selten steht sich der Präsident mit seiner aufbrausenden Art selbst im Weg; Feinde hat er selbst im eigenen Lager zuhauf. Sein Mentor und früherer Freund, Alberto Acosta, trat am Sonntag sogar mit einer eigenen Partei bei der Wahl an. Als Kandidat scheiterte er zwar kläglich, aber mit seiner Kritik könnte er den Präsidenten getroffen haben: Correa, so Acosta, sei zu einem „autoritären Caudillo“ geworden, der die Eingeborenen und die Gewerkschaften betrogen habe. Außerdem wirft Acosta dem Präsidenten vor, ein Dutzend ehemaliger Verbündeter „aussortiert“ und Hunderte von Beamten entlassen zu haben, um Vertrauensleute an ihre Stelle zu setzen. Zu denen zähle sein alter Gefolgsmann Jorge Glas, der nun zum Vizepräsidenten aufsteigt.

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