http://www.faz.net/-gq5-7ba0s

Fall Trayvon Martin : Er ist nicht Rodney King

Empörung: Tausende protestieren gegen den Freispruch des Todesschützen Zimmerman Bild: Polaris/laif

Nach dem Freispruch im Fall Trayvon Martin, der 2012 in Florida erschossen wurde, wird womöglich Zivilklage erhoben. Kritiker erinnern an die Rassenunruhen 1992.

          Was wird jetzt eigentlich aus Bill Lee? Bekommt er seinen Job wieder? Wird er rehabilitiert? Der Name Bill Lee fiel nicht im Prozess gegen George Zimmerman, der am 26. Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida den 17 Jahre alten schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin erschossen hatte und am späten Freitagabend vom Vorwurf des Mordes mit bedingtem Vorsatz freigesprochen wurde. Der Name Bill Lee fiel auch nicht in der Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung der Nachrichtensender über das Verfahren gegen George Zimmerman. Immerhin wurde Lee von einer lokalen Fernsehstation wenige Tage vor dem Urteilsspruch befragt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bill Lee war an jenem verregneten Sonntagabend im Februar 2012, als Martin starb, Polizeichef von Sanford. Die Stadt nahe Orlando hat rund 54.000 Einwohner, gut 57 Prozent sind Weiße, 30 Prozent Schwarze und 13 Prozent andere Minderheiten. Bill Lee ist weiß. Er wurde am 26. Februar 2012 zum Tatort gerufen, wo der Polizeichef und seine Leute in dem Wohngebiet „The Retreat at Twin Lakes“ den getöteten Jungen Trayvon Martin auf einem Rasenstück neben einem Gehweg fanden. Martin trug einen Kapuzenpullover, er hatte sich bei einem kleinen Geschäft Kaubonbons und Eistee gekauft.

          Polizeichef ist überzeugt, richtig gehandelt zu haben

          Der Todesschütze George Zimmerman wurde von Lee und seinen Leuten vernommen, die Tatwaffe wurde sichergestellt, Spuren wurden gesichert. Und Zimmerman wurde noch am gleichen Abend nach Hause geschickt. „Warum haben Sie ihn nicht festgenommen?“, wurde Lee vom Reporter des Senders Local 6 in der vergangenen Woche gefragt. „Weil ich einen Eid abgelegt habe“, erwiderte Lee: „Die Verfassung und die Gesetze Floridas besagen, dass man niemanden festnehmen kann, wenn nicht ausreichend Verdachtsmomente gegen ihn vorliegen.“ Der Fall, über den zunächst nur örtliche Medien berichtet hatten, wuchs sich etwa vier Wochen später zum Gegenstand nationaler Erregung aus, und Polizeichef Lee wurde entlassen. Sein Nachfolger Cecil Smith ist übrigens Schwarzer.

          Lee ist bis heute überzeugt, dass er richtig gehandelt hat. Hätte er Zimmerman festgenommen, hätte er die Stadt - seinen Arbeitgeber - dem Risiko eines Verfahrens wegen unrechtmäßiger Festnahme ausgesetzt, sagt Lee. Aber nachdem Zimmerman, der sichtbare Verletzungen am Hinterkopf und im Gesicht aufwies, noch an Ort und Stelle und später bei der Vernehmung im Polizeiquartier glaubwürdig versichert hatte, er habe in Notwehr gehandelt, sei ihm als Polizeichef nichts anderes übrig geblieben, als den Todesschützen freizulassen: „Wir hatten nicht genügend Informationen, um seine Aussage zu widerlegen oder anzuzweifeln.“

          Er wollte vom Einkaufen nach Hause laufen: Trayvon Martin wurde am Abend des 26. Februar 2012 erschossen

          Genau das ist - anderthalb Jahre später - auch einem ganzen Team von Staatsanwälten in dem viel beachteten Verfahren nicht gelungen. Zimmerman wurde von den sechs weiblichen Geschworenen - fünf Weißen und einer Latina - in der Nacht zum Samstag freigesprochen. Daraufhin kam es in verschiedenen amerikanischen Städten zu Protestmärschen gegen den Freispruch; abgesehen von einigen Rangeleien in New York mit der Polizei sowie von Sachbeschädigungen in Südkalifornien blieben die Demonstrationen friedlich.

          Präsident Barack Obama hatte kurz nach der mit Spannung erwarteten Urteilsverkündung zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen und daran erinnert, dass Gerichtsentscheidungen respektiert werden müssten: „Wir sind ein Rechtsstaat und die Geschworenen haben ihr Urteil gesprochen“, ließ der Präsident am Sonntagabend mitteilen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Sommer wie gemalt?

          Ökologische Schattenseiten : Dieser Sommer ist kein Grund zur Freude

          Hinter der Fassade von Sonnenschein und mild-warmen Temperaturen wird auch der Sommer 2018 mit seiner extremen Trockenheit tiefe Spuren in der Natur hinterlassen. Und die Natur verzeiht nicht, wie die Ökologen feststellen müssen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.