Home
http://www.faz.net/-gq5-7hboe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.09.2013, 08:15 Uhr

NSA-Affäre Geheimdienste spähen Finanztransaktionen aus

Die amerikanischen Geheimdienste haben anscheinend den Datenverkehr des internationalen Bankennetzwerks „Swift“ ausspioniert. Auch der brasilianische Ölkonzern Petrobras war im Visier der NSA.

© dpa Das Hauptquartier der NSA im amerikanischen Fort Meade

Amerikanische Geheimdienste spähen einem Medienbericht zufolge Datenverkehr zwischen internationalen Banken sowie mehrere Firmen aus. Betroffen seien unter anderem das Telekommunikationsnetzwerk für den Interbanken-Austausch (Swift), über das viele Finanztransaktionen weltweit abgewickelt werden.

Weitere Ziele der Geheimdienste waren die Firmennetzwerke von Google und dem staatlichen brasilianischen Ölkonzern Petrobras, berichtete der brasilianische TV-Sender Globo unter Berufung auf Dokumente des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden. Auch Netze des französischen Außenministeriums seien angezapft worden. Der Sender berief sich auf NSA-Präsentationen vom Mai 2012, mit denen neue Agenten für das Ausspähen von Unternehmen geschult wurden.

Der nationale Geheimdienstdirektor der Vereinigten Staaten, James Clapper, gestand ein, dass die amerikanischen Dienste Wirtschafts- und Finanzdaten sammelten. Dies ziele aber nur darauf ab, die Finanzierung von Terrorismus zu überwachen und Probleme vorherzusagen, die zu Finanzkrisen oder anderen schweren Verwerfungen am Markt führen könnten. Die beteiligten Unternehmen waren zunächst nicht zu erreichen oder lehnten Stellungnahmen ab.

In einem Globo-Interview sagte der Journalist und Snowden-Vertraute Glenn Greenwald, er verfüge über Dokumente, die „noch viel mehr Informationen über das Ausspähen von Unschuldigen, von Leuten, die nichts mit Terrorismus oder Wirtschaftsinformationen zu tun haben“ enthielten. Diese Dokumente müssten veröffentlicht werden.

Erst vor einer Woche hatte Globo aufgedeckt, dass auch E-Mails und Telefonate der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff sowie von deren mexikanischem Kollegen Enrique Peña Nieto angezapft wurden. Brasilien hat deswegen eine Entschuldigung vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama gefordert.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Safe Harbor-Nachfolger Vertrauen geht anders

Die Vorstellung eines Safe Harbor-Nachfolgers war überfällig – und doch verfrüht. Die EU-Kommission tut nur so, als seien die Daten in Amerika sicher, und spielt auf Zeit. Die europäischen Datenschützer spielen mit. Ein Kommentar. Mehr Von Fridtjof Küchemann

03.02.2016, 18:40 Uhr | Feuilleton
Oscar-Verleihung Film über Edward Snowden ist bester Dokumentarfilm

Der Streifen über den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden, der die NSA-Affäre ins Rollen brachte, hat einen Oscar für den besten Dokumentarfilm erhalten. Das Team hinter Citizen Four, Laura Poitras, Mathilde Bonnefoy und Dirk Wilutzky war nach der Preisverleihung glücklich und bewegt. Mehr

04.02.2016, 14:57 Uhr | Feuilleton
Unternehmensbesteuerung Googles deutsches Steuersparmodell

Von Hamburg auf die Bermudas – Gewinne, die der Internetkonzern mit deutschen Umsätzen erwirtschaftet, landen in der Karibik. Mehr Von Marcus Theurer

29.01.2016, 12:35 Uhr | Wirtschaft
Amerika Google und Ford verhandeln über Fertigung selbstfahrender Autos

Google testet bereits Prototypen seiner Roboterautos in den USA. Der Autohersteller Ford hinkt den Konkurrenten auf dem Gebiet bisher hinterher. Mehr

04.02.2016, 09:05 Uhr | Wirtschaft
Neuer Suchmaschinen-Chef Mehr künstliche Intelligenz für Google

Die Suchmaschine des Internetkonzerns weiß nicht nur viel. Sie soll künftig stärker von selbst dazulernen können. Das ist die neue Aufgabe von John Giannandrea. Mehr Von Roland Lindner, New York

04.02.2016, 17:52 Uhr | Wirtschaft

Gaucks Sorgen

Von Berthold Kohler

Der Bundespräsident gibt der Bundeskanzlerin immer deutlichere Hinweise auf alternative Wege in der Flüchtlingskrise. Baut er an einer Brücke für sie? Mehr 414