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Amerikanischer Wahlkampf : Das Geheimnis des Trumpismus

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Me, Myself and I - mit Egoismus und Rücksichtlosigkeit zum Erfolg: Präsidentschaftsanwärter Donald Trump. Bild: dpa

Steinreich, rotzfrech und ein Ego, so groß wie seine Wolkenkratzer: Donald Trump wird zwar niemals amerikanischer Präsident, aber er leistet wertvolle therapeutische Dienste in einem zutiefst neurotischen Land.

          Donald Trump ist ein Ekelpaket erster Klasse. Sicher, solche Urteile sind subjektiv, aber dieses kann sich immerhin auf einen erstaunlichen Konsens berufen: Seine Ex-Frauen beschreiben ihn als gewalttätigen Tyrannen, seine früheren Mitarbeiter als Ausbeuter und Menschenschinder, die Fernsehzuschauer kennen ihn als vulgäres Rauhbein, und die klügsten Köpfe des Landes nennen ihn einen Vollidioten. „Alles in allem einfach ein schrecklicher Mensch“, urteilte die „Washington Post“ rundheraus.

          Wer also mag so einen Kotzbrocken wie Donald Trump? Die Antwort lautet: viele, erstaunlich viele, erschreckend viele! Umfragen zufolge findet ihn jeder dritte Amerikaner sympathisch - selbst nach den verbalen Tief- und Rundumschlägen der letzten Wochen.

          In den Umfragen für die republikanischen Vorwahlen liegt Trump sogar in Führung, das Establishment der Partei weiß nicht, wie man ihn stoppen soll, Journalisten und Meinungsforscher sind perplex und beschimpfen abwechselnd Trump, seine Fans oder irgendwen, der halt dran schuld sein soll, dass das alles überhaupt passieren konnte. Einer wie Trump war im Wahlkampf einfach nicht vorgesehen.

          Aber wie erklärt sich die Begeisterung für Trump? Wieso sind sich einerseits so viele Menschen einig, dass man ihn nicht ernst nehmen kann, wenn sich andererseits doch verblüffend viele finden, die ihm zujubeln und ihn - angeblich - sogar wählen wollen?

          Trumps Wunschministerin: Sarah Palin
          Trumps Wunschministerin: Sarah Palin : Bild: AP

          Die Idee, Donald Trump könnte Präsident der Vereinigten Staaten werden, ist alt, und sie stammt nicht einmal von ihm selbst. David Letterman und andere Komiker hatten den Witz seit Jahren im Repertoire. Die Idee war so albern, dass sie immer mal wieder für einen Kalauer gut war. Es war über viele Jahre der Running Gag eines Politik- und Medienbetriebes, in dem die Grenzen zwischen Politik und Show fließend sind, in dem beides unbeirrt dem Script im Teleprompter gehorcht und die Lacher und der Beifall zuverlässig eingespielt werden.

          Der Sonderfall unter den Quereinsteigern

          Längst ist ein Auftritt bei einem Spätabendkomiker wichtiger als eine Wahlkampfrede. Warum also nicht den Spieß umdrehen und den lautesten Rüpel des Reality-Fernsehens ins Weiße Haus schicken? Die Macher der Zeichentrickserie „Simpsons“ kamen schon vor fünfzehn Jahren auf die Idee der Donald-Trump-Präsidentschaft. Sie endete in der Serie im Staatsbankrott.

          Doch erst am 16. Juni 2015 wurde die Satire von der Realität eingeholt: Donald Trump gab bekannt, dass er bei den Vorwahlen der republikanischen Partei antreten will. Exoten und Quereinsteiger hat es in der amerikanischen Politik immer wieder gegeben, von Ronald Reagan bis Arnold Schwarzenegger, vom Wrestler Jesse Ventura bis zu den Milliardären Ross Perot und Michael Bloomberg.

          Und doch ist Trump ein Sonder- und Extremfall, der sich mit den historischen Vorbildern nicht vergleichen lässt. Denn die Quereinsteiger waren bislang immer darauf bedacht, ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre politischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Sie versuchten, Bekanntheit, Erfolg und Reichtum in politisches Kapital umzutauschen, indem sie Sachkenntnis, Realitätssinn, Ausgewogenheit und Selbstbeherrschung demonstrierten. Sie nutzten ihren anderswo erworbenen Ruhm, spielten jetzt aber eine völlig neue Rolle.

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