Home
http://www.faz.net/-gq5-763mz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.01.2013, 05:59 Uhr

Hillary Clinton Obama lobt scheidende Außenministerin

Hillary Clinton geht - als Außenministerin. Der amerikanische Präsident Obama lobt sie in den höchsten Tönen - und heizt damit Spekulationen über eine mögliche Präsidentschaftskandidatur Clintons in vier Jahren an.

© ASSOCIATED PRESS Präsident Obama lobte seine scheidende Chefdiplomatin Hillary Clinton in einem gemeinsamen Fernsehinterview in den höchsten Tönen.

Ein schöneres Abschiedsgeschenk hätte Barack Obama seiner Außenministerin Hillary Clinton nicht machen können. Der amerikanische Präsident lobte die scheidende Chefdiplomatin in einem gemeinsamen Fernsehinterview in den höchsten Tönen und befeuerte damit die Spekulationen um eine mögliche Kandidatur Clintons bei den Wahlen in vier Jahren. Ihre bittere Rivalität im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2008 sei einer Freundschaft gewichen, beteuerten beide Politiker. Doch vor einer klaren Antwort auf die Frage nach Clintons politischer Zukunft drückten sie sich.

Harmonisch saßen Obama und Clinton im Weißen Haus nebeneinander, der Präsident im dunkelblauen Anzug, die Außenministerin im pinkfarbenen Blazer. Das Gespräch war bereits am Freitag aufgezeichnet worden, am Sonntagabend strahlte es der Fernsehsender CBS aus. Es war erst das zweite Mal, dass Obama in einem Interview die Bühne mit einem anderen Politiker teilte - im November 2011 hatte er mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ein Interview gegeben. Die Idee zu dem Doppelinterview mit Clinton soll der Präsident selbst gehabt haben.

Mehrfach Kandidaturabsichten verneint

Obama erklärte, er habe Frau Clinton für ihre Arbeit öffentlich danken wollen. „Ich glaube, dass Hillary als eine der ausgezeichnetsten Außenministerinnen in die Geschichte eingehen wird“, sagte der Präsident. Die Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren sei „großartig“ gewesen. Als eine seiner „wichtigsten Berater“ habe die Außenministerin eine „außergewöhnliche Rolle“ in seiner Regierung gespielt, sagte Obama. „Ich werde sie vermissen.“

Die 65 Jahre alte Hillary Clinton hatte bereits vor Obamas Wiederwahl im November angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit im Kabinett des Präsidenten zur Verfügung zu stehen. Mehrfach erklärte die Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton, nach zwei Jahrzehnten als First Lady, Senatorin und Außenministerin eine Auszeit von der großen Politik nehmen zu wollen. Den Spekulationen über eine Kandidatur bei der nächsten Präsidentschaftswahl, wenn Obama nicht mehr antreten darf, widersprach sie damit mehrfach.

In dem Interview mit Obama sorgte Clinton nun aber dafür, dass sie mit Blick auf 2016 weiter alle Karten in der Hand behält. Der direkten Frage nach ihren Plänen wich sie aus. Sie sei noch immer Außenministerin und beteilige sich nicht an politischen Spielchen, sagte Clinton. Doch es liege ihr weiter sehr am Herzen, „was in Zukunft mit unserem Land geschieht“. „Ich kann keine Voraussage machen, was morgen oder nächstes Jahr passiert“, sagte sie.

„Unbelehrbare Presse“

Obama tat die Frage nach einer möglichen Nachfolgerin Clinton mit einem Lachen ab. „Ihr Leute von der Presse seid unbelehrbar“, sagte der Präsident. „Ich wurde buchstäblich vor vier Tagen vereidigt, und ihr sprecht über Wahlen in vier Jahren.“ Doch Obama sendete zweifelsohne ein politisches Signal, als er sich mit Clinton vor die Kamera setzte - und nicht mit Vizepräsident Joe Biden, dem ebenfalls Ambitionen auf die Kandidatur der Demokraten nachgesagt werden.

Clinton beliebter denn je

Noch nie war Hillary Clinton, die das Außenministerium in wenigen Tagen an ihren designierten Nachfolger John Kerry übergeben soll, in ihrer Heimat so angesehen wie heute. In einer aktuellen Umfrage der „Washington Post“ und des Senders ABC erreicht sie einen Beliebtheitswert von 65 Prozent. Die „New York Times“ feierte Clinton, die als Außenministerin mehr als 100 Länder besuchte, als „Rockstar-Diplomatin“.

Clinton erzählte in dem Interview, wie sie 2008 gezögert habe, den von Obama angebotenen Posten als Außenministerin anzunehmen. Der erste afroamerikanische Präsident hatte in einer erbittert geführten Vorwahlschlacht ihren Plan durchkreuzt, als erste Frau an der Spitze der Vereinigten Staaten zu stehen. Mittlerweile sei das Verhältnis aber „sehr warm und eng“, sagte sie. Obama ergänzte: „Ich betrachte Hillary als starke Freundin.“ Eine Freundschaft, aus der Clinton bei einer Kandidatur in vier Jahren viel politisches Kapital schlagen könnte.

Mehr zum Thema

Quelle: AFP

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vorwahlen in Amerika Scheitert Clinton schon wieder?

Vor Beginn der Vorwahlen galt Hillary Clinton bei den Demokraten als haushohe Favoritin. Jetzt gerät sie durch den Linken Bernie Sanders immer mehr unter Druck. Erlebt sie wieder ein Desaster wie 2008 gegen Obama? Mehr Von Simon Riesche, Washington

12.02.2016, 09:16 Uhr | Politik
Washington D.C. Obama hält letzte Rede zur Lage der Nation

Anfang 2017 verlässt Barack Obama das Weiße Haus. Nach zwei Amtszeiten darf er nicht mehr zur Wahl des Präsidenten antreten. Mehr

13.01.2016, 09:26 Uhr | Politik
Wahl in Amerika Der 27-Dollar-Mann bittet zur Revolution

Die Wähler in New Hampshire haben Hillary Clinton gedemütigt. Viele von ihnen glauben dem Sozialisten Bernie Sanders, dass seine Rivalin käuflich sei. Jetzt haben die Latinos und Afroamerikaner das Wort. Mehr Von Andreas Ross, Washington

10.02.2016, 18:33 Uhr | Politik
Amerika Trump vergleicht Hillary Clinton mit Hund

Auf einer Wahlkampfveranstaltung erlaubte sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump einen Witz auf Kosten seiner Konkurrentin Hillary Clinton von den Demokraten. Während seiner Rede verglich er die ehemalige First Lady mit einem Hund. Mehr

19.01.2016, 17:49 Uhr | Politik
Vorwahlen in Amerika Clinton wirft Sanders Schmierenkampagne vor

Nach dem Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Vorwahlen in Iowa wird der Tonfall zwischen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten rauer. Hillary Clinton wehrt sich gegen Vorwürfe, sie lasse sich von großen Spendern aus der Finanzwelt beeinflussen. Mehr

05.02.2016, 07:49 Uhr | Politik

Was Syrien braucht

Von Nikolas Busse

Die Vereinbarung von München liest sich gut. Die Widersprüche des Syrien-Konfliktes bleiben aber bestehen. Das größte Interesse daran, dass Frieden einkehrt, hat Deutschland. Mehr 0