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Venezuela : Frontmann

Es zeugt von Wirklichkeitssinn, dass der amerikanische Präsident Obama nur zu „konstruktiven Beziehungen“ mit Venezuela aufgerufen hat. Chávez’ Erben werden nicht so bald vom antiimperialistischen Kurs abweichen.

          Der Vorwurf seines designierten Nachfolgers, hinter Hugo Chávez’ Krebserkrankung steckten Venezuelas „historische Feinde“, lies: die Vereinigten Staaten, spricht Bände. Wer derlei Verschwörungsvorwürfe öffentlich äußert - zur Mobilisierung der Anhänger in Zeiten der Trauer - und womöglich selbst daran glaubt, der ist nicht wirklich an einer Verbesserung des zweifellos schlechten politischen Verhältnisses zwischen beiden Ländern interessiert.

          Und es zeugt von Wirklichkeitssinn, dass der amerikanische Präsident Obama zu nicht mehr als zu „konstruktiven Beziehungen“ aufgerufen hat, in der Erwartung, dass Chávez’ Erben von dessen ebenso populärem wie ideologischem Kurs, verziert mit antiimperialistischen Ornamenten und beschallt von ebensolcher Propaganda, nicht so bald abweichen werden. Schließlich galten die Nachrufe von Moskau bis Teheran einem Mann, der in der Zurückdrängung des amerikanischen Einflusses in der Region und darüber hinaus seine Mission sah.

          Antiamerikanische Reflexe

          Hugo Chávez, der gewählte, aber autoritär sich gebärdende Linkspopulist, war insofern erfolgreich, als es ihm gelang, mit anderen linksgerichteten Regierungen und den Altkommunisten in Kuba eine Front aufzumachen gegen Washington, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft. Die „Bolivarianische Allianz für Amerika“ war sein Werk und Instrument; unter der Führung des Ölexporteurs Venezuela fanden der Antiamerikanismus und der Kampf gegen die bestehende globale Ordnung eine neue Bühne. Dafür öffnete er die Tür zur Region für ein Regime wie das iranische, in dem er einen verlässlichen Verbündeten gegen die Vereinigten Staaten sah. Chávez’ Bedeutung und Einfluss, der in Europa wegen seiner irrlichternden Auftritte oft verkannt worden ist, zeigen sich auch darin, dass sein Populismus in Lateinamerika ankam.

          Ein Teil dieser Resonanz ist antiamerikanischer Reflex, einen Teil davon haben sich die Vereinigten Staaten selbst zuzuschreiben. Die Linke in der Region sah in ihm jedenfalls eine neue Galionsfigur, wurde von ihm quasi wiederbelebt. Dass der „Sozialismus im 21. Jahrhundert“ im eigenen Land wenig oder gar keine Früchte getragen hat, tat seinem (Nach-)Ruf als „großer Lateinamerikaner“ offenbar keinen Abbruch. Was davon bleibt, wird sich jetzt zeigen. Eigentlich ist die Zeit über Revolutionsklamauk hinweggegangen. Ist ein Neuanfang doch möglich?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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