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Tanja Nijmeijer Das hübsche Gesicht der Guerrilla

Tanja Nijmeijer kommt aus den Niederlanden - und kämpft im kolumbianischen Dschungel an der Seite der Farc. Nun wird verhandelt - und die Europäerin umgarnt die Weltöffentlichkeit.

© dpa Vergrößern Tanja Nijmeijer mit Farc-Führungsmann Luciano Marin Arango (links) in Havanna

Bei den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerrilla-Organisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) in Havanna geben sich beide Seiten optimistisch. Dabei haben die staatlichen Sicherheitskräfte nicht nachgelassen, die Guerrilla zu verfolgen, und die Farc haben kürzlich ihre einseitig verkündete „Waffenruhe“ beendet. Mit der Entführung von zwei Polizisten demonstrierte die Guerrilla kurz darauf, dass sie der Gewalt nicht abgeschworen hat. Inzwischen hat sie jedoch angekündigt, die Geiseln freizulassen. Der Farc-Unterhändler Rodrigo Londoño alias Timochenko versicherte, dass die Gespräche auf „normale Weise“ weitergingen und dass sich niemand vom Verhandlungstisch zurückgezogen habe.

Über den Inhalt der Gespräche wird nur wenig bekannt. Als kommunikativ hat sich allerdings das einzige nichtkolumbianische Mitglied der Guerrilla-Delegation, die Niederländerin Tanja Nijmeijer, erwiesen. In letzter Minute hatten die Farc sie mit nach Havanna genommen. Sie sollte wohl der Gruppe der aus dem Urwald nach Kuba gereisten Unterhändler etwas Glanz verleihen, gleichsam als Guerrillera mit menschlichem Antlitz. Sie gibt die weltläufige Intellektuelle, die den Geiselnehmern und Drogenhändlern internationale Reputation verschaffen soll. Sie ist sprach- und redegewandt, beherrscht außer dem Niederländischen auch Spanisch und Englisch perfekt und gilt deshalb als Dolmetscherin der Farc.

Die Regierung in Bogotá stimmte erst nach längerem Zögern ihrer Teilnahme am Friedensdialog zu. Das war einer der Gründe, weshalb der Beginn der Verhandlungen Mitte November in Havanna hinausgeschoben wurde. Eillen, Eileen oder Alexandra, wie Tanja Nijmeijer in Guerrilla-Kreisen auch heißt, begegnet Reportern betont freundlich und entgegenkommend. Sie trägt keine Uniform, sondern kleidet sich beinah vornehm und trägt Schmuck. Wenn sie allerdings nach Kampfmethoden der Guerrilla gefragt wird oder danach, ob sie selbst an Gewaltakten beteiligt war, ist es mit der Freundlichkeit vorbei.

Arrogant, sexistisch und stumpfsinnig

Kürzlich fragte die BBC-Journalistin Sarah Rainsford die Guerrillera, warum jemand wie sie aus einer europäischen Demokratie glaube, dass die Anwendung von Gewalt die Lösung für die kolumbianischen Probleme sei und warum sie sich nicht stattdessen einer Wohltätigkeitsorganisation angeschlossen habe. Tanja Nijmeijer antwortete, sie habe sich nicht für die Gewalt entschieden, sondern engagiere sich in einem Land, in dem Politik zu betreiben die Anwendung von Gewalt bedinge. In Kolumbien habe sie ihre „politische Erziehung“ erhalten. „Wir sind nun einmal eine bewaffnete Bewegung.“

Tanja Nijmeijer war nach eigenem Bekenntnis als Zwanzigjährige Ende der neunziger Jahre nach Kolumbien gekommen, um Englisch zu unterrichten. „Ich sah die Armut und war sehr überrascht. Ich begann das kapitalistische System in Frage zu stellen und alles, was mich umgab, und fühlte, dass ich etwas tun muss“, sagte sie. Auch das Leben bei den Farc warf für die junge Europäerin allerdings Fragen auf, wie ihr Tagebuch verrät: „Was ist das für eine Organisation, in der einige wenige Geld, Zigaretten und Süßigkeiten haben, und in der die anderen betteln müssen, nur um zurückgewiesen oder von den Oberen angeraunzt zu werden?“ 2007 war das Tagebuch gefunden worden, als die kolumbianischen Streitkräfte ein Farc-Lager aushoben.

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