Home
http://www.faz.net/-hoz-78gh0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Anschläge in Boston Polizei sucht angeblich zwei Verdächtige

Nach dem Terroranschlag von Boston verfolgen die Ermittler offenbar eine konkrete Spur - eine Festnahme eines Verdächtigen wurde vom FBI aber dementiert. Im Zusammenhang mit mutmaßlichen Giftbriefen an Präsident Obama und einen Senator wurde ein Verdächtiger festgenommen.

© AP Vergrößern Die Sicherheitskontrollen in Boston sind immens - hier vor einem Hockeyspiel der Boston Bruins gegen die Buffalo Sabres

Nach dem tödlichen Terroranschlag von Boston verfolgen die Ermittler nach amerikanischen Medienberichten eine konkrete Spur - eine bereits von mehreren Sendern vermeldete Festnahme eines Verdächtigen wurde vom FBI aber dementiert. Eine für Mittwochabend angekündigte Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen wurde von der amerikanischen Bundespolizei mehrfach verschoben und schließlich ganz abgesagt.

Wie der Sender CNN berichtete, suchen die Fahnder nach zwei verdächtigen Männern, die am Tag des Anschlags nahe der Marathon-Ziellinie fotografiert worden waren. Einer der Männer habe einen schwarzen Rucksack getragen. Zudem sei ein Verdächtiger mit einer weißen Baseball-Kappe, einem hellen Kapuzenshirt und einer schwarzen Jacke bekleidet gewesen, hieß es unter Berufung auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Behördenvertreter. Es sei bislang aber noch nicht gelungen, die Verdächtigen namentlich zu identifizieren.

Berichte über zweiten Verdächtigen

Die Zeitung „Boston Globe“ berief sich auf Ermittlungen, wonach ein Verdächtiger am Ort der zweiten Explosion in der Boylston Straße eine schwarze Tasche getragen und womöglich dort abgelegt habe. Die Kamera eines auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegenden Geschäfts habe klare Bilder vom Tatort geliefert, hieß es. Unklar war jedoch, ob auch der Verdächtige von dieser Kamera gefilmt wurde.

Boston Deals With Aftermath Of Marathon Explosions © AFP Vergrößern Ermittler am Ort der Anschläge in Boston

Die Ermittler kämen voran, sagte der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, bei CNN. Mit „jeder Stunde“ sei man der Lösung des Falls näher. Zugleich bat er aber um Geduld. „Wenn sie (die Ermittler) damit fertig sind, sich ein komplettes Bild zu machen, werden sie uns sagen, wie dieses Bild aussieht“, sagte Patrick.

Zuvor hatten die Sicherheitsbehörden weitere Einzelheiten zur Bauart einer der Bomben bekanntgegeben. Demnach bestand sie aus mit einem Zünder versehenen Schnellkochtopf, der neben Schwarzpulver auch Nägel und Metallteile enthielt. Teile des Topfdeckels wurden CNN zufolge am Mittwoch auf einem Hausdach in der Nähe der Ziellinie gefunden. Ob auch die zweite Bombe aus einem Schnellkochtopf gebaut war, sei noch unklar. Beide Sprengsätze wurden nach FBI-Angaben vermutlich in schwarzen Nylontaschen zum Tatort gebracht.

Mehr zum Thema

Bei dem Anschlag während des Boston-Marathons waren am Montag ein achtjähriger Junge, eine 29 Jahre alte Amerikanerin und eine Studentin aus China getötet worden. Am Mittwoch schwebten immer noch zwei der mehr als 180 Verletzten in Lebensgefahr. Der Zustand von zehn weiteren sei ernst, meldete CNN unter Berufung auf das Bostoner Traumazentrum.

Giftbriefe: Verdächtiger festgenommen

Im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Giftbriefen an Präsident Barack Obama und einen Senator ist unterdessen ein Verdächtiger festgenommen worden. Dabei handele es sich um einen Mann aus der Stadt Corinth in Mississippi, teilte die Bundespolizei FBI am Mittwochabend mit. Von ihm stammten vermutlich die Briefe mit einer körnigen Substanz, die positiv auf das lebensgefährliche Gift Rizin getestet worden seien. Die Briefe waren neben Obama auch an den republikanischen Senator Roger Wicker aus Mississippi und an einen Justizvertreter des Bundesstaates adressiert. Von einem Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Boston-Marathon ging das FBI zunächst nicht aus.

Boston Police Twittermeldung © Twitter Vergrößern Das Dementi der Bostoner Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter

Ob in den Umschlägen tatsächlich Rizin war, sollen weitere Untersuchungen ergeben. Rizin ist in den Samenschalen der Rizinusstaude enthalten und gilt als einer giftigsten Eiweißstoffe, die in der Natur vorkommen. Schon geringste Mengen können tödlich sein. Der Vorfall erinnert an die Briefe mit Milzbrand-Erregern, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im Kongress auftauchten.

Präsident Obama wurde am Donnerstag zu einem Gedenkgottesdienst für die Anschlagsopfer in der Heiligkreuz-Kathedrale in Boston erwartet. Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Land wehen noch bis Samstag auf Halbmast.

Quelle: AFP/dpa/Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Limburg Erschlagener Ruander: Verdächtige mit Hitler-Gruß

Im Fall eines in Limburg erschlagenen Mannes aus Ruanda verdichten sich die Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund der Tat. Auf einem Mobiltelefon fanden Ermittler ein Foto, das zwei der drei Tatverdächtige mit dem Hitler-Gruß zeigt. Mehr

20.11.2014, 15:21 Uhr | Rhein-Main
Angst vor Russland Elektriker hortet Waffen in privatem Bunker

Ein Elektriker aus Niederbayern hat in seinem Keller einen Bunker gebaut – aus Angst vor Russland, wie er selbst sagt. Die Polizei stellte in dem Verschlag jede Menge Waffen und Material zur Herstellung von Sprengstoff sicher. Mehr

21.11.2014, 12:38 Uhr | Gesellschaft
Korruptionsverdacht Portugals Ex-Regierungschef Socrates festgenommen

Sechs Jahre lang war er Ministerpräsident von Portugal. Nun ist José Socrates festgenommen worden. In den Ermittlungen geht es um Steuerhinterziehung und Korruption. Mehr

22.11.2014, 03:15 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.04.2013, 06:30 Uhr

Russische Tatsachen

Von Reinhard Veser

Der Kreml ist am Krieg in der Ukraine beteiligt, das bestätigen auch die Separatisten ganz offen. Wer das noch leugnet, verschließt die Augen vor den Tatsachen. Mehr 52