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Veröffentlicht: 18.02.2013, 06:33 Uhr

Ecuador Correa gewinnt Präsidentenwahl

Amtsinhaber Rafael Correa hat die Präsidentenwahl in Ecuador gewonnen. Der linksgerichtete Politiker erreichte in der ersten Wahlrunde die absolute Mehrheit. Sein Rivale, der Bankier Guillermo Lasso, erhielt 24 Prozent der Stimmen.

© AP Rafael Correa feiert in Quito den Sieg bei der Präsidentenwahl.

Bei der Präsidentenwahl in Ecuador ist Amtsinhaber Rafael Correa mit deutlichem Vorsprung für eine dritte Amtszeit wiedergewählt worden. Teilergebnissen zufolge kam der 49 Jahre alte, linksgerichtete Politiker auf 56 Prozent der Stimmen, wie der Nationale Wahlrat (CNE) nach Auszählung von 38 Prozent der Stimmzettel mitteilte. Der konservative Banker Guillermo Lasso folgte weit abgeschlagen mit 24 Prozent und erkannte seine Niederlage an.

Correa feierte seinen Sieg im ersten Wahlgang mit seinen Anhängern, die sich vor dem Präsidentenpalast in Quito versammelt hatten. „Danke für dieses Vertrauen“, rief er ihnen vom Balkon aus zu, nachdem ihn drei Nachwahlbefragungen zum Sieger erklärt hatten. „Wir werden euch niemals enttäuschen, dieser Sieg gehört euch.“ „Niemand kann diese Revolution aufhalten“, sagte Correa. „Wir sind dabei, Geschichte zu schreiben.“

Auf den Straßen der Hauptstadt feierten zahlreiche Menschen Correas Sieg. Sie riefen „Rafael, wir lieben dich“, schwenkten grüne Fahnen, zündeten Böller und hupten.

Lasso, der unter den sieben Gegenkandidaten mit Abstand der stärkste war, räumte seine Niederlage ein. „Heute Nacht muss ich den Triumph von Präsident Rafael Correa anerkennen“, sagte er vor seinen Anhängern in Guayaquil. Die Wiederwahl verdiene Respekt. Er selbst werde von nun an der „zweite politische Führer in Ecuador“ sein, sagte der Politiker, der während der schweren Wirtschaftskrise des Landes Ende der 90er Jahre Finanzminister war.

Auch im Parlament hofft Correa auf eine absolute Mehrheit

Der kubanische Staatschef Raúl Castro und der linksgerichtete nicaraguanische Präsident Daniel Ortega zählten zu den ersten, die Correa zu dessen Wahlsieg gratulierten. Auch von der Regierung des nördlichen Nachbarlands Kolumbien kamen Glückwünsche.

Bei der parallel abgehaltenen Parlamentswahl hoffte Correas Partei Movimiento PAIS darauf, eine absolute Mehrheit zu erhalten. Laut Innenministerin waren 76.200 Soldaten und Polizisten im Einsatz, um einen ruhigen Verlauf der Wahlen zu gewährleisten. Laut den Wahlbeobachtern der lateinamerikanischen Organisation UNASUR gab es keine nennenswerten Zwischenfälle.

Correa wurde 2007 erstmals ins Präsidentenamt gewählt, bei vorgezogenen Neuwahlen im Jahr 2009 wurde er bestätigt. Der in den Vereinigten Staaten ausgebildete Ökonom lehnt eine neoliberale Wirtschaftspolitik ab und arbeitet eng mit anderen linken Staatschefs wie etwa dem erkrankten venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zusammen. Es gelang ihm, das instabile Ecuador, das im Jahrzehnt vor seiner ersten Wahl sieben verschiedene Präsidenten hatte, politisch zu festigen.

Correa konnte bei der ärmeren Bevölkerung mit Sozialprogrammen punkten. Er beschnitt dagegen die Macht großer Konzerne und Medienunternehmen, Ölfirmen bekamen neue Verträge, die dem Land einen größeren Anteil an den Einnahmen sicherten. Seine Kritiker werfen dem Staatschef vor, ausländische Investoren abzuschrecken und autoritär zu regieren. Zu Correas erbitterten Feinden in Unternehmerkreisen zählt auch sein älterer Bruder Fabricio.

Im vergangenen Jahr kam es zu diplomatischen Spannungen zwischen Ecuador und Großbritannien, als Quito dem Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl in seiner Londoner Botschaft gewährte. Am Sonntag sprach sich Correa für eine schnelle Lösung des Streits aus. „Das ist eine diplomatische Situation, die so schnell wie möglich gelöst werden muss“, sagte Correa. Das Schicksal von Assange liege „in den Händen Europas“. Sein Land habe im Fall Assange „im Rahmen der Souveränität getan, was getan werden musste“. Assanges Leben sei in Gefahr. Er rief die „juristischen Instanzen Europas“ auf, sich des Falls anzunehmen. „Es darf wegen eines Asyls kein Problem geben, das ist Neokolonialismus“, sagte der sozialistische Staatschef, der am Sonntag mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt wurde. Correa bekräftigte die Forderungen seiner Regierung, Assange entweder einen Passierschein zu gewähren oder eine Anhörung durch einen schwedischen Richter in London zuzulassen.

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Quelle: AFP

 

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