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Jorge Videla gestorben : Der Ideologe des dreckigen Krieges

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Jorge Videla war bis 1981 Staatschef Argentiniens Bild: AP

Er war der Diktator eines der blutigsten Herrschaftssysteme des Westens. Weiblichen Gefangenen wurden nach der Entbindung die Säuglinge weggenommen, Tausende verschwanden spurlos. Bis zuletzt rechtfertigte Jorge Videla den Staatsterror in Argentinien.

          Der dichte schwarze Schnauzbart, das hagere Gesicht und sein scheinbar joviales Auftreten machten ihn neben dem chilenischen Diktator Augusto Pinochet, mit dem er um den Rang des unnachgiebigsten Gewaltherrschers rivalisierte, zum Symbol des lateinamerikanischen Staatsterrors der siebziger und achtziger Jahre. Jorge Rafael Videla war der Kopf der argentinischen Militärdiktatur.

          Sie hatte mit dem von ihm als Heereschef geplanten und angeführten Putsch am 24. März 1976 begonnen und sich in den folgenden Jahren bis zu ihrem Ende 1983 zu einem der blutigsten Herrschaftssysteme der westlichen Hemisphäre entwickelt. Dabei war Videla nicht unbedingt das barbarischste Mitglied der argentinischen Junta. Der Admiral Eduardo Massera, der die Marine zu einem allmächtigen Repressionsapparat ausbaute und ihre „Mechanikschule“ in Buenos Aires (Esma) zum größten geheimen Folterzentrum werden ließ, übertraf ihn mutmaßlich noch an Grausamkeit.

          Videla ernannte sich nach dem Staatsstreich zum Juntachef und Präsidenten Argentiniens, ein Jahr später schied er aus dem aktiven Militärdienst und aus der Junta aus, blieb aber Staatschef bis 1981 und zog weiterhin die Fäden. Vor allem dem Ausland gegenüber versuchte sein Regime den Eindruck zu erwecken, dass es bei seinem Vorhaben, den Staat zu „reorganisieren“ und von der Guerrilla zu befreien, mit rechten Dingen zugehe. Den UN und den Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft, die für 1978 an Argentinien vergeben worden war, vermochte er dergleichen jedenfalls weiszumachen. Es war sein größter Triumph, dass die WM wie geplant stattfinden konnte. In Videlas feixendem Mienenspiel und seinen Jubelgesten spiegelte sich seine klammheimliche Freude darüber. Er benutzte die WM für seine politischen Zwecke. Seit 1978 hat er nie mehr ein Stadion betreten. Fußball interessierte ihn nicht.

          Videla 2012 in Polizeigewahrsam: Zuletzt forderte er das Militär auf, sich gegen Präsidentin Kirchner zu erheben.
          Videla 2012 in Polizeigewahrsam: Zuletzt forderte er das Militär auf, sich gegen Präsidentin Kirchner zu erheben. : Bild: dpa

          Immer weniger ließ sich damals jedoch verheimlichen, dass Tausende Personen spurlos verschwanden. Versuche der Angehörigen, Auskunft über das Schicksal der Vermissten zu erhalten, blieben erfolglos. „Er ist weder tot noch lebendig“, pflegte er selbst auf Nachfragen zu antworten, „er ist verschwunden“. Es gab zwar auch Fälle, in denen die Staatsmacht behauptete, die Betreffenden seien „bei kämpferischen Auseinandersetzungen getötet“ worden. Die meisten der in geheime Folterzentren gebrachten Festgenommenen wurden jedoch Opfer einer der perfidesten Methoden, mit denen sich ein Staatsapparat tatsächlicher oder vermeintlicher politischer Gegner entledigte. Sie wurden gefoltert und oft nach langer Haft bei den sogenannten Todesflügen in betäubtem Zustand über dem Río de la Plata oder dem Atlantik abgeworfen. Menschenrechtsorganisationen sprechen von 30.000 Opfern des Staatsterrors, nachgewiesen sind bislang fast 10.000 Fälle.

          Videla hat nie Reue oder Einsicht gezeigt, sondern bis zuletzt den Staatsterror gerechtfertigt. Das Land habe sich im Krieg mit dem Terrorismus und Marxismus befunden, versuchte er zu argumentieren. Die Praxis, Personen „verschwinden“ zu lassen, begründete er später mit der Bemerkung, man habe die Festgenommenen nicht einfach erschießen und die Todeslisten veröffentlichen können, weil dies im In- und Ausland allzu großes Aufsehen erregt hätte. Für die Gräueltaten ist er bereits in den Prozessen gegen die Junta 1985, kurz nach der Rückkehr des Landes zur Demokratie, zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nachdem ihn der damalige Präsident Carlos Menem am 28. Dezember 1990 begnadigt hatte, lebte Videla als freier Mann in der Hauptstadt Buenos Aires.

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