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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fall Trayvon Martin Geschworene waren sich anfangs nicht einig

Die Jury, die den Schützen George Zimmerman vom Vorwurf des Totschlags an dem schwarzen Jugendlichen freigesprochen hat, war sich nach Aussage eines Jurymitglieds zunächst nicht einig.

© REUTERS Mit einem Aufkleber protestiert diese Frau gegen den Freispruch für George Zimmerman: „Wir alle sind Trayvon“, steht darauf. „Das ganze verdammte System hat Schuld“

Nach dem Freispruch im Prozess um den Tod des schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin hat eine der sechs Geschworenen öffentlich darüber gesprochen, wie schwer der Jury die Urteilsfindung gefallen ist. Die Frau wurde als „Geschworene B-37“ vorgestellt und sprach im Dunkeln. Sie sagte dem Nachrichtensender CNN, zu Beginn der 16 Stunden dauernden Beratungen seien drei Geschworene dafür gewesen, den angeklagten Todesschützen George Zimmerman freizusprechen, die drei anderen hätten den Fall zunächst als Totschlag bewerten wollen.

Stundenlange Debatte

Erst nach stundenlanger Debatte und wiederholtem Lesen der gesetzlichen Bestimmungen seien sich die Geschworenen einig geworden, dass Zimmerman freigesprochen werden müsse, erläuterte die Frau. Aus dem Prozess habe sich für sie das Bild ergeben, dass Trayvon Martin den Angeklagten Zimmerman angegriffen habe, sagte sie. Zimmerman habe „ohne Zweifel“ um sein Leben gebangt. Die dann folgende tödliche Auseinandersetzung sei eine Tragödie. Beide Beteiligten seien dafür mitverantwortlich, dass sie in diese Situation geraten seien. „Beide hätten auch weggehen können“, sagte die Geschworene.

Los Angeles police arrest about a dozen people after a peaceful protest supporting Trayvon Martin turned unlawful in the Leimert Park neighborhood Los Angeles, California Zahlreiche Demonstranten wurden nach friedlichen Protesten gegen das Urteil in Los Angeles verhaftet © REUTERS Bilderstrecke 

Zimmerman, Sohn einer peruanischen Mutter und eines weißen Amerikaners, hatte Martin am Abend des 26. Februar 2012 in einem Wohngebiet in Florida erschossen. Obwohl der schwarze Jugendliche unbewaffnet war, ließ die Polizei den Schützen zunächst laufen. Dabei berief sie sich auf ein Gesetz, das Bürgern in Florida ein weitgehendes Selbstverteidigungsrecht einräumt. Zimmerman hatte angegeben, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Ein Geschworenengericht in Florida sprach den 29 Jahre alten Mann am Samstagabend vom Vorwurf des Totschlags frei.

Holder: „Ich teile Eure Sorgen“

Tausende Menschen gingen daraufhin in den Vereinigten Staaten auf die Straße, um gegen das Urteil zu protestieren, das sie für rassistisch motiviert halten. Mehr als 800.000 Menschen unterzeichneten die Online-Petition einer Bürgerrechtsorganisation, die den amerikanischen Justizminister Eric Holder aufruft, zivilrechtliche Schritte gegen den Schützen einzuleiten.

Die amerikanische Regierung lässt bisher jedoch offen, ob sie den Fall vor ein Bundesgericht bringt. Holder bezeichnete den Fall am Montag in einer Rede vor etwa 14.000 Mitgliedern einer afroamerikanischen Studentinnenverbindung in Washington als „tragisch und unnötig“. „Das Justizministerium teilt eure Sorgen. Ich teile eure Sorgen“, sagte er.

Quelle: F.A.Z. mit AFP und Reuters

 
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