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Europa-Lateinamerikagipfel : „Investieren Sie in Europa“

  • -Aktualisiert am

In Santiago: Kanzlerin Merkel und der chilenische Präsident Piñera Bild: AFP

Kanzlerin Merkel hat im Rahmen des Europa-Lateinamerikagipfels in Chile zwei Kooperationsabkommen über Zusammenarbeit in Bergbau und Rohstoffverarbeitung geschlossen. Sie mahnte vor Protektionismus und rief die Lateinamerikanischen Staaten auf, in Europa zu investieren.

          Kaum war Kanzlerin Merkel am Samstagmorgen mit dem Regierungs-Airbus in Santiago gelandet, wurde sie vom chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera hofiert, als sei sie die einzige hochkarätige Politikerin, die nach Santiago gereist ist, um am Europa-Lateinamerikagipfel teilzunehmen. Dabei ist sie nur eine von knapp 40 Staatschefs, die nach Chile kamen. Insgesamt waren Delegationen aus 60 Ländern angereist.

          Deutschland und Chile bilden immerhin so etwas wie einen harten Kern in den komplizierten europäisch-lateinamerikanischen Beziehungen. Darüber waren sich Merkel und Piñera einig, man sah es ihnen an. Kanzlerin Merkel unterzeichnete zwei Kooperationsabkommen über die Zusammenarbeit in Bergbau und in der Rohstoffverarbeitung. Etwas abseits der großen Aufregungen haben sich tatsächlich in den vergangenen Jahren vor allem auf wissenschaftlich-technischem Gebiet und in der Energiewirtschaft stabile Formen der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern entwickelt.

          Während Europa an seiner Finanz- und Schuldenkrise laboriert, demonstriert gerade Chile, mehr noch sogar Brasilien, dass Lateinamerika zu prosperieren scheint. Das Wort von der „strategischen Partnerschaft“, das auf Gipfeltreffen gern beschworen wird, hat die Kanzlerin durch einen neuen Ausdruck ergänzt: „auf Augenhöhe“. Tatsächlich hat die EU es bei dem alle zwei Jahre einberufenen Treffen der Alten Welt mit den lateinamerikanischen Ländern jetzt mit einer organisierten Form des Zusammenschlusses zu tun: der Ländergemeinschaft „Celac“. Sie schließt auch die karibischen Staaten ein, Nordamerika und Kanada aber aus. Auf längere Sicht will sie ein Ersatz für die „Organisation Amerikanischer Staaten“ werden. Die „Celac“ war im Dezember 2011 offiziell ins Leben gerufen worden.

          Hugo Chávez kam nicht

          Hauptinitiator dieses neuen Versuchs, die karibisch-lateinamerikanische Welt zusammenzuschließen, war der damals schon erkrankte venezolanische Präsident Hugo Chávez. Er hält sich noch immer in Kuba auf, wo er nach seiner vierten Krebsoperation behandelt wird. Sein Vizepräsident Nicolás Maduro kündigte an, den übrigen Präsidenten und Regierungschefs in Santiago eine „außerordentliche“ Botschaft von Chávez überbringen zu wollen. Darin unterbreite er eine Reihe von Vorschlägen für das weitere Gedeihen der „Celac“-Gemeinschaft. Chávez sei über die Vorbereitungen des Gipfels in Santiago informiert gewesen, versicherte Maduro.

          Chile hatte als erstes Land die zeitlich befristete Präsidentschaft des „Celac“-Bündnisses übernommen, in Santiago wird sie nun für ein Jahr auf den kubanischen Präsidenten Raúl Castro übertragen, der bereits am Freitag nach Chile gereist war. Kuba ist damit für Lateinamerika salonfähig geworden, obwohl das Castro-Regime keine Zugeständnisse in seinem demokratischen Verhalten gemacht hat. Die „Celac“-Gemeinschaft ist gespalten. Während Staaten wie Chile, Brasilien, Kolumbien oder Peru mit einer vergleichsweise liberalen Wirtschaftspolitik für Wohlstand zu sorgen versuchen, um mit den erwirtschafteten Mitteln ihre sozialpolitischen Programme zu finanzieren, schotten sich andere Länder, allen voran Venezuela und Argentinien immer stärker von der wirtschaftlichen Außenwelt ab und isolieren sich damit selbst innerhalb der regionalen Wirtschaftsbündnisse wie dem Mercosur. Kuba versucht immerhin, wenn auch recht zaghaft, dem chinesischen und vietnamesischen Modell nachzueifern.

          Merkel: „Investieren Sie in Europa“

          Frau Merkel mahnte bei ihrer Abschlussrede zu einem dem Haupttreffen vorgeschalteten europäisch-lateinamerikanischen Wirtschaftsgipfel, dass Protektionismus kein Heilmittel sei, um krisenhaften Entwicklungen zu begegnen. Sie verwies darauf, dass sich schon nach der Weltwirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gezeigt habe, dass Protektionismus eher den Aufschwung lähme. Sie demonstrierte auch gleich, wie „offen“ Europa ist: „Investieren Sie in Europa“, sagte sie. „Wir heißen Sie willkommen.“

          Quelle: FAZ.NET

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