http://www.faz.net/-gq5-7fdpz

NSA-Affäre : Amerikanische Maildienste gehen vom Netz

Zwei namhafte E-Mail-Anbieter in Amerika haben ihre Arbeit eingestellt Bild: REUTERS

In den Vereingten Staaten haben zwei namhafte Anbieter sicherer E-Mail-Dienste ihre Arbeit eingestellt. Einen nutzte Whistleblower Edward Snowden über Jahre. Sein Besitzer macht die amerikanische Regierung für den Schritt verantwortlich.

          Ladar Levison nennt keine Namen. Aber seine Erklärung lässt nur einen Schluss zu. „Ich sehe mich gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu fällen“, schreibt der Besitzer des texanischen Dienstleisters für verschlüsselte E-Mails Lavabit auf seiner Unternehmensseite. Entweder werde er „an Verbrechen gegen das amerikanische Volk“ mitschuldig gemacht oder er müsse die Arbeit seiner Firma beenden. Der Anbieter, den Whistleblower Edward Snowden jahrelang nutzte, ist seit Donnerstag vom Netz, und das offenbar nach massivem Druck amerikanischer Behörden.

          Dem sehen sich auch andere Unternehmen ausgesetzt. Wenige Stunden nach Lavabit folgte der E-Mail-Dienstleister Silent Circle aus Maryland und stellte seinen Dienst ein. „Wir dachten, es sei besser, Kritik von unseren Kunden zu bekommen als gezwungen zu werden, sie auszuhändigen“, sagte der Chef von Silent Circle, Mike Janke, gegenüber der „New York Times.“ Die Daten der Nutzer seien bereits alle vernichtet worden und auch nicht wiederherzustellen. Allerdings verzichtete Silent Circle im Gegensatz zu Lavabit darauf, seine Internetpräsenz zu schließen. Die Webseite des Unternehmens blieb zunächst normal erreichbar.

          Das Ende der Maildienste, durch die Hunderttausende Kunden ihre Daten verlieren, erfolgte fast auf den Tag genau zwei Monate nachdem der ehemalige amerikanische Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in der Zeitung „Guardian“ seine Identität preisgegeben hatte. Snowden hatte in Folge zahlreiche Informationen über die umfangreichen Überwachungsaktivitäten des NSA veröffentlicht.

          Amerikanische Behörden schweigen

          Lavabit-Besitzer Levison ließ in seiner Mitteilung am Freitag durchblicken, seit sechs Wochen unter Druck zu stehen. Er dürfe jedoch nicht darüber sprechen, was sich in diesem Zeitraum ereignet habe, so Levison. Zudem warnte er seine Kunden davor, zu anderen namhaften E-Mail-Anbietern zu wechseln. Solange es keine klaren Aktionen des amerikanischen Kongresses oder der Justiz dazu gebe, könne er nur jedem dringend abraten, privaten Daten einem Unternehmen anzuvertrauen, das direkte Beziehungen zu den Vereinigten Staaten unterhalte.

          Von Seiten amerikanischer Behörden wurden die Schritte der beiden Unternehmen zunächst nicht kommentiert. Im Rahmen der von Snowden angestoßenen Enthüllungen war bekannt geworden, dass die großen amerikanischen E-Mail-Firmen wie Google und Microsoft und andere von den Behörden gedrängt wurden, die Geheimdienste bei der Ausspähung von Daten zu unterstützen.

          Weitere Themen

          Trump will 2020 wieder zur Wahl antreten Video-Seite öffnen

          Laut Interview : Trump will 2020 wieder zur Wahl antreten

          Am Rande seines Besuchs in Großbritannien hat der amerikanische Präsident Donald Trump in einem Interview gesagt, er wolle sich 2020 abermals zur Wahl aufstellen lassen. Anhänger rechter Organisationen feierten ihn in London.

          Schelte für Europa Video-Seite öffnen

          Donald Trump auf Europareise : Schelte für Europa

          Der amerikanische Präsident ist zu Besuch in Europa. Merkel, May und die gesamte EU müssen sehr viel Kritik einstecken. Doch ein Politiker kann sich über viel Lob freuen.

          Topmeldungen

          Trump zieht Bilanz : Treffen mit Putin besser als der Nato-Gipfel

          Donald Trump hat seine Europareise als Erfolg verkauft. Das Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin sei dabei sogar noch besser gelaufen als der Nato-Gipfel. Mit der EU soll es wegen möglicher Zölle auf Autos zu einem Treffen mit Juncker kommen.

          Bildungsforschung : Woher kommt die Noteninflation?

          Die Noten von Studierenden werden immer besser. Werden ihnen gute Zensuren hinterhergeworfen – oder bringen sie mehr Leistung? Der Bildungsforscher Thomas Gaens über die Schwierigkeiten einer Bewertung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.