Obwohl die Verfassung eindeutig eine weitere Wiederwahl in Folge untersagt hatte, ertrotzte sich Venezuelas Präsident Hugo Chávez mit einem Referendum die Möglichkeit, sich im vergangenen Oktober für eine weitere Amtszeit wählen zu lassen. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass er die Wahl zwar haushoch gewann, doch wegen seiner Krebserkrankung nicht einmal den Eid leisten konnte, um die neuerliche Amtszeit zu beginnen. Der Tod hat ihm nun endgültig die Möglichkeit genommen, bis 2019 oder gar bis 2031, wie er kühn prophezeit hatte, zu regieren.
Chávez hat sich während der 13 Jahre, in denen er im Präsidentenpalast Miraflores in Caracas herrschte, den gesamten Staat gefügig gemacht. Systematisch hob er die Gewaltenteilung auf, verschaffte sich Zugriff auf die Justiz und gab sogar das Strafmaß bei manchen Urteilen vor. Er baute sich einen eigenen Medienapparat auf und maßregelte kritische Medien. Die PdVSA, den staatlichen Erdölkonzern, machte er zur Melkkuh. Aus den Gewinnen des Ölgeschäfts finanzierte er seine „Missionen“ oder auch Regierungen anderer Länder, denen er seinen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ angedient hatte. Von Transparenz bei den Staatseinnahmen und –ausgaben keine Spur.
Pech und Schwefel
Chávez’ großes Verdienst war es allerdings, den von früheren Regierungen vernachlässigten oder gar nicht wahrgenommenen Armenschichten zu Selbstachtung und Zugang zu Bildungseinrichtungen und medizinischer Versorgung verholfen zu haben. Der Preis, den seine Anhänger dafür zu entrichten hatten, war absolute Loyalität, inklusive der Bereitschaft, die Liturgie eines fast religionsartigen „chavistischen“ Kultes mitzumachen.
Noch folgenreicher war, dass Chávez die wirtschaftliche Stabilität und Produktivität seinem populistischen Eifer opferte. Zudem wurde Venezuela während seiner Herrschaft zu einem Land mit einer der höchsten Kriminalitätsraten der Erde. In den meisten Staaten, die sich seiner „bolivarischen Revolution“ in unterschiedlicher Intensität angeschlossen haben, zeigten sich sehr bald ähnliche Fehlentwicklungen.
Nahezu unerreichbar bleiben indes Chávez’ Auftritte als Redner, Volkstribun und Alleinunterhalter, die den Anekdotenschatz lateinamerikanischer Politik erheblich bereichert haben. Unvergessen etwa seine Rede vor den UN, bei der er schnüffelnd bemerkte, es rieche noch immer nach Schwefel, „weil der Teufel gerade hier war“: Vor ihm hatte der damalige amerikanische Präsident Bush, sein Lieblingsfeind, geredet.
Der Weg zur Hölle:
Hans-Jürgen Steffens (McCauley)
- 06.03.2013, 19:55 Uhr
"...und gab sogar das Strafmaß bei manchen Urteilen vor..."
Hans-Jürgen Steffens (McCauley)
- 06.03.2013, 19:49 Uhr
600 Jahre Ausbeutung durch ausländische Räuber, das ist Südamerika
joachim tarasenko (truthful)
- 06.03.2013, 19:48 Uhr
Ja, was der Chávez alles verbrochen hat
gisbert heimes (gisbert4)
- 06.03.2013, 18:08 Uhr
Ein recht einseitiger Kommentar als Nachruf zum Tode von Präs.
Chavez, oder?
Heinrich Seneca (Hadrian55)
- 06.03.2013, 17:21 Uhr
