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Veröffentlicht: 22.10.2015, 04:22 Uhr

Hackerangriff Wikileaks veröffentlicht E-Mails von CIA-Chef

Die Enthüllungsplattform hat Dokumente aus dem privaten Mail-Konto von CIA-Chef Brennan veröffentlicht. Darunter befinden sich E-Mails und ein von Brennan ausgefüllter Fragebogen für Geheimdienstträger. Zuvor hatte ein Schüler das Mail-Konto gehackt.

© AP Das Mail-Konto von CIA-Direktor John Brennan wurde gehackt.

Die Enthüllungs-Website Wikileaks hat gehackte E-Mails des CIA-Direktors John Brennan veröffentlicht. Die sechs Dokumente, die keine geheimen Informationen enthalten, stammen aus dem privatem E-Mail-Postfach des Geheimdienstchefs, wie Wikileaks mitteilte. Der amerikanische Geheimdienst verurteilte die Veröffentlichung der Mails als „heimtükischen“ Eingriff in Brennans Privatsphäre. Wikileaks kündigte an, in den kommenden Tagen weitere E-Mails publik zu machen. Für die Echtheit der Dokumente führte Wikileaks keine Beweise an.

„Ein Verbrechen gegen Brennans Familie“

Das Datenleck ist äußerst peinlich für den CIA-Direktor, auch wenn zunächst keine als geheim eingestuften Informationen an die Öffentlichkeit gelangten. Nach Angaben von Wikileaks nutzte Brennan seine private E-Mail-Adresse jedoch gelegentlich für geheimdienstliche Projekte. 

Die CIA verurteilte die Veröffentlichung auf der Wikileaks-Website. Das Anzapfen des privaten E-Mail-Postfachs sei „ein Verbrechen und Brennans Familie ist das Opfer“. Die Mails seien „in heimtückischer Absicht“ kopiert und nun im Netz verbreitet worden. „Eine solche Attacke könnte jeden treffen und sollte verurteilt und nicht unterstützt werden“, erklärte die CIA. Wikileaks veröffentlichte in den vergangenen Jahren immer wieder geheime Dokumente und zog sich damit den Zorn Washingtons zu.

Telefonnummer des Geheimdienstchefs

Die Enthüllungs-Plattform stellte einen Fragebogen für Geheimnisträger online, den Brennan offenbar 2008 ausfüllte. In dem etwa 50 Seiten umfassenden Dokument gibt er ausführlich Auskunft über seine berufliche Vergangenheit und sein privates Umfeld. Auch der Name und eine Telefonnummer des früheren CIA-Chefs George Tenet tauchen darin auf.

Unter den veröffentlichen Dokumenten findet sich auch ein Brief des früheren Senators Christopher Bond an weitere Mitglieder des Geheimdienstausschusses. Darin spricht der Senator sich dafür aus, künftig nur noch explizit verbotene Verhörmethoden wie etwa Waterboarding oder Stromstöße aufzulisten und nicht die ausdrücklich in einem Handbuch des Militärs erlaubten Methoden als Maßstab zu nehmen. Dies würde die Geheimdienste in die Lage versetzen, neue Methoden zu entwickeln, die „dennoch mit dem Gesetz übereinstimmen“, schrieb der Senator.

Weitere Mails sollen folgen

Zudem ist ein Textentwurf Brennans zur Einschätzung der Lage im Iran aus dem Jahr 2007 auf der Wikileaks-Seite zu lesen. Auch ein Fax, in dem es um die Geschäftsbeziehungen der CIA zu einer Privatfirma geht, wurde veröffentlicht. Weitere E-Mails sollen nach Angaben von Wikileaks „in den kommenden Tagen“ folgen.

Medienberichten zufolge hatte vor einigen Tagen ein Hacker versichert, sich Zugriff auf Brennans Konto beim E-Mail-Dienst AOL verschafft zu haben. Der Hacker, der sich als Schüler einer High School in den Vereinigten Staaten bezeichnet, rief mehrere Journalisten an. Seinen Angaben zufolge befanden sich in Brennans privatem Postfach auch vertrauliche Dokumente.

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Demnach habe sich der junge Hacker als Mitarbeiter des amerikanischen Telekommunikationskonzerns Verizon ausgegeben und einen Verizon-Mitarbeiter so dazu gebracht, ihm vertrauliche Daten von Brennan zu geben - unter anderem die letzten vier Ziffern seiner Kreditkartennummer. Mit Hilfe dieser und andere Daten hätten der Hacker und seine zwei Mitstreiter daraufhin das Passwort von Brennans AOL-Konto immer wieder zurückgesetzt, während der CIA-Chef versuchte, den Zugriff auf seine Daten wieder zu erlangen.

Zuletzt war die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton wegen der Nutzung ihrer privaten E-Mail-Adresse während ihrer Amtszeit als amerikanische Außenministerin in die Kritik geraten. Die Republikaner werfen ihr vor, die private Adresse benutzt zu haben, um ihre Korrespondenz unter Verschluss zu halten. Clinton erklärte dagegen, sie habe dies aus Bequemlichkeit getan.

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