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Afroamerikanische Universitäten : Howard geht es schlecht

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Die Howard University im Nordwesten der amerikanischen Hauptstadt gilt als Hort der afroamerikanischen Kultur und Geschichte Bild: Howard University

Die Geschichte der Schwarzen hat an Amerikas Schulen und Universitäten keinen Platz. Die Howard University stellt die Kultur der Afroamerikaner dagegen in den Mittelpunkt. Jetzt geht es der Schule schlecht, weil sich Amerika verändert.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama sprach im August vergangenen Jahres anlässlich des 50. Jubiläums von Martin Luther Kings „I have a Dream“-Rede auf den Stufen des Lincoln Memorials in Washington DC. Seine Rede war mit Spannung erwartet worden, der erste schwarze Präsident sollte erklären, wie es um den Rassismus im Land bestellt war. „Es hat sich viel verändert, für Euch und für mich“, rief er dem überwiegend schwarzen Publikum zu. „Heute können die Kinder der Aktivisten um Martin Luther King Universitäten besuchen, sie haben echte Chancen in Amerika.“

          Der Wandel in der amerikanischen Gesellschaft lässt sich nirgendwo so gut beobachten wie an den Universitäten des Landes: Hatten Bürgerrechtler wie John Lewis oder Martin Luther King selbst noch Hochschulen besucht, die im rassistischen Amerika der fünfziger Jahre ausschließlich  schwarze Studenten unterrichteten, besuchen junge Schwarze im Jahr 2014 die Schule, die sie besuchen wollen – und bezahlen können.

          Die Bürgerrechtler John Lewis (l.) und Martin Luther King (4.v.r.) besuchten „Historically Black Universities and Colleges“. Das Bild zeigt sie mit ihrem Mitstreitern beim „Marsch auf Washington“ im Jahr 1963.
          Die Bürgerrechtler John Lewis (l.) und Martin Luther King (4.v.r.) besuchten „Historically Black Universities and Colleges“. Das Bild zeigt sie mit ihrem Mitstreitern beim „Marsch auf Washington“ im Jahr 1963. : Bild: picture alliance / dpa

          Den „Historically Black Colleges and Universities“, Schulen, die sich auf die Ausbildung schwarzer Akademiker spezialisiert haben, geht es deshalb schlecht. Die strikte Teilung der Gesellschaft in Schwarz und Weiß ist über die Jahrzehnte vor allem im Osten und Westen Amerikas einem Nebeneinander der Ethnien gewichen. Rassismus gibt es in den Vereinigten Staaten zwar immer noch – nur ist er leiser geworden und weniger offensichtlich. Deshalb besuchen immer weniger Studenten die Hochburgen afroamerikanischer Kultur, die vor allem im Süden der Vereinigten Staaten liegen. Eliteschulen wie die Columbia University in New York oder das Boston College locken nicht mehr nur weiße Topstudenten mit namhaften Professoren und prominenten Absolventen, auch viele Afroamerikaner zieht es dorthin.

          Im Nordwesten von Washington DC liegt die Howard University, von ihren Studenten ehrfürchtig „The Mekka“ genannt – in Anlehnung an den muslimischen Pilgerort. Keine andere „schwarze Schule“ in Amerika ist so bekannt und beachtet wie die Howard; die Schule bringt landesweit die meisten schwarzen Ärzte, Anwälte und Architekten hervor. Wer Howard besucht hat, schmückt sich meist stolz mit seinem Titel, der in der afroamerikanischen Gesellschaft hoch angesehen ist.  Seit der Gründung der Schule im Jahr 1867 lernen die Studenten hier über die Geschichte der Schwarzen in Amerika – von der Verschleppung als Sklaven über die Bürgerrechtsbewegung der sechziger und siebziger Jahre bis hin zur Wahl des ersten schwarzen Präsidenten, der auf den Stufen des Lincoln Memorial über die Situation der Minderheiten in Amerika spricht. „Howard schafft eine schwarze Identität, man ist stolz auf die eigene Kultur, darauf, dass man schwarz ist“, erklärt Emma Knox. Sie ist die Tochter einer Afroamerikanerin und eines weißen Amerikaners, aufgewachsen in München. Nach dem Abitur in Bayern schrieb sie sich für ein Wirtschaftsstudium bei Howard ein. „Harvard bietet seinen brillanten Studenten die Möglichkeit noch brillanter zu werden“, sagt sie. „Das ist bei Howard anders: Hier lernen Schwarze, sich in der Arbeitswelt des weißen Amerikas zu behaupten.“

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